Krieg oder Atomdeal? USA und Iran verhandeln in Genf
26.02.2026 - 14:45:27 | dpa.deDie Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran gehen in eine entscheidende Phase. Vertreter beider Staaten kamen am Donnerstag in Genf fĂŒr eine dritte Verhandlungsrunde zusammen. Die GesprĂ€che unter Vermittlung des Golfstaats Oman wurden am frĂŒhen Nachmittag zunĂ€chst fĂŒr eigene Beratungen der jeweiligen Delegationen unterbrochen. Sie sollten am Abend fortgesetzt werden.
Bei den Verhandlungen geht es unter anderem um das umstrittene iranische Atomprogramm. Die USA wollen verhindern, dass die FĂŒhrung in Teheran Atomwaffen entwickelt. Irans Regierung bestreitet entsprechende Absichten, zeigt sich jedoch bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen. Im Gegenzug fordert Teheran die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. Am Mittwoch ĂŒbermittelte der Iran einen ersten Entwurf fĂŒr ein neues Abkommen - Details des Entwurfs wurden nicht bekannt.
Oman spricht von konstruktiver Stimmung
Auch der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, ist in die GesprĂ€che involviert. Bilder iranischer Medien zeigten ihn am Donnerstagmorgen bei einem Treffen mit Omans AuĂenminister Badr al-Bussaidi.
Al-Bussaidi traf sich vor den GesprĂ€chen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff sowie Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-PrĂ€sident Donald Trump. Sie hĂ€tten «Perspektiven und VorschlĂ€ge der iranischen Seite» und Antworten der US-Seite dazu besprochen, teilte das omanische AuĂenministerium mit. Al-Bussaidi sagte demnach, die GesprĂ€chspartner seien «entschlossen» und die Stimmung sei «konstruktiv». Der Oman sei dabei «auf beispiellose Weise offen fĂŒr neue und kreative Ideen und Lösungen».
Ăber andere von den USA eingebrachte Themen will die Islamische Republik Iran nicht sprechen â darunter eine Begrenzung ihres Raketenarsenals oder ein Ende der UnterstĂŒtzung militanter Gruppen wie der Hisbollah im Libanon.
Trump hatte Ultimatum gestellt
Vor rund einer Woche setzte der US-PrĂ€sident der FĂŒhrung in Teheran ein Ultimatum bis Anfang MĂ€rz. «Entweder wir erzielen eine Einigung oder es wird fĂŒr sie bedauerlich», sagte er. Im Raum steht, dass Trump zu einem militĂ€rischen Angriff auf die FĂŒhrung in Teheran und ihren Machtapparat ausholt.Â
Die USA haben ihre MilitĂ€rprĂ€senz in der Region zuletzt stark ausgebaut. Dem «Wall Street Journal» zufolge ist es der gröĂte Aufmarsch von US-LuftstreitkrĂ€ften in der Region seit dem Irak-Krieg 2003. Am Donnerstag lief der gröĂte FlugzeugtrĂ€ger der US-Marine, die USS Gerald R. Ford, vor der griechischen Insel Kreta aus. Er dĂŒrfte die US-Flotte im Nahen Osten verstĂ€rken.
Anfang Februar hatten beide Staaten ĂŒberraschend neue Verhandlungen aufgenommen. Zuvor hatte Trump der iranischen FĂŒhrung wegen ihres brutalen Vorgehens gegen Massenproteste gedroht. Viele Menschen im Iran sehen die GesprĂ€che ihrer Regierung mit den USA daher kritisch. Sie fordern einen Machtwechsel und fĂŒrchten, ein Deal könne der Regierung den RĂŒcken stĂ€rken.
Die zentralen Streitpunkte
Irans Regierung verfolgt mit ihrem Atomprogramm eigenen Angaben nur zivile Ziele. Sie verweist auf einen religiösen Erlass von Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei, der den Bau und Einsatz von Massenvernichtungswaffen wie Atombomben untersagt. Kritiker zeigen sich jedoch besorgt darĂŒber, dass der Iran in den vergangenen Jahren Uran auf einen Reinheitsgrad von 60 Prozent angereichert hat.Â
Westlichen Angaben zufolge ist die Islamische Republik weltweit der einzige Staat ohne eigene Atombomben, der ĂŒber derart hoch angereichertes Uran verfĂŒgt. FĂŒr den Bau von Atomwaffen wĂ€re eine weitere Anreicherung auf gut 90 Prozent erforderlich.
Auch IAEA-Chef Grossi hatte sich in der Vergangenheit kritisch ĂŒber Irans Atomprogramm geĂ€uĂert und besseren Zugang zu dem Land gefordert. In einem Interview mit dem Sender CNN nannte er zentrale Streitpunkte: den Umgang mit dem im Land verbliebenen hoch angereicherten Uran, von dem mehr als 400 Kilogramm vorhanden sein sollen; zudem gehe es um die Zukunft der zentralen Atomanlagen, die im vergangenen Jahr bereits bombardiert worden waren, sowie um kĂŒnftige nukleare AktivitĂ€ten im Iran, die streng von der IAEA ĂŒberwacht werden sollen.
Trump hatte frĂŒheres Atomabkommen mit Iran aufgekĂŒndigt
2015 hatte sich der Iran schon einmal zur BeschrĂ€nkung seines Atomprogramms verpflichtet. Im Gegenzug sollten Sanktionen aufgehoben werden. Trump war der Wiener Atomvertrag, der unter seinem VorgĂ€nger Barack Obama ausgehandelt worden war, stets ein Dorn im Auge. 2018 - wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit - kĂŒndigte er die Vereinbarung einseitig auf. Zugleich lieĂ er neue und hĂ€rtere Sanktionen gegen den Iran verhĂ€ngen. In der Folge hielt sich auch die iranische FĂŒhrung nicht mehr an die Auflagen.
Krieg im vergangenen Jahr hat Vertrauen zerstörtÂ
Im Sommer 2025 fĂŒhrte Israel Krieg gegen den Iran und bombardierte Ziele im ganzen Land. Irans LuftstreitkrĂ€fte feuerten daraufhin ballistische Raketen auf Israel. In beiden LĂ€ndern gerieten auch zivile Gebiete unter Beschuss.
Die USA griffen gut eine Woche spĂ€ter in den Krieg ein. Ziel des MilitĂ€reinsatzes namens «Mitternachtshammer» waren die Anreicherungsanlagen in Natans und Fordo sowie eine Atomeinrichtung in Isfahan. Trump sprach damals von einer völligen Zerstörung der Anlagen.Â
Der Krieg begann damals ĂŒberraschend nur einen Tag vor der sechsten geplanten Verhandlungsrunde zwischen dem Iran und den USA. Er erschĂŒtterte das Vertrauen der iranischen FĂŒhrung in GesprĂ€che mit Washington einmal mehr.
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