Putin bleibt hart und lehnt Selenskyjs GesprÀchsangebot ab
05.06.2026 - 18:58:04 | dpa.deKremlchef Wladimir Putin hat ein in einem offenen Brief vom ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj angebotene direkte Treffen abgelehnt. «Ich sehe darin noch keinen Sinn», sagte der Kremlchef auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Vor einem solchen Gipfeltreffen mĂŒssten erst Vereinbarungen fĂŒr eine dauerhafte Lösung des seit 2022 wĂ€hrenden Krieges getroffen werden. Das am Vortag von Kiew veröffentlichte Schreiben enthalte zudem «Elemente von UnverschĂ€mtheit», erklĂ€rte Putin.
Die beste Antwort auf den Brief sei ein Aufruf an das russische MilitĂ€r: «An die Arbeit, BrĂŒder!» Das ganze Land schaue auf die russische Armee. Gleichzeitig erklĂ€rte Putin, an den gesetzten Kriegszielen festzuhalten. «Wir haben uns die Befreiung des Donbass zum Ziel gesetzt. Es besteht kein Zweifel â wir werden dies erreichen», unterstrich der Kremlchef. Das Gebiet Luhansk stehe bereits seit Anfang April komplett unter russischer Kontrolle. In der benachbarten Region Donezk kontrollieren ukrainische Truppen «weniger als 15 Prozent». Das ukrainische MilitĂ€r dementierte die von Putin genannten Zahlen bereits.
Tags zuvor hatte Selenskyj Putin fĂŒr ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges direkte FriedensgesprĂ€che in einem Drittstaat angeboten. In dem Schreiben spielte der 48-JĂ€hrige unter anderem auf das hohe Alter des 73-jĂ€hrigen Kremlchefs an und betonte j?ngste ukrainische Erfolge bei DrohnenschlĂ€gen auf Ziele im russischen Hinterland. Das persönliche Treffen sei jedoch notwendig, um «SchlĂŒsselfragen» zu klĂ€ren.
Die Bundesregierung begrĂŒĂte Selenskyjs Angebot. «Wir teilen zudem die Ansicht von PrĂ€sident Selenskyj, dass an GesprĂ€chen mit Russland auch Vertreter Europas und der Vereinigten Staaten beteiligt werden sollen», sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille.
Putin gibt sich siegesgewiss
Beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg gab sich Putin siegesgewiss. Probleme habe vor allem die ukrainische Gegenseite, sagte er in einer Pressekonferenz fĂŒr auslĂ€ndische Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur.
Von seiner Rede vor groĂem Publikum erwarten viele Russen jedoch, dass Putin Lösungen aufzeigt fĂŒr die aufgestauten Probleme im eigenen Land. Bei der Veranstaltung beantwortet er traditionell Fragen, die sich auch um den Ukraine-Krieg drehen dĂŒrften. Im fĂŒnften Kriegsjahr sieht sich Russland mit einem Wachstumseinbruch und andauernden westlichen Sanktionen konfrontiert. Dennoch will der Kreml auf dem Forum ökonomische StĂ€rke demonstrieren.Â
Trump fÀnde Treffen von Selenskyj und Putin gut
Klar ist, dass Putin fĂŒr FriedensgesprĂ€che - wenn ĂŒberhaupt - genauso wenig nach Kiew reisen wird wie Selenskyj nach Moskau. Deshalb nannte der Ukrainer als Alternativen die Schweiz, die TĂŒrkei oder einen der arabischen Staaten.Â
US-PrĂ€sident Donald Trump sagte vor Journalisten im WeiĂen Haus auf den Brief angesprochen, dass er es gut fĂ€nde, wenn es zu einem Treffen zwischen Putin und Selenskyj kĂ€me.Â
Inhaltlich ging die russische Seite nicht auf den Brief ein. Putin hatte kurz vor der Veröffentlichung des Schreibens gesagt, «wir sind zweifellos dazu bereit, mit der Ukraine eine Vereinbarung zu treffen». Basis dafĂŒr seien jedoch die Abmachungen von Anchorage, betonte der Kremlchef. In der Stadt in Alaska hatte ihn US-PrĂ€sident Trump im vergangenen Sommer getroffen. Konkrete Ergebnisse oder Abmachungen wurden danach allerdings nicht bekannt.
Russland beharrt auf voller Kontrolle ĂŒber DonbassÂ
Putin sagte, seine Forderung nach einer vollstĂ€ndigen russischen Kontrolle der Gebiete Donezk und Luhansk widerspreche als Friedensbedingung nicht der postulierten Dialogbereitschaft. Seiner Darstellung zufolge greift die russische Armee auf ganzer Front an, wĂ€hrend der Ukraine Soldaten fehlten. Auf dem Schlachtfeld habe Russlands MilitĂ€r die Oberhand und verbuche stĂ€ndig Gebietsgewinne, meinte er weiter.Â
Die dafĂŒr von ihm angegebene Zahl von 2.440 hinzugewonnen Quadratkilometern liegt indes deutlich ĂŒber Kiews Angaben. Nach Berechnungen regierungsnaher ukrainischer MilitĂ€rbeobachter hat die russische Armee mit abnehmendem Tempo seit Jahresbeginn knapp 700 Quadratkilometer erobert.Â
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg.
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