Zolgensma, Gentherapie

Zolgensma: FDA prĂŒft KrebsfĂ€lle bei mehreren Kindern

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 12:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die FDA untersucht mögliche ZusammenhĂ€nge zwischen der Gentherapie und Tumorerkrankungen bei behandelten Kindern. Novartis verweist zugleich auf den hohen Nutzen der einmaligen Behandlung und die laufende Überwachung betroffener Patienten.

Novartis meldet weitere SicherheitsfÀlle

  • Die FDA prĂŒft KrebsfĂ€lle nach Zolgensma-Behandlungen bei Kindern mit spinaler Muskelatrophie.
  • Bei zwei Patienten wurde DNA des eingesetzten Virus im Tumorgewebe gefunden.
  • Novartis berichtet seit 2019 von insgesamt neun Tumormeldungen nach der Therapie.
Der Hauptsitz des Schweizer Pharmaunternehmens Novartis ist in Basel. (Archivfoto) - Bild: Patrick Seeger/dpa

FDA prĂŒft KrebsfĂ€lle nach Zolgensma-Therapie

Die US-Arzneimittelbehörde FDA prĂŒft Berichte ĂŒber Krebserkrankungen bei mehreren Kindern, die mit der Gentherapie Zolgensma behandelt wurden. Die Therapie des Pharmakonzerns Novartis wird bei spinaler Muskelatrophie eingesetzt, einer seltenen Erbkrankheit, die ohne wirksame Behandlung oft vor dem zweiten Lebensjahr tödlich verlĂ€uft.

Vektor-DNA in Tumorgewebe entdeckt

Zolgensma wird einmalig intravenös verabreicht und soll die fehlende oder nicht funktionsfÀhige SMN1-Genkopie ersetzen. Dabei transportieren verÀnderte Viren, sogenannte AAV-Vektoren, das gesunde Gen in die Körperzellen.

Die nach der Behandlung aufgetretenen Tumore betrafen das zentrale und periphere Nervensystem, den WirbelsĂ€ulenbereich und die Niere. In drei FĂ€llen war nach Angaben der FDA das Onkogen GLI1 beteiligt; in zwei dieser FĂ€lle fanden Analysen DNA des eingesetzten Virus im Tumorgewebe, wĂ€hrend der dritte Fall noch geprĂŒft wird.

FDA untersucht mögliche Maßnahmen

Die Behörde ĂŒberwacht auch das Risiko gutartiger und bösartiger Tumoren bei anderen Gentherapien mit AAV-Vektoren. Ob regulatorische Maßnahmen erforderlich sind, wird geprĂŒft. Zugleich bewertet die FDA den Nutzen von Zolgensma weiterhin höher als die möglichen Risiken.

Mehr als 6000 Kinder behandelt

Seit 2019 wurden nach Angaben von Novartis mehr als 6000 Patienten mit Zolgensma behandelt. Das Unternehmen erhielt insgesamt neun Meldungen ĂŒber Tumore bei behandelten Patienten; in den beiden FĂ€llen mit nachgewiesener Vektor-DNA wurden die Betroffenen behandelt und werden weiter ĂŒberwacht.

Novartis weist darauf hin, dass das potenzielle Tumorrisiko durch eine Integration der Vektor-DNA bereits in den Fachinformationen genannt wird. Die Therapie kostete zu Beginn grob zwei Millionen Euro und galt damit als eines der teuersten Medikamente weltweit.

Zolgensma gehört zu einer Gruppe von Gentherapien, bei denen verĂ€nderte Adeno-assoziierte Viren als Transportmittel fĂŒr genetisches Material dienen. Die Vektoren sollen eine funktionsfĂ€hige Kopie des fehlenden SMN1-Gens in Zellen einschleusen und damit die Ursache der spinalen Muskelatrophie behandeln.

Die aktuelle PrĂŒfung richtet den Blick auf eine bekannte biologische Herausforderung: Eingebrachte Vektor-DNA kann in seltenen FĂ€llen in das Erbgut von Zellen gelangen. Wird dabei ein Bereich beeinflusst, der das Zellwachstum steuert, könnte dies zur Tumorbildung beitragen. Die FDA untersucht deshalb nicht nur einzelne KrankheitsfĂ€lle, sondern auch das mögliche Risiko bei vergleichbaren AAV-basierten Gentherapien.

Nutzen und Risiko der Therapie

FĂŒr Kinder mit SMA ist die AbwĂ€gung besonders folgenreich. Unbehandelt verlĂ€uft die Erkrankung hĂ€ufig frĂŒh tödlich, wĂ€hrend Zolgensma die genetische Ursache mit einer einmaligen Infusion adressiert. Die bisher gemeldeten TumorfĂ€lle stehen deshalb in einem SpannungsverhĂ€ltnis zwischen einer sehr seltenen, aber potenziell schweren Komplikation und dem hohen medizinischen Nutzen der Behandlung.

FĂŒr Familien und behandelnde Ärzte dĂŒrfte vor allem die weitere Überwachung der behandelten Kinder Bedeutung haben. Entscheidend sind nun die Bewertung der FDA, die AufklĂ€rung der molekularen ZusammenhĂ€nge und die Frage, ob Fachinformationen, Kontrollen oder weitere Sicherheitsmaßnahmen angepasst werden mĂŒssen. Bis dahin bleibt die Therapie ein Beispiel dafĂŒr, wie langfristige Risiken bei einmaligen Gentherapien auch Jahre nach der Behandlung beobachtet werden mĂŒssen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Novartis: Zwei weitere TumorfĂ€lle bei Kindern deuten auf Bezug zu Gentherapie hin“ (06.11.2026)

Der Beitrag hebt hervor, dass Novartis seit 2019 insgesamt neun Tumormeldungen bei behandelten Patienten erhalten habe und in zwei FÀllen Hinweise auf eine Integration des Vektormaterials in die DNA vorlÀgen. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich auf die Angaben des Unternehmens und erwÀhnt zudem die Forderung von SMA Europe nach schnellerer AufklÀrung.

Focus: „Tumor-FĂ€lle bei Kindern nach Behandlung mit Millionenspritze“ (07.11.2026)

Der Artikel stellt ebenfalls die neun gemeldeten Tumorerkrankungen und die zwei FĂ€lle mit nachgewiesener Vektor-DNA heraus. Einen zusĂ€tzlichen Schwerpunkt legt er auf die medizinische Überwachung der betroffenen Kinder und die Forderung der Patientenvertretung nach einer klaren Darstellung bekannter und offener Fragen.

Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigen die Zahl der Tumormeldungen und die Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang mit der Gentherapie. Offen bleibt, wie die FDA die FĂ€lle bewertet und ob daraus regulatorische Konsequenzen fĂŒr Zolgensma oder andere AAV-basierte Therapien folgen.

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