Deutschland ist 'Top-Angriffsziel' von Cyberkriminellen
12.05.2026 - 13:35:36 | dpa.deWie aus dem aktuellen Bundeslagebild Cybercrime hervorgeht, sinkt jedoch die Bereitschaft der GeschÀdigten, Lösegeld zu zahlen.
Im vergangenen Jahr wurden laut Bundeskriminalamt (BKA) bundesweit 1.041 FĂ€lle von Ransomware-Angriffen und anderen Formen von mit Erpressung verbundenem Datendiebstahl angezeigt. Im Jahr zuvor waren 950 dieser schweren Cyberstraftaten zur Anzeige gebracht worden.
Das Lagebild umfasst auch andere Formen digitaler KriminalitĂ€t wie DDoS-Angriffe, bei denen Internetseiten oder Online-Dienste mit Anfragen ĂŒberflutet und lahmgelegt werden. "CyberkriminalitĂ€t ist eine der gröĂten Herausforderungen fĂŒr die öffentliche Sicherheit in Deutschland", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung des Lagebilds in Berlin.
"Deutschland gehört ĂŒber alle Erscheinungsformen von Cybercrime regelmĂ€Ăig zu den Top-Angriffszielen in der Welt", ergĂ€nzte die VizeprĂ€sidentin des Bundeskriminalamts (BKA), Martina Link. Zu den TĂ€tern sagte der Innenminister: "Russland ist bei uns im Fokus." Die AktivitĂ€ten aus dem russischen Raum hĂ€tten seit Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich zugenommen.
KĂŒnstliche Intelligenz erhöht Gefahr von Cyberangriffen
Dobrindt wies darauf hin, dass die Nutzung KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) das Problem noch verschĂ€rfe, weil dadurch die Technik ausgefeilter und die Schwelle der Nutzung niedriger werde. Auch Menschen ohne technische Vorkenntnisse könnten sich mit Hilfe von KI entsprechende FĂ€higkeiten schnell aneignen.
Der CSU-Politiker kĂŒndigte ein Gesetz zur aktiven Cyberabwehr an. Dieses solle die Rechtsgrundlage dafĂŒr schaffen, dass die Behörden Cyberangriffe nicht nur abwehren können, sondern auch die Infrastruktur von Angreifern stören und zerstören dĂŒrfen. "Technisch sind wir dazu heute in der Lage." Man wolle Elemente, die man bei der Strafverfolgung einsetzen könne, auch fĂŒr die Gefahrenabwehr verwenden. "Aus unserer Sicht ist das eindeutig eine RegelungslĂŒcke, die geschlossen werden muss."
Ransomware-Attacken treffen vor allem kleinere Unternehmen
Ransomware-Attacken haben in der Vergangenheit schon KrankenhĂ€user, Kommunalverwaltungen und Verkehrsbetriebe vorĂŒbergehend lahmgelegt. GröĂere Einrichtungen, die zur sogenannten kritischen Infrastruktur gehören, sind inzwischen gesetzlich verpflichtet, MaĂnahmen zu ergreifen, um Cyberangriffe zu vermeiden. Im Falle eines erfolgreichen Hackerangriffs mĂŒssen sie den Vorfall an das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) melden. Rund 90 Prozent der Angriffe richteten sich im vergangenen Jahr gegen kleine und mittlere Unternehmen.
Zahlungsbereitschaft der Opfer sinkt - Höheres Lösegeld
Nur sieben Prozent der von Ransomware-Attacken Betroffenen zahlten 2025 nach eigenen Angaben Lösegeld, nach neun Prozent im Jahr zuvor. Bei den GeschĂ€digten, die sich dafĂŒr entschieden, den Forderungen der Kriminellen nachzugeben, lag die gezahlte Lösegeldsumme laut BKA bei durchschnittlich rund 456.300 US-Dollar (rund 387.000 Euro) und damit deutlich höher als im Jahr zuvor (276.615 Dollar).
Einen Anstieg beobachtet die Polizei auch bei DDoS-Angriffen. Attacken sogenannter Hacktivisten, die IT-Systeme aus politischen GrĂŒnden lahmlegen, stiegen 2025 den Angaben zufolge um 224 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was vor allem mit der deutschen UnterstĂŒtzung fĂŒr die Verteidigung der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg in Zusammenhang gebracht wird.
Die Cybercrime-Zahlen zeigen seit Jahren einen kontinuierlichen Anstieg, insbesondere bei Straftaten aus dem Ausland. Im Jahr 2024 sank die Zahl der FĂ€lle mit mutmaĂlichen TĂ€tern im Inland leicht von rund 134.000 auf etwa 131.000 FĂ€lle. Gleichzeitig stieg die Zahl der aus dem Ausland verĂŒbten Taten von rund 190.000 auf knapp 202.000 FĂ€lle. Im Jahr 2025 wurden insgesamt knapp 334.000 Cybercrime-Delikte polizeibekannt. In rund 126.000 FĂ€llen wurde der TĂ€ter beziehungsweise die TĂ€tergruppe in Deutschland verortet.
GrĂŒne werfen Regierung Tatenlosigkeit vor
Der GrĂŒnen-Politiker Konstantin von Notz warf der Bundesregierung Tatenlosigkeit vor und verlangte eine "eine echte Kehrtwende in der IT-Sicherheitspolitik". Der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags kritisierte in Berlin: "Ob staatliches Schwachstellenmanagement, die StĂ€rkung des Bundesamts fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) oder entsprechende GrundgesetzĂ€nderungen - keines der ĂŒberfĂ€lligen Reformvorhaben kam bisher."
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
