ROUNDUP, Trump

Wie Trump kontern? EU beruft Sondergipfel ein

19.01.2026 - 05:55:21

Nach den Zoll-Drohungen des US-PrÀsidenten Donald Trump im Streit um Grönland befindet sich Europa auf Kollisionskurs mit den Vereinigten Staaten.

Bei einem Sondergipfel der europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs Ende der Woche dĂŒrfte es auch um die milliardenschweren Gegenmaßnahmen gehen, die der EU als Handelsoption zur VerfĂŒgung stehen. "Wir werden stets unsere strategischen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen schĂŒtzen", schrieb EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen am Sonntagabend auf X.

Kurz davor hatte EU-RatsprÀsident António Costa die Einberufung des Sondergipfels erklÀrt. Als Termin kommt nach Angaben einer EU-Beamtin Donnerstag infrage.

Costa: Bereit, sich gegen jede Form von Zwang zu verteidigen

Costa teilte mit, die Mitgliedstaaten seien sich einig, dass Zölle die transatlantischen Beziehungen untergraben wĂŒrden und mit dem EU-USA-Handelsabkommen unvereinbar seien. Man sei bereit, sich gegen jede Form von Zwang zu verteidigen. Von der Leyen zeigte sich solidarisch mit Grönland und DĂ€nemark. Man stehe "fest zu unserem Engagement, die SouverĂ€nitĂ€t Grönlands und des Königreichs DĂ€nemark zu wahren".

Trump will die zu DĂ€nemark gehörende Arktisinsel Grönland den USA einverleiben und hatte am Samstag zusĂ€tzliche Zölle gegen Deutschland und weitere sieben europĂ€ischen Nato-Partner angekĂŒndigt, um seinen Plan durchzusetzen. Ab dem 1. Februar sollen demnach 10 Prozent fĂŒr in die USA gesendete Waren fĂ€llig werden, ab dem 1. Juni 25 Prozent.

"Handels-Bazooka" und milliardenschwere Liste mit Gegenzöllen

Die europĂ€ischen Staaten wollen das nicht hinnehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen kĂŒndigten am Sonntag eine geeinte Reaktion an. Im Raum steht etwa, ein EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung zu nutzen.

Frankreich hatte signalisiert, die Aktivierung des sogenannten Anti-Coercion Instrument (ACI) beantragen zu wollen, wie es aus dem Umfeld von PrĂ€sident Emmanuel Macron hieß. Das Instrument wird auch als "Handels-Bazooka" bezeichnet, weil es der EU weitreichende und flexible Möglichkeiten gibt.

Das Gesetz ermöglicht, Vergeltungszölle auf den Import von US-Waren zu verhĂ€ngen. Zudem könnten US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher AuftrĂ€ge ausgeschlossen werden - oder fĂŒr bestimmte Produkte Ein- und AusfuhrbeschrĂ€nkungen erlassen werden.

Als eine Option gilt auch, die Aussetzung der im vergangenen Jahr wĂ€hrend des Zollkonflikts geplanten Vergeltungsmaßnahmen nicht zu verlĂ€ngern. Vorgesehen war damals, Vergeltungszölle auf US-Importe im Wert von rund 93 Milliarden Euro zu verhĂ€ngen. Die EU hatte diese bereits beschlossenen Gegenmaßnahmen Anfang August nach einer Einigung mit den Vereinigten Staaten fĂŒr sechs Monate ausgesetzt. Entscheidet die EU-Kommission sich nun also bewusst dafĂŒr, wĂŒrden die damals bereits vorbereiteten Maßnahmen Anfang Februar automatisch in Kraft treten.

Costa verweist auch auf gemeinsame Interessen mit USA

EU-RatsprĂ€sident Costa fĂŒgte in seiner Mitteilung hinzu, man wolle weiterhin konstruktiv mit den USA zusammenzuarbeiten. Es gebe ein gemeinsames transatlantisches Interesse an Frieden und Sicherheit in der Arktis, insbesondere durch Zusammenarbeit im Rahmen der Nato.

ZunĂ€chst hatten die Staats- und Regierungschefs der acht betroffenen LĂ€nder mit einer gemeinsamen ErklĂ€rung reagiert. "Zolldrohungen untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko einer Eskalation", hieß es in der Stellungnahme von Deutschland, DĂ€nemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien. Man sei entschlossen, die eigene SouverĂ€nitĂ€t zu wahren.

Außenminister Johann Wadephul schloss Gegenzölle nicht aus. Wenn die USA weitere Maßnahmen ergriffen, "dann wird es eine europĂ€ische Antwort geben mĂŒssen", sagte der CDU-Politiker im "Bericht aus Berlin" der ARD. Es werde intensive GesprĂ€che mit Washington geben.

Nato-Chef und Starmer sprechen direkt mit Trump

Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte und der britische Premierminister Keir Starmer fĂŒhrten am Sonntag TelefongesprĂ€che mit Trump. Von Rutte hieß es, er habe mit dem US-PrĂ€sidenten ĂŒber die Sicherheitslage in Grönland und der Arktis geredet. "Wir werden weiter daran arbeiten", sagte er und fĂŒgte hinzu, dass er sich auf ein Treffen mit Trump in Davos freue. In Davos findet das Weltwirtschaftsforum statt, zu dem am Mittwoch auch Trump erwartet wird. Starmer habe in dem GesprĂ€ch mit Trump erneut betont, dass es falsch sei, Zölle bei VerbĂŒndeten zu erheben, wenn diese sich fĂŒr die kollektive Sicherheit der Nato-VerbĂŒndeten einsetzten, sagte eine Sprecherin.

US-Finanzminister: wollen Grönland, um Konflikt zu vermeiden

Die US-Regierung hat ihr Ziel, Grönland den USA einzuverleiben, mit der Vermeidung eines möglichen Konflikts in der Arktisregion begrĂŒndet. US-Finanzminister Scott Bessent sagte in der Sendung "Meet the Press" des US-TV-Senders NBC News: Grönland könne nur verteidigt werden, wenn es Teil der USA sei - und wenn Grönland Teil der Vereinigten Staaten sei, werde es erst gar keine Notwendigkeit geben, es verteidigen zu mĂŒssen. "Der PrĂ€sident versucht, einen Konflikt zu vermeiden." Bessent sagte auch: "Die EuropĂ€er wirken schwach. Die USA wirken stark." Die USA wĂŒrden ihre nationale Sicherheit nicht outsourcen.

Trump hatte sich auch an einer militĂ€rischen Erkundungsmission mit Soldaten der acht von der Zoll-Drohung betroffenen LĂ€nder auf Grönland gestoßen. Die 15 beteiligten Bundeswehr-Soldaten reisten am Sonntag wieder ab. In der ErklĂ€rung der acht Staaten hieß es, als Alliierte der Nato sei man der StĂ€rkung der Sicherheit in der Arktis verpflichtet. Die von DĂ€nemark koordinierte Übung "Arctic Endurance" stelle fĂŒr niemanden eine Bedrohung dar.

Errungener Zoll-Deal wohl zunÀchst auf Eis gelegt

Diese Woche steht neben dem Sondergipfel eine Abstimmung im Europaparlament ĂŒber den schon vor Monaten zwischen der EU und USA ausgehandelten Zolldeal an, der fĂŒr die USA sehr gĂŒnstige Bedingungen brĂ€chte. Demnach soll der US-Zoll von 15 Prozent fĂŒr die meisten europĂ€ischen Produkte gelten. Zölle auf US-IndustriegĂŒter dagegen sollen vollstĂ€ndig abgeschafft werden und Barrieren fĂŒr den Import von bestimmten Lebensmitteln sollen fallen.

DafĂŒr ist nun keine Mehrheit mehr in Sicht, da die grĂ¶ĂŸten Fraktionen im EU-Parlament bereits deutlich machten, dem Deal nach Trumps Drohungen nicht mehr zustimmen zu wollen - womöglich ein Hebel fĂŒr die EuropĂ€er in dem Konflikt.

Heute empfĂ€ngt Nato-GeneralsekretĂ€r Rutte Minister aus DĂ€nemark und Grönland. Die fĂŒr Außenpolitik zustĂ€ndige grönlĂ€ndische Ministerin Vivian Motzfeldt und der dĂ€nische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen kommen zu dem Treffen im Nato-Hauptquartier in BrĂŒssel.

@ dpa.de

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