WhatsApp Indien: Regierung setzt 3-Tage-Frist für Username-Sicherheit
06.07.2026 - 22:26:38 | boerse-global.de
Das Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie (MeitY) verlängerte die Frist für eine Stellungnahme bis zum 9. Juli 2026. Grund sind massive Befürchtungen, dass die geplante Username-Funktion Betrug und Identitätsdiebstahl Tür und Tor öffnen könnte.
Anonymität als Einfallstor für Kriminelle
Die Neuerung klingt harmlos: Nutzer sollen künftig per Username chatten können, ohne ihre Telefonnummer preiszugeben. Genau das sehen die indischen Behörden als Risiko. Sie befürchten, dass die Anonymität Phishing-Attacken, sogenannte „Digital Arrest"-Betrugsmaschen und Identitätstäuschungen erleichtert.
Bei einem Treffen zwischen Meta-Vertretern und Ministeriumsmitarbeitern am 3. Juli gab WhatsApp die Zusage: Die Funktion wird in Indien nicht eingeführt, bevor alle Konsultationen abgeschlossen sind. Das ist bemerkenswert – immerhin ist Indien mit rund 850 Millionen Nutzern der größte Markt des Messengers.
Die Regierung verschickte offenbar ähnliche Aufforderungen auch an Telegram und Signal. WhatsApp betont, die Funktion sei noch nicht aktiv und bleibe optional. Als Schutzmaßnahmen nennt das Unternehmen die Reservierung prominenter Namen, den Schutz bereits auf Facebook und Instagram etablierter Usernamen sowie technische Sperren gegen wiederholte Kontaktversuche.
Prominente Opfer: Die Welle der WhatsApp-Betrügereien
Die indische Regierung gibt WhatsApp nur drei Tage Zeit, um Sicherheitslücken zu schließen. Grund: Die geplante Username-Funktion könnte Betrug und Identitätsdiebstahl massiv erleichtern. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Leitfaden, wie Sie sich mit drei einfachen Maßnahmen schützen. Jetzt kostenlosen Schutz-Leitfaden anfordern
Der Zeitpunkt der Regulierungsverschärfung ist kein Zufall. Erst am 5. Juli 2026 wurde der Account von BJP-Abgeordnetem Sambit Patra gekapert. Die Täter verschickten Nachrichten an seine Kontakte und forderten 55.000 Rupien per QR-Code. Der Fall liegt nun bei der Polizei in Odisha.
Noch gravierender: Ein Autohaus in Kolhapur überwies 80,5 Lakh Rupien (rund 90.000 Euro), nachdem Betrüger sich als CEO des Unternehmens ausgegeben hatten. In Rajasthan verlor ein 65-jähriger pensionierter Bankangestellter 55 Lakh Rupien in einem „Digital Arrest"-Betrug – die Täter gaben sich per Videoanruf als Beamte des Obersten Gerichtshofs aus.
Weltweite Warnungen vor Messenger-Betrug
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Die Probleme beschränken sich nicht auf Indien. In Nigeria warnte die Finanzplattform Paga vor einem gefälschten Gewinnspiel über 50.000 Naira, das über WhatsApp verbreitet wird. Die russische Volksfront meldete betrügerische Krypto-Spendenkampagnen.
Analysten beobachten die Entwicklung mit Sorge. WhatsApp verspricht Schutzfunktionen wie die Anzeige von Absenderdaten bei unbekannten Kontakten und einen optionalen vierstelligen Sicherheitscode. Ob das reicht, um die Welle digitaler Finanzkriminalität einzudämmen, bleibt fraglich. Die indische Regierung jedenfalls zeigt keine Anzeichen von Nachgiebigkeit.
