Vollkorn gegen Herzrisiken: Schon 30 bis 40 Gramm täglich zeigen Wirkung
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 13:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine umfangreiche Untersuchung der Universität Tabriz im Iran und des Imperial College London liefert detaillierte Belege für den gesundheitlichen Nutzen von Vollkornprodukten.
Die im September 2026 im European Heart Journal veröffentlichte Meta-Analyse wertete 87 randomisierte klinische Studien mit insgesamt über 6.500 Teilnehmern aus verschiedenen Weltregionen aus, darunter Europa, die USA, Asien und Australien.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass der regelmäßige Verzehr von Vollkorn eine effektive und kostengünstige Methode darstellt, um Herz-Kreislauf-Risiken zu minimieren.
Signifikante Verbesserung klinischer Marker durch Vollkorn
Die Analyse der Forscherteams zeigt, dass ein erhöhter Konsum von Vollkorngetreide zahlreiche Gesundheitsindikatoren positiv beeinflusst. Demnach führe der Verzehr zu einer Senkung des Körpergewichts, des Taillenumfangs sowie des Blutdrucks. Auch die Werte für das Gesamtcholesterin, das LDL-Cholesterin, Triglyceride, den Nüchternblutzucker und den Entzündungsmarker Interleukin-6 verbesserten sich bei den Probanden.
Besonders detailliert erfassten die Wissenschaftler die Veränderungen der Blutwerte: Das LDL-Cholesterin sank im Durchschnitt um 0,13 mmol/l, was ab einem Wert von 0,10 mmol/l als klinisch relevant eingestuft wird. Zudem wurde eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 0,51 kg und eine Verringerung des Taillenumfangs um 0,6 cm festgestellt.
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Während für Merkmale wie Gewicht und Gesamtcholesterin eine hohe Evidenz vorliegt, ordnen die Forscher die Belege für die Senkung von Triglyceriden und Blutdruck als moderat ein. Die untersuchten Studien hatten eine durchschnittliche Dauer von acht Wochen, weshalb Langzeitwirkungen noch Gegenstand künftiger Forschung bleiben.
Optimale Dosierung und Bedeutung von Haferprodukten
Die Wirkung des Getreideverzehrs ist laut der Untersuchung stark mengenabhängig. Erste Vorteile setzen bereits bei einer Menge von 30 bis 40 g Vollkorn pro Tag ein.
Die stärksten Effekte beobachteten die Wissenschaftler jedoch bei einem täglichen Verzehr von 60 bis 100 g (Trockengewicht), was etwa vier bis sechs Portionen entspricht. Studienleiterin Helda Tutunchi von der Universität Tabriz schätzt, dass diese Menge das Risiko für Koronarerkrankungen um etwa 10 bis 15 % senken könnte.
Innerhalb der Getreidesorten nimmt Hafer eine besondere Rolle ein. Eine weitere Meta-Analyse von 17 Studien belegt, dass der im Hafer enthaltene lösliche Ballaststoff Beta-Glucan das LDL-Cholesterin im Schnitt um 0,24 mmol/l senken kann.
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Ein Kardiologe erläuterte dazu, dass Beta-Glucan Gallensäuren im Darm binde. Da der Körper zur Neubildung von Gallensäuren Cholesterin aus dem Blut verwende, sinke in der Folge der LDL-Spiegel. Für eine effektive Cholesterinsenkung seien etwa 75 g Haferflocken oder 50 g Haferkleie täglich erforderlich.
Eine Ökotrophologin weist zudem darauf hin, dass die Zubereitung als „Overnight Oats“ durch das Einweichen den Gehalt an Phytinsäure reduziert, wodurch Mineralstoffe für den Körper besser verfügbar werden.
Herausforderungen im Konsumverhalten und künftige Forschung
Trotz der belegten Vorteile erreichen viele Bevölkerungsgruppen die empfohlenen Mengen bisher nicht. In den USA konsumieren laut Daten der Gesundheitsbehörde CDC weniger als 2 % der Menschen die empfohlene Tagesmenge an Vollkorn; der Durchschnitt liegt bei zwei bis vier Portionen.
In Europa zeigt sich ein ähnliches Bild: Eine italienische Studie aus dem Jahr 2019 ergab, dass nur jede vierte Person regelmäßig Vollkornprodukte in den Speiseplan integriert.
Dagfinn Aune vom Imperial College London geht von einem wahrscheinlich kausalen Effekt zwischen Vollkornverzehr und der Senkung von Herzrisiken aus. Dennoch betonen die Experten, dass Vollkornprodukte kein Ersatz für eine medikamentöse Behandlung bei diagnostizierten Fettstoffwechselstörungen sind, sondern als Teil einer ausgewogenen Ernährung fungieren sollten.
Das Forschungsteam fordert für die Zukunft weitere Langzeitstudien, die insbesondere Mengen von über 100 g täglich sowie die Auswirkungen von ultra-verarbeiteten Vollkornprodukten untersuchen.
Zudem deuten klinische Beobachtungen darauf hin, dass ein strikter Verzicht auf Vollkorn, etwa im Rahmen einer glutenfreien Ernährung ohne medizinische Notwendigkeit, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen statistisch erhöhen kann.
