Zuckersteuer ab 2027: Getränke kosten bis zu 32 Cent mehr
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 01:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung setzt nun auf zwei Strategien: eine vorgezogene Zuckersteuer und hochwirksame Medikamente.
Steuer auf Softdrinks kommt früher als geplant
Die Ampel-Regierung unter Kanzler Merz will die Zuckersteuer bereits 2027 einführen – ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Das Modell sieht eine gestaffelte Abgabe vor: Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter bleiben steuerfrei. Bei fünf bis acht Gramm werden 26 Cent pro Liter fällig, bei über acht Gramm steigt der Satz auf 32 Cent.
Ausgenommen sind Fruchtsäfte und Getränke mit ausschließlich künstlichen Süßstoffen. Finanzminister Klingbeil rechnet für das erste Jahr mit Einnahmen von 650 Millionen Euro. Für 2028 erwartet die Regierung nur noch 450 Millionen – weil Hersteller ihre Rezepturen anpassen dürften.
Industrie schlägt Alarm
Die Getränkewirtschaft reagiert mit scharfer Kritik. In einem offenen Brief von über 300 Unternehmen laufen die Firmen Sturm gegen die Pläne. Ihr Argument: Der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken sei seit 2018 bereits freiwillig um 15 Prozent gesunken. Zudem fehle die nötige Vorlaufzeit für Produktionsumstellungen.
Befürworter wie die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) drängen dagegen auf Tempo. Sie verweisen auf Erfolge im Ausland: In Großbritannien sank der Zuckerkonsum bei Kindern nach Einführung einer ähnlichen Abgabe deutlich. Chile erzielte mit einem Maßnahmenpaket aus Steuern, Warnhinweisen und Werbeverboten einen Rückgang der Übergewichtswahrscheinlichkeit bei Kindern um über zwei Prozent.
Die Zahlen sind alarmierend
Die Daten des Robert Koch-Instituts zeigen die Dramatik: Der Anteil adipöser Menschen stieg zwischen 2003 und 2023 von 12 auf 20 Prozent. Aktuell gelten 54 Prozent der Frauen und 66 Prozent der Männer als übergewichtig. Besonders betroffen sind Kinder aus armen Haushalten – ihr Adipositas-Risiko ist dreimal so hoch wie bei wohlhabenden Gleichaltrigen.
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Die jährlichen Kosten für das Gesundheitssystem? Rund 60 Milliarden Euro.
Abnehmspritzen: Wirksam, aber mit Nebenwirkungen
Parallel zur Steuerdebatte rücken Medikamente in den Fokus. Eine Metaanalyse im British Medical Journal vom Juli 2026 wertete 262 klinische Studien mit 100.000 Teilnehmern und 19 Wirkstoffen aus.
Das Ergebnis: Tirzepatid und die Kombination CagriSema erzielen mit rund 15 Prozent Gewichtsverlust die höchste Effektivität. Semaglutid – bekannt als Wegovy oder Ozempic – bringt es auf durchschnittlich zehn Prozent.
Doch die Kehrseite: Die wirksamsten Präparate verursachen auch die stärksten Nebenwirkungen. Übelkeit und Erbrechen führen häufig zum Abbruch der Behandlung. Zudem stellten die Forscher einen Verlust an fettfreier Körpermasse fest.
Lebensqualität bleibt oft aus
Trotz des Gewichtsverlusts konnten die Studien keine klinisch relevante Verbesserung der Lebensqualität nachweisen. Immerhin: Semaglutid senkt nachweislich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die allgemeine Sterblichkeit.
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In Frankreich werden Wegovy und Mounjaro bereits unter strengen Auflagen erstattet. Das befeuert die Debatte über eine Kostenübernahme auch in Deutschland.
Zwei Strategien, ein Ziel
Die Adipositas-Bekämpfung stützt sich zunehmend auf ein Zusammenspiel aus regulatorischen Eingriffen und Medikamenten. Die Zuckersteuer will die Industrie zu gesünderen Rezepturen zwingen. Die Abnehmspritzen bieten individuelle Behandlungen für bereits Erkrankte.
Beide Wege haben ihre Tücken: die wirtschaftlichen Belastungen für die Industrie auf der einen Seite, die Nebenwirkungen und Kosten der Medikamente auf der anderen. Experten sind sich einig: Eine langfristige Senkung der Adipositas-Raten wird nur durch ein Bündel an Maßnahmen gelingen – inklusive Werbeverboten für ungesunde Lebensmittel.
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