Waldtherapie: Vier Millionen Schlaflose profitieren von Natur-Rezepten
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gezielte Einbindung von Naturräumen in die medizinische Versorgung gewinnt international an Bedeutung. Unter dem Ansatz der sozialen Verschreibung erproben Gesundheitseinrichtungen zunehmend nicht-medikamentöse Therapien, um psychische Belastungen und Schlafprobleme zu behandeln.
Ein strukturiertes Modellprojekt im Botanischen Garten Taipeh verbindet forstwissenschaftliche Erkenntnisse mit klinischer Betreuung, um Betroffenen konkrete Wege zur Erholung im Grünen aufzuzeigen.
Kooperation zwischen Forstforschung und Kliniken
Das Forstforschungsinstitut des taiwanischen Landwirtschaftsministeriums hat gemeinsam mit dem Demenzzentrum des Taipei City Hospital sowie dem Far Eastern Memorial Hospital ein spezielles Gesundheitsprogramm initiiert. Unter dem Titel „Botanischer-Garten-Rezept: Karte für Stressabbau und guten Schlaf“ zielt die Maßnahme darauf ab, Patientinnen und Patienten den Zugang zu therapeutischen Spaziergängen im Botanischen Garten Taipeh zu erleichtern.
Medizinerinnen und Mediziner aus der Neurologie des Taipei City Hospital sowie aus der Psychiatrie des Far Eastern Memorial Hospital können Betroffenen, die als geeignet eingestuft werden, ein entsprechendes Botanischer-Garten-Rezept ausstellen.
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Die Vereinbarung sieht vor, dass das Angebot bis zum 31. Dezember 2026 für die Patientengruppen beider Kliniken zur Verfügung steht. Mit der Initiative reagieren die beteiligten Stellen auf eine weite Verbreitung von Schlafproblemen: Landesweit leiden rund vier Millionen Menschen an Schlaflosigkeit.
Ablauf und Anreize für Patientinnen und Patienten
Das Konzept basiert auf dem Modell der sozialen Verschreibung, bei dem Fachkräfte des Gesundheitswesens Aktivitäten im sozialen oder natürlichen Umfeld verordnen. Entlang der eigens erarbeiteten Karte absolvieren Teilnehmende therapeutische Spaziergänge im Botanischen Garten.
Das Programm verknüpft die Bewegung in der Natur mit festen Aufgaben. Wer die vorgegebenen Routen abgeht und die damit verbundenen Schritte abschließt, sammelt Punkte. Diese können im Anschluss gegen kleine Geschenke eingelöst werden, was zusätzliche Motivation für die regelmäßige Nutzung der Grünflächen schaffen soll.
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Vorherige Erhebungen belegen positive Effekte
Die aktuelle Initiative stützt sich auf mehrjährige Vorarbeiten im Botanischen Garten Taipeh. In den Jahren 2020 bis 2022 wurde dort bereits ein Testlauf mit Aktivitäten für alle fünf Sinne im Wald durchgeführt. Dabei gaben 174 Teilnehmende an, dass ihre Werte bei Stress, Depression und Angst deutlich gesunken seien. Zudem wiesen die Erhebungen auf eine stabile Herzfrequenz und einen stabilen Blutdruck hin.
Auch nach einer erstmaligen Einführung des Rezepts im Frühjahr des Vorjahres fielen die Rückmeldungen positiv aus: In 76 ausgewerteten Fragebögen gaben über 70 Prozent der befragten Personen an, dass sich ihre positive Stimmung verbessert habe. Das laufende Projekt führt diesen forsttherapeutischen Ansatz nun in Kooperation mit den beiden Kliniken fort.
