USA verkĂŒnden VerlĂ€ngerung der Waffenruhe im Libanon
15.05.2026 - 20:20:03 | dpa.deDie aktuell geltende Waffenruhe zwischen der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon und Israel soll nach US-Angaben um 45 Tage verlĂ€ngert werden. Das teilte der Sprecher des US-AuĂenministeriums, Tommy Pigott, auf der Plattform X mit. Die Hisbollah Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht. Die Waffenruhe war in den vergangenen Wochen von beiden Seiten mehrfach verletzt worden.Â
Pigott kĂŒndigte ferner eine weitere GesprĂ€chsrunde zwischen Vertretern beider Seiten unter der Vermittlung des Ministeriums am 2. und 3. Juni an. Zuvor solle am 29. Mai noch im Pentagon ein militĂ€rischer Dialog zwischen Delegationen beider LĂ€nder stattfinden. Am Freitagnachmittag erklĂ€rte Pigott, beide LĂ€nder hĂ€tten sich auf einen Verhandlungsrahmen vereinbart, um so einen dauerhaften Frieden zwischen ihnen, eine uneingeschrĂ€nkte Anerkennung der SouverĂ€nitĂ€t und territoriale IntegritĂ€t des jeweils anderen sowie Sicherheit entlang ihrer Grenze zu fördern.Â
Die VerlÀngerung der Waffenruhe wurde an diesem Freitag nach einer dritten GesprÀchsrunde zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern in Washington bekanntgegeben. Eine bisherige Frist wÀre am Sonntag (17. Mai) abgelaufen.
Waffenruhe war brĂŒchig
Libanon und Israel hatten sich Mitte April erstmals auf eine Waffenruhe geeinigt. Der gegenseitige Beschuss zwischen Israel und der vom Iran unterstĂŒtzten Hisbollah wurde jedoch von beiden Seiten fortgesetzt. Im Libanon gibt es dabei weiterhin tĂ€glich Tote. Das israelische MilitĂ€r hat auch weiterhin Truppen im SĂŒdlibanon stationiert. Dort kommt es immer noch zu direkten KĂ€mpfen mit der Hisbollah.
Insbesondere im SĂŒdlibanon greift das israelische MilitĂ€r tĂ€glich auch aus der Luft an. Zuletzt griff die israelische Luftwaffe auch wieder in einem Vorort der Hauptstadt Beirut an und tötete dort eigenen Angaben zufolge den Kommandeur der Hisbollah-Eliteeinheit Radwan.
Laut der ursprĂŒnglichen Vereinbarung soll die libanesische Regierung die Hisbollah mit internationaler Hilfe daran hindern, vom Libanon aus Angriffe gegen israelische Ziele auszufĂŒhren. Israel soll zwar auf «offensive MilitĂ€roperationen» im Libanon verzichten, darf sich aber gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen.
Bisher sind seit Ausbruch des erneuten Kriegs Anfang MÀrz im Libanon rund 2.900 Menschen getötet worden. Darunter sind auch zahlreiche Frauen und knapp 200 Kinder.
GesprÀche in Washington
Seit Mitte April fĂŒhren der Libanon und Israel zum ersten Mal seit Jahrzehnten direkte GesprĂ€che auf politischer Ebene. Sie werden von den USA in Washington vermittelt. Israel strebt dabei langfristig einen Friedensprozess mit dem Libanon an. Es will vor allem auch eine dauerhafte Entwaffnung der vom Iran unterstĂŒtzten Hisbollah durchsetzen.
Die libanesische Regierung, die keine aktive Kriegspartei ist, pocht vor allem zunÀchst auf Deeskalation und eine dauerhafte Waffenruhe. Eine Normalisierung der Beziehungen hat die libanesische Regierung unter den aktuellen Bedingungen mehrfach ausgeschlossen. US-PrÀsident Donald Trump strebt auch ein Treffen auf höchster Ebene zwischen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Libanons PrÀsidenten Joseph Aoun an. Der Libanon hat das bisher abgelehnt.
Die Hisbollah sieht in den GesprĂ€chen mit Israel eine Kapitulation. Sie fordert einen Stopp der Angriffe Israels und auch den vollstĂ€ndigen Abzug der Truppen aus dem SĂŒdlibanon. Der aktuell vereinbarten Waffenruhe hat sie nie selbst zugestimmt.Â
Schiitische Gemeinschaft im Libanon unterstĂŒtzt Hisbollah
Die libanesische Regierung steht unter Druck, die von Israel geforderte Entwaffnung der Hisbollah durchzusetzen. Sie hatte sich bereits nach einem vorausgegangenen Krieg im Herbst 2024 dazu verpflichtet, diese voranzutreiben. Der Prozess schritt nur langsam voran. Die Regierung selbst muss dabei einen Balanceakt leisten: Vor allem die schiitische Gemeinschaft im Land unterstĂŒtzt die proiranische Hisbollah weiter und befĂŒrwortet auch, dass sie Waffen besitzt. Der libanesischen Regierung war bei dem langsamen Vorgehen auch daran gelegen, keine internen Unruhen auszulösen.
Israel wirft der libanesischen Regierung und Armee derweil vor, nicht ausreichend gegen die Miliz vorzugehen.Â
Beobachtern zufolge erschweren auch die stetigen israelischen Angriffe trotz Waffenruhe den Prozess. Die Hisbollah und ihre AnhĂ€nger sehen darin eine Legitimation fĂŒr ihre Existenz - als einzige wahre «Widerstandsmacht» fĂŒr die Bevölkerung in den von ihr kontrollierten Gebieten.Â
Libanons Armee gilt als schwach
Israel will mit seinem Vorgehen im Libanon eigenen Angaben zufolge die Bevölkerung im Norden des Landes vor Angriffen der Hisbollah schĂŒtzen. Das Land wirft der Miliz auch vor, geplant zu haben, nach Israel zu dringen und dort Menschen zu töten und zu entfĂŒhren, Ă€hnlich wie die Hamas am 7. Oktober 2023.
Im Zuge der Entwaffnung sollte eigentlich die libanesische Armee die Kontrolle ĂŒber diese Gebiete und die Aufgabe der Entwaffnung ĂŒbernehmen. Die Armee gilt im Vergleich zur Hisbollah jedoch als schwach und unterfinanziert. Die Hisbollah sieht darin einen weiteren Beweis, dass nur sie die Menschen im Libanon vor Israels Angriffen schĂŒtzen kann.Â
Deutschland setzt darauf, dass die libanesische Regierung gegen die Miliz vorgehen sollte. «Es ist unsere Ăberzeugung, dass der SchlĂŒssel zu einer Stabilisierung des Libanon in einer StĂ€rkung des libanesischen Staates liegt», sagte jĂŒngst AuĂenminister Johann Wadephul. Nur so könne dieser sein Gewaltmonopol auch wirklich ausfĂŒllen.
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