Trump ohne Entscheidung â Iran pocht auf eigene Interessen
30.05.2026 - 05:12:49 | dpa.deIm Iran-Krieg und im Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon geht das Ringen um eine Friedenslösung weiter. Nachdem US-PrĂ€sident Donald Trump zuvor eine «endgĂŒltige Entscheidung» zu den Verhandlungen mit Teheran angekĂŒndigt hatte, verlieĂ er eine Lagebesprechung im WeiĂen Haus US-Medienberichten zufolge nach zwei Stunden ohne eine Entscheidung.Â
Derweil fĂŒhrten MilitĂ€rdelegationen Israels und des Libanons im Pentagon «produktive» GesprĂ€che, die kommende Woche auf politischer Ebene weitergefĂŒhrt werden sollen, wie Elbridge Colby, ein ranghoher Vertreter des US-Verteidigungsministeriums, auf X mitteilte.Â
Seit Tagen laufen zwischen den USA und dem Iran intensive Verhandlungen ĂŒber ein Rahmenabkommen zur VerlĂ€ngerung der seit dem 8. April geltenden Waffenruhe und weitere Verhandlungen. Berichten zufolge soll eine Einigung kurz bevorstehen. Der Iran warf Trump jedoch vor, zentrale Vereinbarungen des geplanten Abkommens zu verzerren oder zu ignorieren. Die den iranischen Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars schrieb unter Berufung auf informierte Kreise, der US-PrĂ€sident versuche, einen vorgetĂ€uschten Erfolg zu inszenieren.
Teheran bietet Trump die Stirn
AuĂenamtssprecher Ismail Baghai sagte laut der Nachrichtenagentur Isna, dass der Iran und die USA weiterhin Botschaften austauschten. Eine endgĂŒltige Einigung sei aber bislang nicht erzielt worden. Baghai erklĂ€rte demnach weiter: «Von dem Begriff "mĂŒssen" haben wir uns vor 47 Jahren verabschiedet. Wir richten uns nicht nach dem, was andere von uns verlangen, sondern entscheiden auf der Grundlage unserer Interessen und Rechte.» Dieses «mĂŒssen» sollte als «wir bitten Sie» interpretiert werden, hieĂ es weiter.
Irans ParlamentsprĂ€sident Mohammed Bagher Ghalibaf zeigte sich trotz positiver Anzeichen fĂŒr eine Verhandlungslösung misstrauisch. «Wir vertrauen weder Garantien noch Worten. MaĂgeblich sind allein die Taten», schrieb er auf X. Der wahre Gewinner einer Vereinbarung sei derjenige, der am Tag danach besser auf einen Krieg vorbereitet sei, fĂŒgte er hinzu. Ghalibaf schrieb, der Iran erlange ZugestĂ€ndnisse nicht durch GesprĂ€che, «sondern durch Raketen».Â
Teheran widerspricht Trump in drei Punkten
Konkret widerspricht der Iran laut Fars Trumps Aussagen in drei Punkten:
- Trump habe ignoriert, dass unmittelbar nach Unterzeichnung zwölf Milliarden Dollar aus eingefrorenen iranischen Auslandskonten freigegeben werden mĂŒssten. Ohne diese Freigabe werde der Iran in keine weiteren Verhandlungsphasen eintreten.Â
- Das Abkommen enthalte keine Bestimmung zur gebĂŒhrenfreien Ăffnung der StraĂe von Hormus, hieĂ es.
- Der Iran weise die Aussage zurĂŒck, wonach das bereits angereicherte Uran abgebaut oder vernichtet werden solle. Die AbsichtserklĂ€rung enthalte keine solche Bestimmung.Â
Die Punkte legen nahe, dass beide Seiten noch weit von einer Einigung entfernt sein könnten. Die uneingeschrĂ€nkte Ăffnung der StraĂe von Hormus, die als Exportroute fĂŒr DĂŒnger, Ăl und FlĂŒssiggas fĂŒr die Weltwirtschaft von groĂer Bedeutung ist, hat aus US-Sicht höchste PrioritĂ€t.Â
Zudem weist der Iran auf die Forderung eines vollstĂ€ndigen Waffenstillstands im Libanon hin - im Sinne der libanesischen Hisbollah-Miliz. Im Zuge des Iran-Kriegs war es auch wieder zu schweren Angriffen von Israels Armee im Libanon sowie der Hisbollah gegen den Erzfeind Israel gekommen.Â
Entwaffnung der Hisbollah nicht in SichtÂ
Israel und die libanesische Regierung - die keine Konfliktpartei ist - hatten Mitte April eine Waffenruhe geschlossen. Die KĂ€mpfe zwischen Israel und der Hisbollah gehen trotzdem weiter. Beide Seiten greifen sich weiter tĂ€glich an. Der Konflikt hat sich zuletzt zugespitzt. Seit Mitte April fĂŒhren die Regierungen Libanons und Israels GesprĂ€che unter Vermittlung der USA. Israel will vor allem eine dauerhafte Entwaffnung der Hisbollah-Miliz durchsetzen.
Die libanesische Regierung pocht auf eine dauerhafte Waffenruhe. Sie hat sich zur Entwaffnung der Schiiten-Miliz verpflichtet und beauftragte die regulĂ€re Armee damit. Durchgesetzt konnte die Entwaffnung aber bisher nicht. «Die Hisbollah wird nur dann entwaffnet werden, wenn sich die libanesische Gesellschaft gegen sie erhebt â was derzeit unwahrscheinlich erscheint â oder wenn die israelische Armee den gesamten Libanon erobert, was unmöglich ist», schrieb dazu ein Kommentator der israelischen Zeitung «Jediot Achronot».
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
