Verimi, Jahresende

Verimi schließt zum Jahresende: EUDI Wallet verdrängt Berliner ID-Dienst

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 22:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Der Berliner Anbieter Verimi stellt seinen Betrieb zum Jahresende ein. Grund ist die bevorstehende Einführung der europäischen Digital-Wallet, die private Modelle verdrängt.

Verimi schließt Ende 2026: EU-Wallet verdrängt privaten Identitätsdienst
Ein stilisiertes, fragmentiertes Symbol digitaler Identität löst sich in Binärcode und Lichtpartikel auf, mit angedeuteter EU-Karte im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Unternehmen gab heute bekannt, dass die Gesellschafter die Einstellung des Geschäftsbetriebs zum 31. Dezember 2026 beschlossen haben. Als Grund nennt Verimi die veränderte strategische Lage: Die Novelle der eIDAS-Verordnung und die bevorstehende Einführung der European Digital Identity Wallet (EUDI) hätten die Rahmenbedingungen für private Identitätsdienste grundlegend verschoben.

Erfolgreiches Geschäftsmodell wird obsolet

Verimi war 2018 als Joint Venture mehrerer deutscher Großkonzerne gestartet. Das Unternehmen hatte erst 2024 die Gewinnschwelle erreicht und war seitdem profitabel. Dennoch sei die Entscheidung unausweichlich gewesen, erklärte Aufsichtsratschef Stefan Imme. Man habe die Entwicklung der digitalen Identitätsinfrastruktur in Europa genau verfolgt – und die Schlussfolgerung sei klar gewesen.

Die rund 80 Mitarbeiter am Berliner Hauptsitz werden den Dienst bis Ende 2026 weiterbetreiben, um einen geordneten Übergang für Nutzer und Partner zu gewährleisten.

EUDI Wallet kommt zum Jahreswechsel

Die Schließung von Verimi fällt zeitlich mit der verpflichtenden Einführung der EUDI Wallet zusammen. Ab dem 1. Januar 2027 müssen alle EU-Mitgliedstaaten eine digitale Brieftasche anbieten. Der Bundestag hat dafür kürzlich das Digitale-Identitäten-Gesetz (DIdG) verabschiedet.

Die neue Wallet soll es Bürgern ermöglichen, Personalausweis, Führerschein und Bankdaten in einer einzigen Anwendung zu speichern. Drei Modelle sind vorgesehen:
- Staatlich bereitgestellte Wallets
- Wallets im staatlichen Auftrag
- Anerkannte private Wallet-Lösungen

Doch die Umstellung birgt Risiken. Branchenumfragen zufolge ist die Mehrheit der deutschen Bürger mit dem Wallet-Konzept bislang nicht vertraut. Die Bundesregierung hat daher kürzlich den PIN-Zurücksetzungsdienst für den elektronischen Personalausweis reaktiviert – ein Zeichen, dass man die Bürger nicht allein lassen will.

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Sicherheitsbedenken aus der Wissenschaft

Rund 400 Wissenschaftler aus 29 Ländern haben Bedenken gegen die Wallet-Architektur angemeldet. Sie fordern einen Stopp des Rollouts und verweisen auf Sicherheitslücken sowie Risiken durch die Zentralisierung von Daten. Als Warnbeispiele nennen sie frühere staatliche ID-Systeme aus anderen Ländern.

Während Deutschland auf den Start im Januar 2027 zusteuert, konsolidieren andere europäische Märkte bereits ihre Angebote. In Österreich hat der Anbieter iDenfy die staatliche „Handy-Signatur" in seine Plattform integriert – ein System mit über vier Millionen aktiven Nutzern.

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Digitalisierung fordert weitere Opfer

Der Druck der Digitalisierung zeigt sich auch in anderen Branchen. Der Discounter Kodi hat heute zum zweiten Mal Insolvenz angemeldet. 50 der verbliebenen 150 Filialen werden geschlossen, 1.200 Mitarbeiter sind betroffen. Hohe Kosten und die Konkurrenz durch Online-Plattformen machten dem Unternehmen zu schaffen.

Die Entwicklung bei Verimi ist ein weiteres Beispiel dafür, wie staatliche Digitalisierungsprojekte private Geschäftsmodelle verdrängen können. Ob die EUDI Wallet hält, was sie verspricht, wird sich ab Januar 2027 zeigen.

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