Verdauung: Langsames Gehen hilft mehr als hochprozentiger Alkohol
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Digestif gilt in vielen Kulturen als fester Bestandteil einer reichhaltigen Mahlzeit. Doch wissenschaftliche Untersuchungen stellen die vermeintlich verdauungsfördernde Wirkung von alkoholischen GetrĂ€nken wie KrĂ€uterlikör oder ObstbrĂ€nden zunehmend infrage. Forschende weisen darauf hin, dass es fĂŒr die oft proklamierte UnterstĂŒtzung der Magenarbeit durch Spirituosen keine klinischen Belege gibt.
Magenentleerung und die Rolle von Bewegung
Eine bereits im Jahr 2008 durchgefĂŒhrte Studie mit zehn gesunden MĂ€nnern untersuchte die Auswirkungen verschiedener alkoholischer GetrĂ€nke auf den Verdauungstrakt. Dabei wurden Spirituosen wie Brandy, KrĂ€uterlikör, Aquavit und Williamsbrand getestet.
Das Ergebnis zeigte, dass keines dieser GetrĂ€nke die Magenentleerung beschleunigte. Stattdessen erwies sich langsames Gehen als die einzige wirksame MaĂnahme, um den Verdauungsprozess physisch zu unterstĂŒtzen.
Obwohl fĂŒr die verdauungsfördernde Wirkung kein wissenschaftlicher Beleg vorliegt, gibt es laut den Forschenden allerdings auch keine Hinweise darauf, dass der Konsum eines Digestifs in diesem Kontext unmittelbar gesundheitliche SchĂ€den verursacht. Der weit verbreitete Mythos, dass hochprozentiger Alkohol den Magen âaufrĂ€umeâ, lĂ€sst sich physiologisch jedoch nicht halten.
Bitterstoffe und Wein in der klinischen Bewertung
Ein hĂ€ufig angefĂŒhrtes Argument fĂŒr den Digestif ist der Gehalt an Bitterstoffen, insbesondere in KrĂ€uterlikören. Fachleute betonen jedoch, dass fĂŒr diese Inhaltsstoffe kein klinischer Nachweis einer verdauungsfördernden Wirkung existiert.
In Bezug auf den Konsum von Wein im Rahmen einer Mahlzeit erlĂ€uterte die Gastroenterologin Malena GarcĂa Arredondo, dass dieser unter UmstĂ€nden Sodbrennen oder Reflux auslösen kann. Dies liege nicht ausschlieĂlich am Alkoholgehalt, sondern an einer Kombination aus organischen SĂ€uren, phenolischen Verbindungen sowie dem Zeitpunkt der Mahlzeit und der individuellen Empfindlichkeit der betroffenen Person.
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Studien verdeutlichen zudem, dass bereits eine Menge von 125 ml Rot- oder WeiĂwein die Magensekretion stĂ€rker anregt als eine vergleichbare Menge Ethanol. GarcĂa Arredondo gab zu bedenken, dass es kein universelles Ranking fĂŒr die Bekömmlichkeit verschiedener Weine gebe, da der Kontext der Mahlzeit entscheidend sei. GrundsĂ€tzlich werde zur MĂ€Ăigung geraten; bei hĂ€ufig auftretenden Symptomen nach dem Konsum sei eine Ă€rztliche AbklĂ€rung notwendig.
Physiologische Wechselwirkungen zwischen Nahrung und Alkohol
Die Geschwindigkeit, mit der der Körper Alkohol aufnimmt, hĂ€ngt maĂgeblich von der Zusammensetzung der zuvor verzehrten Speisen ab. Dr. Duane Mellor vom britischen Gesundheitsdienst NHS erklĂ€rte, dass insbesondere fett- und proteinreiche Lebensmittel die AusschĂŒttung des Hormons Cholecystokinin (CCK) bewirken. Dieses Hormon verzögert die Magenentleerung, was in der Folge die Absorption von Alkohol im Körper verlangsamt.
Diese Beobachtung wird durch Erkenntnisse von Dr. Sally Adams von der UniversitÀt Birmingham ergÀnzt. Sie wies darauf hin, dass die Aufnahme von Nahrung vor dem Alkoholkonsum dazu beitragen kann, die negativen Folgen eines Katers zu vermindern.
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Durch die langsamere Aufnahme in den Blutkreislauf werden Spitzenwerte der Alkoholkonzentration abgemildert. Zusammenfassend lĂ€sst sich festhalten, dass eher die feste Nahrung und moderate Bewegung den Verdauungsprozess begĂŒnstigen, wĂ€hrend der klassische Digestif primĂ€r eine Genussfunktion ohne klinischen Zusatznutzen erfĂŒllt.
