Herzerkrankung, Rauchstopp

Auch bei Herzerkrankung: Rauchstopp «halbiert» Infarktrisiko

31.08.2024 - 04:05:36

Wer nach Diagnose einer Herzkrankheit auf Zigaretten verzichtet, senkt das Risiko eines Infarkts um fast die HĂ€lfte. Mit dem Rauchstopp sollte man sich aber nicht viel Zeit lassen.

  • Kardiologe: Nichtraucher-Umfeld hilft beim Rauchstopp. (Archivbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa

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  • Besser spĂ€t als nie: Laut einer Studie profitieren auch Herzkranke vom Rauchstopp. (Archivbild) - Foto: Axel Heimken/dpa/dpa-tmn

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  • Nach einem Herzinfarkt bleiben langfristige SchĂ€den zurĂŒck. (Archivbild) - Foto: Robert Michael/dpa

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Kardiologe: Nichtraucher-Umfeld hilft beim Rauchstopp. (Archivbild) - Foto: Jens Kalaene/dpaBesser spĂ€t als nie: Laut einer Studie profitieren auch Herzkranke vom Rauchstopp. (Archivbild) - Foto: Axel Heimken/dpa/dpa-tmnNach einem Herzinfarkt bleiben langfristige SchĂ€den zurĂŒck. (Archivbild) - Foto: Robert Michael/dpa

Dass Rauchen gesundheitsschÀdlich ist und potenziell tödlich, ist allgemein bekannt. «Es gibt kaum eine Erkrankung, die nicht negativ mit Zigarettenrauch korreliert», sagt Ulrich Laufs vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Kardiologie am UniversitÀtsklinikum Leipzig. Doch obwohl Zigaretten nachweislich Tumore, SchlaganfÀlle und Herzinfarkte verursachen, fÀllt der Rauchstopp vielen Menschen schwer. 

Eine Studie zeigt, dass sich der Verzicht auf Zigaretten auch nach der Diagnose einer stabilen koronaren Herzkrankheit noch lohnt - und das Risiko fĂŒr schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Infarkte erheblich senkt. «Eine stabile koronare Herzkrankheit entsteht, wenn die HerzkranzgefĂ€ĂŸe durch Kalkablagerungen verengt sind», erklĂ€rt Laufs. Stabil bedeute in dem Zusammenhang, dass noch keine lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-VorfĂ€lle durch einen Verschluss von BlutgefĂ€ĂŸen verursacht wurden, etwa Herzinfarkte oder SchlaganfĂ€lle.

In der Untersuchung fanden Forscher heraus, dass sich das Risiko fĂŒr solch gefĂ€hrliche Ereignisse in einem Zeitraum von fĂŒnf Jahren fast halbierte (44 Prozent), wenn Patienten nach der Diagnose mit dem Rauchen aufhörten. Dagegen zeigte sich bei Rauchern, die ihren Zigarettenkonsum lediglich reduziert hatten, kein deutlicher Risikounterschied im Vergleich zu denen, die diese Gewohnheit beibehielten. 

Wenn nicht nach einer Diagnose - wann dann?

Besonders wichtig sei das erste Jahr nach der Diagnose, sagt Studienautor Jules Mesnier vom Hospital Bichat-Claude Bernard in Paris. Von jenen Teilnehmern, die nach der Diagnose das Rauchen stoppten, wurden 73 Prozent in diesem Zeitraum abstinent und senkten so ihr Risiko fĂŒr Herzinfarkte und andere schwerwiegende Herz-Kreislauf-VorfĂ€lle deutlich. 

Dass fast drei Viertel jener Patienten, die nach der Diagnose nicht mehr weiterrauchten, das Laster gleich im ersten Jahr ablegten, ist fĂŒr den Kardiologen Harm Wienbergen vom Klinikum Links der Weser in Bremen eine logische Konsequenz: «Nach so einer lebensbedrohlichen Schockdiagnose ist die Motivation, mit dem Rauchen aufzuhören, besonders hoch.» 

Patienten sollten vor allem zur Zeit der Diagnose bei der Herausforderung, mit dem Rauchen aufzuhören, unterstĂŒtzt werden. Ihnen zu sagen, dass sie ihr Risiko fĂŒr ein «schweres Ereignis oder den Tod um die HĂ€lfte senken können», sei eine starke Botschaft, betont Mesnier. 

Obwohl Ex-Raucher im Vergleich zu aktiven Rauchern schnell eine deutliche Reduzierung ihres Risikos fĂŒr Herzinfarkte und andere kardiovaskulĂ€re Ereignisse erzielten - das Risiko-Niveau von Nichtrauchern erreichten sie der Studie zufolge auch Jahre spĂ€ter nicht. 

Doch fĂŒr jene Patienten, die der Zigarette treu blieben, stieg das Risiko fĂŒr gravierende VorfĂ€lle mit jedem weiteren Jahr im Mittel um acht Prozent. «Ein Herzinfarkt kann zu lebenslanger HerzschwĂ€che und Herzklappenfehlern fĂŒhren, weil das Herz in seiner ganzen Funktion geschĂ€digt wird», sagt Wienbergen.

Und wer aufhört zu rauchen - oder gar nicht erst anfĂ€ngt -, tue nicht nur seinem Herzen etwas Gutes, ergĂ€nzt er. Nichtrauchen senke nicht nur das Risiko fĂŒr Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern unter anderem auch fĂŒr Demenz und Diabetes. 

Experte: Nichtraucher-Umfeld hilft beim Aufhören

Damit Raucher, ob herzkrank oder nicht, ihren Tabakkonsum beenden, sollte das unmittelbare Umfeld aus Nichtrauchern bestehen, empfiehlt Laufs: «Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand es schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, korreliert damit, ob in seinem Umfeld geraucht wird.» FĂŒr manche Patienten komme auch eine medikamentöse UnterstĂŒtzung oder eine Nikotinersatztherapie infrage. 

«Ich sage meinen Patienten gerne, dass es nie zu frĂŒh oder zu spĂ€t ist, um mit dem Rauchen aufzuhören», betont Mesnier. «Aber je frĂŒher ein Patient das stoppt, desto besser ist es fĂŒr das Herz-Kreislauf-Risiko.»

Die Studie, die auf dem diesjĂ€hrigen Kongress der EuropĂ€ischen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie (ESC) Ende August in London prĂ€sentiert wurde, wertete Daten von 32.378 Patienten aus, die im Durchschnitt 6,5 Jahre nach der Diagnose einer koronaren Herzkrankheit aufgenommen wurden. Von ihnen hatten rund 13.400 Teilnehmer (41,3 Prozent) nie geraucht, fast 15.000 (46,2 Prozent) waren ehemalige Raucher, und etwa 4.000 (12,5 Prozent) rauchten weiter. 

@ dpa.de