ROUNDUP, Trump

Trump verkĂŒndet zehntĂ€gige Waffenruhe im Libanon

16.04.2026 - 19:58:48 | dpa.de

(Aktualisierung: Hisbollah im 2. Absatz, Salam im 3.

Absatz, Bodentruppen im 7. Absatz)

BEIRUT/TEL AVIV/WASHINGTON (dpa-AFX) - Mehr als sechs Wochen nach Beginn der jĂŒngsten Eskalation zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon hat US-PrĂ€sident Donald Trump eine Waffenruhe verkĂŒndet. Sie solle um Mitternacht (Ortszeit, 23.00 Uhr MESZ) beginnen und zunĂ€chst zehn Tage dauern, schrieb er nach GesprĂ€chen mit dem libanesischen PrĂ€sidenten Joseph Aoun und dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu auf seiner Plattform Truth Social. Er werde beide zu einem Treffen im Weißen Haus einladen.

Die Hisbollah ließ offen, ob sie sich an die Vereinbarung halten wird. Jede Waffenruhe mĂŒsse "umfassend fĂŒr das gesamte libanesische Gebiet" gelten und dĂŒrfe keinerlei Truppenbewegungen Israels zulassen. "Die anhaltende israelische Besatzung auf unserem Land gibt dem Libanon und seinem Volk das Recht, Widerstand zu leisten", teilte die Miliz mit. Über diese Frage - also ĂŒber den weiteren Kampf gegen Israel - werde "je nach Entwicklung der Ereignisse entschieden".

Die libanesische Regierung ist keine aktive Konfliktpartei und bemĂŒht sich um Deeskalation. MinisterprĂ€sident Nawaf Salam begrĂŒĂŸte die Waffenruhe. Die Regierung hatte lange wenig bis gar keinen Einfluss auf die AktivitĂ€ten der Hisbollah-Miliz, hat den Druck unter FĂŒhrung von PrĂ€sident Aoun aber erhöht.

Trump schrieb weiter, er habe VizeprĂ€sident JD Vance, US-Außenminister Marco Rubio und Generalstabschef Dan Caine angewiesen, gemeinsam mit dem Libanon und Israel auf einen dauerhaften Frieden hinzuarbeiten.

Erster Durchbruch nach erneuter Konfrontation

Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar liefern sich auch die vom Iran unterstĂŒtzte Hisbollah und das israelische MilitĂ€r eine erneute schwere Konfrontation. Als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten FĂŒhrers Ajatollah Ali Chamenei feuert die Hisbollah seit Anfang MĂ€rz erneut Raketen in Richtung Israel. Die israelische Luftwaffe reagiert seitdem mit massiven Luftangriffen. Dabei kam es zu schweren KĂ€mpfen im SĂŒden und zu Angriffen im Osten sowie der Hauptstadt Beirut und deren Vororten.

Das israelische MilitĂ€r rĂŒckte in einer Bodenoffensive zudem weiter in den SĂŒden des Nachbarlandes vor und lieferte sich im Grenzgebiet BodenkĂ€mpfe mit der Hisbollah. Die libanesische Staatsagentur NNA meldete nach AnkĂŒndigung der Waffenruhe weitere israelische Angriffe im SĂŒden, darunter ein Angriff mit acht Toten.

Netanjahu wies die Armee laut israelischen Medienberichten an, die Bodentruppen wĂ€hrend der Waffenruhe im SĂŒdlibanon zu belassen. Eine offizielle BestĂ€tigung gab es zunĂ€chst nicht. Netanjahu sagte im GesprĂ€ch mit Ministern demnach, er sei bei der Waffenruhe einer Bitte Trumps nachgekommen.

Rund 2.200 Tote im Libanon

Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge wurden bei den erneuten KÀmpfen bisher knapp 2.200 Menschen getötet. Darunter sind den Angaben zufolge zahlreiche Frauen und Kinder. Die israelische Armee sprach zuletzt von mehr als 1.700 getöteten Hisbollah-Mitgliedern seit Anfang MÀrz. Die genaue Zahl der getöteten Zivilisten ist unklar.

Im Libanon warten Hunderttausende darauf, in ihre HĂ€user zurĂŒckkehren zu können. Nach Regierungsangaben wurden aufgrund des jĂŒngsten Konflikts mehr als eine Million Menschen vertrieben. In den angegriffenen Gebieten herrscht zum Teil großflĂ€chige Zerstörung.

Kein Frieden nach erster Waffenruhe

Die Hisbollah agiert im Libanon seit langer Zeit als eine Art Staat im Staate. Sie ist einer der wichtigsten VerbĂŒndeten in Irans sogenannter "Achse des Widerstands". Bis vor der jĂŒngsten Eskalation stuften Beobachter die KapazitĂ€ten der Miliz aber als deutlich geschwĂ€cht ein.

Israel und die Hisbollah hatten bereits 2024 einen offenen Krieg gegeneinander gefĂŒhrt. Trotz einer Waffenruhe im November 2024 blieb die Lage angespannt. Beide Seiten warfen sich fortwĂ€hrend VerstĂ¶ĂŸe vor. Das israelische MilitĂ€r griff trotz Waffenruhe weiter nahezu tĂ€glich im Libanon an.

Das israelische MilitĂ€r blieb auch an mehreren Punkten im Libanon stationiert. GemĂ€ĂŸ der damals getroffenen Waffenruhe sollte die Hisbollah entwaffnet werden. Israel warf dem libanesischen Staat bei der Aufgabe Versagen vor und wollte die Entwaffnung schließlich militĂ€risch durchsetzen.

Der neue Durchbruch folgt auf direkte GesprĂ€che in Washington, bei denen die Botschafter der verfeindeten LĂ€nder sich erstmals seit Jahrzehnten direkt zu politischen Verhandlungen trafen. Schon zuvor hieß es nach US-Angaben, dass die GesprĂ€che zu einem "umfassenden Friedensabkommen" fĂŒhren könnten.

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