Sturzprävention, Senioren

Sturzprävention bei Senioren: 1,8 Milliarden Franken Kosten pro Jahr

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Jährlich entstehen in der Schweiz 1,8 Milliarden Franken direkte Sturzfolgekosten; Bewegung und Gleichgewichtstraining gelten als Präventionsansätze.

Sturzprävention im Alter: Risiken, Kosten und wirksame Ansätze
Ein heller, leerer Flur mit einem stabilen Handlauf an der Wand und einem rutschfesten Bodenbelag. Illustration mit AI erstellt.

Die Sturzprävention bei älteren Menschen gewinnt angesichts demografischer Entwicklungen und erheblicher wirtschaftlicher Belastungen zunehmend an Bedeutung.

Experten der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) und der Universitätsspitäler Genf (HUG) analysieren in diesem Zusammenhang Strategien, um der Gangunsicherheit bei Senioren entgegenzuwirken. In der Schweiz sterben jährlich rund 1700 Menschen an den Folgen eines Sturzes, wobei 95 Prozent der Betroffenen über 65 Jahre alt sind.

Wirtschaftliche Tragweite und gesundheitliche Risiken

Stürze gelten bei Senioren als die häufigste Ursache für Verletzungen. Einem Bericht der BfU vom 26. September 2026 zufolge ereignet sich die Hälfte dieser Unfälle im häuslichen Umfeld.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind beträchtlich: Lucien Combaz, Sprecher der BfU, bezifferte die direkten Kosten durch Stürze auf jährlich 1,8 Milliarden Franken. Die tatsächlichen gesellschaftlichen Gesamtkosten lägen laut der Beratungsstelle sogar noch deutlich darüber.

Klinische Beobachtungen der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) verdeutlichen die Schwere der medizinischen Folgen. DGOU-Präsident Frank Hildebrand verwies auf Oberschenkelhalsbrüche und schwere Kopfverletzungen als typische Resultate.

Zudem bestehe im Herbst ein erhöhtes Risiko durch nasses Laub, das laut Hildebrand bereits vor dem ersten Glatteis wie Schmierseife wirken könne. Carl Neuerburg von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) warnte zudem vor einem Teufelskreis: Wer aus Angst vor Stürzen die Bewegung reduziere, verliere Muskelkraft und Gleichgewicht, was das langfristige Sturzrisiko weiter erhöhe.

Medizinische Erkenntnisse und Präventionsansätze

Das Zentrum für Sturzprävention der Universitätsspitäler Genf (HUG) betreibt seit rund zwei Jahren ein spezialisiertes Rehabilitationsprogramm, das an zwei Nachmittagen pro Woche stattfindet. Die Ärztin Aurélie Tahar empfiehlt zur Vorbeugung neben proteinreicher Ernährung vor allem regelmäßige körperliche Aktivität.

Diese Empfehlung wird durch eine Studie der Medizinischen Universität Wien gestützt, die am 25. September 2026 thematisiert wurde. Die Untersuchung von Cristina Fastl basierte auf Daten von 3.995 Teilnehmern einer repräsentativen österreichischen Gesundheitsbefragung.

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Die Ergebnisse zeigen, dass lediglich 29,6 Prozent der Österreicher ab 65 Jahren die Empfehlung von mindestens 150 Minuten aerober Aktivität pro Woche erfüllen.

Modellrechnungen der Universität deuten darauf hin, dass bei ausreichender Aktivität aller Senioren hypothetisch bis zu 46,6 Prozent der Schlaganfälle, 40,8 Prozent der Herzinfarkte und 35,8 Prozent der Diabetes-mellitus-Fälle vermeidbar wären. Zusätzlich rät die Universität zu dreimal wöchentlichen Gleichgewichtsübungen.

Technologische Innovationen und praktisches Training

Im Bereich der technischen Unterstützung wurde auf der IFA 2026 in Berlin das Hüft-Exoskelett AlpWalk S1 vorgestellt. Das Gerät nutzt zwei Motoren, die den Energieaufwand beim Laufen um bis zu 35 Prozent reduzieren sollen.

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Ein Algorithmus namens „Gentle-Pace“ wurde hierfür mit Daten von über 10.000 Gangarten von Senioren trainiert. Das System ist nach IP54 geschützt, faltbar und erreicht eine Akkulaufzeit von bis zu 20 Kilometern. Der Hersteller gibt für Frühbucher einen Preis von 1.099 Euro an, während der reguläre Preis bei 1.299 Euro liegen soll.

Neben High-Tech-Lösungen setzen Organisationen wie der Stadtverkehr Euskirchen und der Regionalverkehr Köln (RVK) auf praktische Trainings. Bei Übungen zum sicheren Ein- und Aussteigen an Bussen riet RVK-Mitarbeiter Uwe Madsak dazu, für das Fahrpersonal gut sichtbar zu sein und den Bus rückwärts vor dem Rollator zu verlassen.

Jörg Meyer von der Polizei betonte zudem die Bedeutung der Sichtbarkeit: Während Personen in dunkler Kleidung nachts erst aus rund 25 Metern erkennbar seien, erhöhe reflektierende Kleidung diesen Wert auf 150 Meter.

Rechtliche Rahmenbedingungen in der Pflege

Auch die professionelle Pflege setzt sich intensiv mit der Thematik auseinander. Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz kündigte für den 6. Oktober 2026 ein Webinar zur rechtssicheren Sturzprophylaxe an. Die Sachverständige Anke-Petra Kasimir wird dabei den Expertenstandard Sturzprophylaxe als maßgebliches Kriterium für Gutachten erläutern.

Die Veranstaltung thematisiert haftungs- und strafrechtliche Grundlagen sowie die Verantwortlichkeiten verschiedener Hierarchieebenen, von der Pflegehilfskraft bis zur Geschäftsführung, um eine Versorgung nach aktuellen fachlichen Standards sicherzustellen.

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