Vollkorn, Hypertonie

Vollkorn bei Hypertonie: 60 bis 100 Gramm tĂ€glich bringen den grĂ¶ĂŸten Nutzen

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden Vollkorn und ausgewĂ€hlte Mineralstoffe mit gĂŒnstigeren Blutdruckwerten; ErnĂ€hrung ergĂ€nzt die Ă€rztlich begleitete Behandlung.
Frisches GemĂŒse, NĂŒsse und HĂŒlsenfrĂŒchte auf einem hellen Holztisch bei natĂŒrlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

FachbeitrĂ€ge unterstreichen den maßgeblichen Einfluss einer salzarmen, vitaminreichen ErnĂ€hrung sowie einer bewussten Auswahl von Mineralstoffen auf die Blutdruckregulation und die medikamentöse Behandlung von Hypertonie. Eine angepasste ErnĂ€hrungsweise gilt dabei als essenzielle Begleitmaßnahme, die den Verlauf chronischer GefĂ€ĂŸerkrankungen positiv beeinflussen kann.

ErnĂ€hrungsumstellung als therapeutische UnterstĂŒtzung

Dr. Ola Shawqi, Dekanin des Nationalen ErnĂ€hrungsinstituts in Ägypten, wies darauf hin, dass eine gezielte Umstellung der Essgewohnheiten das Ansprechen auf therapeutische Maßnahmen bei chronischen Krankheiten spĂŒrbar verbessert.

Im Falle von Bluthochdruck könne eine strukturierte Anpassung unter kontinuierlicher Àrztlicher Aufsicht dazu beitragen, die erforderliche Dosis oder die Gesamtzahl der verordneten Medikamente zu verringern.

Dennoch betont die Expertin, dass diĂ€tetische Maßnahmen kein eigenstĂ€ndiger Ersatz fĂŒr eine medikamentöse Therapie sind; von Selbstmedikation und eigenmĂ€chtigen Therapieanpassungen wird dringend abgeraten.

In dieselbe Richtung weisen GrundsĂ€tze der DASH-ErnĂ€hrung (Dietary Approaches to Stop Hypertension), die den Verzehr von GemĂŒse, Obst, Vollkorn, HĂŒlsenfrĂŒchten, NĂŒssen, Fisch, GeflĂŒgel und fettarmen Milchprodukten hervorhebt.

Das Konzept zielt darauf ab, Natrium, gesÀttigte Fette und Zucker zu reduzieren, wÀhrend gleichzeitig MikronÀhrstoffe wie Kalium, Calcium und Magnesium sowie Ballaststoffe gefördert werden.

Fachleute empfehlen dabei eine Begrenzung der Natriumzufuhr auf unter 2300 mg tĂ€glich. Da eine ErnĂ€hrungsumstellung allein in vielen FĂ€llen nicht ausreicht, dĂŒrfen verschriebene PrĂ€parate keinesfalls eigenmĂ€chtig abgesetzt werden.

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Wissenschaftliche Daten zu Vollkorn und MikronÀhrstoffen

Der klinische Nutzen bestimmter Lebensmittelgruppen wird durch umfangreiche Analysen belegt. Eine Metaanalyse im European Heart Journal, die 87 randomisierte Studien mit rund 6.500 Teilnehmenden auswertete, ergab, dass Vollkornprodukte den systolischen Blutdruck, den Cholesterinspiegel, die Triglyceride, die Blutglukose sowie das Körpergewicht und den Taillenumfang senken.

Erste messbare Effekte zeigten sich bereits bei einer tĂ€glichen Zufuhr von 30 bis 40 g Vollkorn, wĂ€hrend der grĂ¶ĂŸte Nutzen bei 60 bis 100 g pro Tag (entsprechend etwa vier bis sechs Portionen) beobachtet wurde. Pro zusĂ€tzlichen 48 g Vollkorn pro Tag verringerte sich der systolische Blutdruck rechnerisch um circa 0,82 mm Hg.

Eine weitere Metaanalyse von neun Studien in Scientific Reports stellte fest, dass die Gruppe mit dem höchsten Vollkornkonsum ein um 26 % geringeres Hypertonie-Risiko aufwies, wobei jede Steigerung um 90 g tÀglich mit einer Risikoreduktion von etwa 14 % einherging.

Auch Mineralstoffe spielen eine zentrale Rolle in der GefĂ€ĂŸfunktion. Wie ein Beitrag im The American Journal of Clinical Nutrition darlegt, trĂ€gt ein Mangel an Kalium zur Blutdruckerhöhung bei. Kalium fördert die Entspannung der Arterien und die renale Natriumausscheidung, wodurch FlĂŒssigkeitsansammlungen und GefĂ€ĂŸdruck verringert werden.

Eine moderate Nutzung von Mineralsalzersatz in gleicher Dosierung wie herkömmliches Salz wird diskutiert; bei fortgeschrittenen Nierenerkrankungen ist jedoch Vorsicht geboten, um lebensbedrohliche HyperkaliÀmien zu vermeiden.

Hinsichtlich Magnesium berichtet die Gesellschaft fĂŒr Magnesiumforschung, dass 10 bis 20 mmol Magnesium tĂ€glich (wobei 20 mmol etwa 360 mg entsprechen) den diastolischen Blutdruck im Schnitt um 10 mmHg senken. Eine weitere Studie belegte positive Effekte nach einer dreimonatigen Gabe von 368 mg pro Tag.

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Die empfohlene Zufuhr bei Hypertonie liegt bei 300 bis 600 mg tĂ€glich. Eine Studie des CMER aus dem Jahr 2024 hebt hervor, dass zusĂ€tzliches Magnesium insbesondere bei therapieresistentem Bluthochdruck sowie unter Diuretika-Therapie, die Mineralstoffverluste begĂŒnstigt, nĂŒtzlich ist.

Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) empfiehlt Erwachsenen eine tĂ€gliche Zufuhr von 350 mg fĂŒr MĂ€nner und 300 mg fĂŒr Frauen. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung treten schwere Nebenwirkungen erst ab Dosierungen von 2500 mg pro Tag auf.

Empfohlene Lebensmittel und Risikofaktoren

Die ErnĂ€hrungswissenschaftlerin Ivona Brodi? hebt hervor, dass Lebensmittel wie Kartoffeln, Tomaten, Spinat, HĂŒlsenfrĂŒchte und Bananen wertvolle Kaliumquellen darstellen, wĂ€hrend Rote-Bete-Saft bei manchen Personen zu einer moderaten Blutdrucksenkung fĂŒhren kann.

Gleichzeitig empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die tĂ€gliche Salzaufnahme strikt auf unter 5 g – rund einen Teelöffel – zu begrenzen, wobei versteckte Salze in Brot, KĂ€se, Wurst und Fertiggerichten einzurechnen sind.

Auf kardiologischer Seite raten Pritha Gupta, Johanna Contreras und Clyde Yancy von zehn problematischen Produktgruppen ab: verarbeitetem Fleisch wie Speck oder Wurst, GemĂŒsekonserven, Fertigsuppen, Pizza, plastikverpackten Snacks, zuckerhaltigen Sport- und ErfrischungsgetrĂ€nken, Alkohol, stark gesalzenen GewĂŒrzmischungen, Ketchup und BBQ-Saucen sowie TiefkĂŒhlfertiggerichten und scharf gegrilltem Fleisch. Stattdessen sollten kaliumreiche Alternativen wie Linsen und BlattgemĂŒse im Vordergrund stehen.

Allgemeine ErnÀhrungsleitlinien bei Hypertonie veranschlagen ein Energieniveau von 1500 bis 1800 kcal pro Tag (bei Adipositas 1200 bis 1500 kcal), wobei Kohlenhydrate rund 60 % der Energie beisteuern sollten (250 bis 300 g/Tag bzw. 150 bis 200 g/Tag bei Adipositas).

Fettzufuhr ist streng zu begrenzen, ungesÀttigte FettsÀuren wie Omega-3 aus Lachs oder Leinöl und Omega-9 aus Olivenöl sind gesÀttigten Fetten vorzuziehen. Ein moderater Konsum von bis zu zwei Tassen Kaffee oder maximal 150 ml Rotwein pro Tag gilt laut Fachberichten als vereinbar mit einer herzgesunden Lebensweise.

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