Erste Passagiere ausgeflogen - auch Deutsche
10.05.2026 - 18:51:40 | dpa.de(neu: Details.)
MADRID/GRANADILLA (dpa-AFX) - Die Evakuierung der Menschen an Bord des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs ist auf Teneriffa unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und ohne Probleme angelaufen. Erste Passagiere und Crewangehörige wurden bereits wenige Stunden nach der Einfahrt der "Hondius" in den Hafen Granadilla im SĂŒden der Urlaubsinsel in kleineren Gruppen in Booten an Land gebracht, anschlieĂend in Bussen zum nahe gelegenen Flughafen Tenerife Sur gefahren und ausgeflogen.
Am spĂ€ten Nachmittag waren auch vier deutsche Kreuzfahrtschiff-Passagiere auf dem Weg zurĂŒck in die Heimat. Eine niederlĂ€ndische Maschine hob von der Kanaren-Insel mit insgesamt 26 Passagieren und Crewmitgliedern der "Hondius" ab. Neben NiederlĂ€ndern und Deutschen befinden sich auch Belgier und Griechen an Bord, alle ohne Symptome, wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilte.
Zuvor waren im Rahmen der Evakuierungsaktion auf der spanischen Urlaubsinsel drei Flugzeuge jeweils mit Spaniern, Franzosen und Kanadiern gestartet. Weitere Maschinen aus GroĂbritannien, Irland, der TĂŒrkei und den USA sollen bis zum Abend folgen. Am Montag sollen eine weitere Maschine aus den Niederlanden sowie ein Flugzeug aus Australien zum Einsatz kommen.
Vor Beginn der Ausschiffung waren Ărzte an Bord gegangen, um eine epidemiologische Untersuchung durchzufĂŒhren. Die gute Nachricht des Tages: Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien ohne Krankheitssymptome, teilte die spanische Gesundheitsministerin MĂłnica GarcĂa vor Journalisten am Hafen mit. Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 ReisegĂ€ste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 LĂ€ndern.
Deutsche fliegen nach Eindhoven
Den Transport der betroffenen Deutschen ĂŒbernehmen die Niederlande. Vier deutsche Passagiere sollen nach ihrer Ankunft am Flughafen im niederlĂ€ndischen Eindhoven nach Frankfurt gebracht werden, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) erfuhr. FĂŒr den Transport wurden EinsatzkrĂ€fte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert.
Sie sollen noch am Sonntag vier Passagiere am MilitĂ€rflughafen in Eindhoven abholen. AnschlieĂend geht es in einem sogenannten Sonderisoliertransport nach Frankfurt.
Eine Person soll spĂ€ter in die Berliner CharitĂ© gebracht werden. Derzeit werde die Ausgestaltung des Transports beraten, teilte ein Sprecher der zustĂ€ndigen Berliner Senatsverwaltung fĂŒr Gesundheit auf Anfrage der dpa mit. "FĂŒr diesen Fall ist die Aufnahme auf die Infektiologie der CharitĂ© sowie die Anordnung einer QuarantĂ€ne durch das zustĂ€ndige Gesundheitsamt vorgesehen", hieĂ es. Den Angaben zufolge zeigt die Person bisher keine Symptome.
Die Deutschen, Franzosen, Briten, US-Amerikaner und Betroffene anderer NationalitĂ€ten kommen nach den Spaniern dran. Die Niederlande wĂŒrden dabei in ihrer Maschine neben NiederlĂ€ndern auch "StaatsbĂŒrger aus Deutschland, Belgien und Griechenland sowie einen Teil der Besatzung mitnehmen", verriet GarcĂa.
Evakuierung vor Einbruch der Dunkelheit
Die meisten Passagiere und Crewmitglieder sollten noch am Sonntag vor Einbruch der Dunkelheit evakuiert werden. Dabei kĂ€men unter anderem Flugzeuge aus Spanien, den Niederlanden, den USA, GroĂbritannien, Frankreich, der TĂŒrkei, Irland und im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus auch eine Maschine aus Norwegen zum Einsatz.
Der letzte Flug mit sechs Personen sei fĂŒr Montag nach Australien geplant, erklĂ€rte Ministerin GarcĂa. "Wie alle sehen können, funktionieren die MaĂnahmen zur Evakuierung reibungslos."
Auf Bildern war zu sehen, wie die betroffenen Spanier in weiĂen SchutzanzĂŒgen auf dem Flughafen von EinsatzkrĂ€ften mit Masken und in orangefarbenen VollschutzanzĂŒgen unter anderem mit Desinfektionsmittel besprĂŒht wurden und Informationszettel erhielten, bevor sie an Bord des Fliegers gingen, der sie nach Madrid bringt. Nach Angaben von Ministerin GarcĂa dĂŒrfen alle Passagiere und Crewmitglieder nur leichtes HandgepĂ€ck mitnehmen.
Laut Schiffsbetreiber sechs Deutsche an Bord
Die "Hondius" war am frĂŒhen Vormittag in den Hafen von Granadilla eingefahren. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist darunter eine mittlere einstellige Zahl von deutschen Staatsangehörigen. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide sind insgesamt sechs Deutsche an Bord.
Laut den jĂŒngsten Angaben der WHO gibt es sechs bestĂ€tigte Hantavirus-FĂ€lle und zwei VerdachtsfĂ€lle. Drei dieser acht Personen sind gestorben. Bei ihnen handelt es sich um ein Ă€lteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederlĂ€ndischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.
WHO-Chef versichert: "Kein neues Covid"
Gesundheitsministerin GarcĂa, der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska und auch der Chef der WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu ĂŒberwachen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: "Das ist nicht ein neues Covid." Das Risiko fĂŒr die Menschen auf der Insel sei gering - zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.
Papst Leo XIV. dankte den Menschen auf den Kanarischen Inseln dafĂŒr, dass dort das Kreuzfahrtschiff "Hondius" mit den Erkrankten anlegen konnte. Er freue sich auf seinen Besuch auf den Inseln im kommenden Monat, sagte der Papst, der in Rom beim Gebet "Regina Caeli" sprach.
ZunĂ€chst hatte es geheiĂen, das Schiff werde aus SicherheitsgrĂŒnden und auch aufgrund der Sorgen der Inselregierung vor dem Hafen vor Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen. Dort liegt das Schiff nun vor Anker, bevor es mit einem Teil der Besatzung in die Niederlande weiterfĂ€hrt.
Wie geht es nach Evakuierung mit Schiff und Menschen weiter?
Nach der Ankunft der WHO und anderer Behörden dĂŒrften alle Ausgeflogenen nach ihrer Ankunft in den jeweiligen HeimatlĂ€ndern in QuarantĂ€ne mĂŒssen, da eine Entwarnung wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) soll die QuarantĂ€ne fĂŒr die deutschen Betroffenen dezentral erfolgen. "ZustĂ€ndig sind die jeweiligen GesundheitsĂ€mter vor Ort", teilte eine RKI-Sprecherin mit. "Ăber die Details entscheidet das zustĂ€ndige Gesundheitsamt, je nach individueller Lage und Gegebenheiten vor Ort." Das RKI hat hierfĂŒr Empfehlungen veröffentlicht. Demnach sollten die Menschen unter anderem fĂŒr sechs Wochen nach der letzten möglichen Exposition in QuarantĂ€ne bleiben.
Sobald die Menschen von Bord sind, soll die "Hondius" ihre Fahrt mit einem Teil der Crew sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fÀhrt. Erst dort soll der Leichnam einer an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.
Virusausbruch löst international Besorgnis aus
Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren ĂŒbertragen. Ein Hantavirustyp, das sĂŒdamerikanische Andesvirus, kann in seltenen FĂ€llen aber auch von Mensch zu Mensch springen. Der Ausbruch des Andesvirus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus - auch und gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. Vor allem auf den Kanaren Ă€uĂerten Menschen Angst wegen einer möglichen Infektion mit dem potenziell tödlichen Virus.
Doch der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Selbst wenn es zu einer Ăbertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere kĂ€me, wĂ€re das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter ĂŒbertragbar, "sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen InfektionsfĂ€llen oder einem groĂflĂ€chigen Ausbruch in der Bevölkerung kĂ€me".
Das Risiko fĂŒr die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus sei "sehr gering". Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen VerdachtsfĂ€llen gesucht.
Spanisches Gesundheitssystem gab den Ausschlag
Die WHO hatte Spanien gebeten, die Menschen auf den Kanaren vor der WestkĂŒste Afrikas an Land gehen zu lassen, weil die Inselgruppe das erste potenzielle Ziel auf der Route des Schiffes mit einer erstklassigen Gesundheitsversorgung war. Kap Verde, wo die "Hondius" zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere mit Verweis auf die unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten dort nicht aufnehmen.
Die "Hondius" hatte ihre Fahrt durch den SĂŒdatlantik am 1. April in Ushuaia im SĂŒden Argentiniens begonnen. Zehn Tage spĂ€ter starb ein NiederlĂ€nder, seine Frau verlieĂ das Schiff bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach SĂŒdafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide starb schlieĂlich die dritte Person - die Deutsche - am 3. Mai.
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