Suizide in Deutschland: 11.334 Todesfälle – höchster Stand seit 1998
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 19:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Zahl der Suizide in Deutschland hat das höchste Niveau seit 1998 erreicht. Nach Angaben des Nationalen Suizidpräventionsprogramms und der Deutschen Akademie für Suizidprävention in Kassel starben im Jahr 2025 hierzulande 11.334 Menschen durch Selbsttötung. Dies entspricht einem Zuwachs von 962 Fällen oder 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Aus der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass Suizide mit 11.334 registrierten Fällen (plus 9,27 Prozent) 1,1 Prozent aller Todesursachen ausmachten. Parallel dazu verzeichnen Krankenkassen und Präventionsnetzwerke anhaltende Höchststände bei psychisch bedingten Ausfallzeiten im Arbeitsleben.
Anhaltender Anstieg und demografische Entwicklungen
Wie das Nationale Suizidpräventionsprogramm und die Deutsche Akademie für Suizidprävention darlegen, steigen die Suizidzahlen seit 2021 wieder an – innerhalb von vier Jahren um rund 23 Prozent. Von den 11.334 Todesfällen im Jahr 2025 entfielen 7.846 auf Männer (69,2 Prozent) und 3.488 auf Frauen.
Seit 2020 kletterte die Zahl der Suizide bei Frauen um 54 Prozent, während bei Männern ein Zuwachs von 13 Prozent registriert wurde. Im Vorjahresvergleich zu 2024 nahmen die Fälle bei Frauen im Jahr 2025 um 17,9 Prozent zu. Besonders stark war dabei der Anstieg tödlicher Selbstvergiftungen mit Arzneimitteln bei Frauen, die von 1.073 Fällen im Jahr 2024 auf 1.593 im Jahr 2025 zulegten.
Zudem betraf fast die Hälfte aller Suizide des Jahres 2025 Menschen ab 65 Jahren. In dieser Altersgruppe wuchs die Zahl um 558 auf 5.510 Fälle. Unter den verstorbenen Frauen waren 64 Prozent mindestens 60 Jahre alt, bei den Männern lag dieser Anteil bei 56 Prozent.
Das Nationale Suizidpräventionsprogramm und die Deutsche Akademie für Suizidprävention schätzen für 2025 zudem weit mehr als 100.000 Suizidversuche. Mehr als 68.000 Menschen verloren demnach eine nahestehende Person durch einen Suizid.
Regionale Unterschiede und Suizidhilfeorganisationen
Auf Länderebene wiesen Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Bremen 2025 die höchsten Suizidraten auf, während die niedrigsten Werte im Saarland und in Nordrhein-Westfalen gemessen wurden. Drei Suizidhilfeorganisationen meldeten für 2025 zudem 1.287 begleitete Suizide, nach 977 im Vorjahr.
Angesichts dieser Entwicklung fordern das Nationale Suizidpräventionsprogramm und die Deutsche Akademie für Suizidprävention mehr finanzielle Mittel für die Präventionsarbeit sowie eine einheitliche Erfassung assistierter Suizide. Die Suizidforscherin Ute Lewitzka von der Universität Frankfurt verweist als Ursachen für die Zunahme unter anderem auf finanzielle Not und soziale Medien.
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Die Entwicklung in Deutschland steht im Kontrast zu globalen Trends: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sanken die Suizidraten weltweit zwischen 1990 und 2021 um 30 Prozent; das globale Ziel sieht einen weiteren RĂĽckgang um ein Drittel bis 2030 vor.
Hohe Arbeitsunfähigkeit durch psychische Diagnosen
Die wachsende Belastung spiegelt sich auch in der Arbeitswelt wider. Laut dem Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) stiegen die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen bei AOK-versicherten Beschäftigten binnen zehn Jahren um knapp 42 Prozent: von 284 Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tagen) je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 403 Tage im Jahr 2025. Im selben Jahr wurden 14,1 psychisch bedingte AU-Fälle je 100 Mitglieder verzeichnet, mit einer durchschnittlichen Dauer von 28,5 Tagen je Fall.
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Zum Vergleich: Atemwegserkrankungen führten zu 80,3 Fällen je 100 Mitglieder bei einer durchschnittlichen Dauer von 5,7 Tagen. Die Burnout-Diagnosen nahmen im Zehnjahresvergleich um 77 Prozent zu – von 11,0 Ausfalltagen je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 19,5 Tage im Jahr 2025.
Branchenspezifisch zeigten sich 2025 die höchsten Fallzahlen im Dialogmarketing mit 39,0 psychisch bedingten AU-Fälle je 100 Mitglieder, gefolgt von der Haus- und Familienpflege (25,6), der Altenpflege (24,9), der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik (24,6) sowie der Kinderbetreuung (23,0).
Nach Angaben der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) verursachten psychische Erkrankungen im Jahr 2024 in Deutschland 147,3 Millionen Fehltage und machten 42 Prozent der Erwerbsminderungsrenten aus.
Vor dem Hintergrund der Kampagne der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz fordern die NPK-Mitglieder in einem Positionspapier eine engere Verzahnung von Arbeitsschutz, betrieblicher Gesundheitsförderung und betrieblichem Eingliederungsmanagement.
