Angriffe auf Parteivertreter: Anstieg um knapp 40 Prozent
19.05.2026 - 04:30:08 | dpa.deDie Zahl der Angriffe auf Mitglieder von Parteien hat im vergangenen Jahr massiv zugenommen. Nachdem in den Vorjahren Mitglieder der GrĂŒnen am stĂ€rksten betroffen gewesen waren, wurden 2025 Politiker und sonstige Mitglieder der AfD besonders hĂ€ufig attackiert. Das zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.Â
Demnach registrierte die Polizei im vergangenen Jahr bundesweit 5.140 Straftaten, die sich gegen ParteireprĂ€sentanten beziehungsweise Parteimitglieder richteten. Im Jahr 2024 fanden sich in der Statistik zur politisch motivierten KriminalitĂ€t 3.690 solcher Taten. 2023 hatte die Polizei 2.790 Angriffe auf Parteiangehörige gezĂ€hlt.Â
Ein Grund fĂŒr die Zunahme dĂŒrfte das aufgeheizte Klima im Wahlkampf Anfang 2025 sein. Allerdings war schon in den Jahren zuvor ein Anstieg der Zahl der gegen ParteireprĂ€sentanten gerichteten Straftaten zu beobachten gewesen.
Diesmal war die AfD am hÀufigsten betroffen
Mit 1.852 Angriffen war die AfD im vergangenen Jahr besonders stark betroffen, wobei die Polizei die gegen ihre Vertreter gerichteten Straftaten ĂŒberwiegend dem linken Spektrum zuordnete. Stark zugenommen haben 2025 die gegen die CDU gerichteten Straftaten. ZĂ€hlte die Polizei 2024 noch rund 420 Delikte, von denen ReprĂ€sentanten beziehungsweise Mitglieder der CDU betroffen waren, so waren es im vergangenen Jahr 1.171 Straftaten, die sich gegen ihre Vertreter richteten. 168 Delikte betrafen Angehörige der CSU.
AfD-Politiker jetzt stĂ€rker im Visier von StraftĂ€tern als GrĂŒne
Politikerinnen und Politiker beziehungsweise Mitglieder der GrĂŒnen wurden im vergangenen Jahr in 1.005 FĂ€llen Ziel eines Angriffs und damit etwas seltener als in den zwei Vorjahren, als die Partei auf Bundesebene noch an der Ampel-Regierung beteiligt war. Damals waren ReprĂ€sentanten und Mitglieder von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen mit jeweils rund 1.200 Angriffen hĂ€ufiger attackiert worden als die Vertreter anderer Parteien.
Oft geht es um Verleumdung oder BeleidigungÂ
HĂ€ufiger als gegen Parteivertreter gerichtete Gewaltdelikte, von denen es im vergangenen Jahr laut Bundesregierung 193 gab, sind sogenannte ĂuĂerungsdelikte. Dazu zĂ€hlen unter anderem Volksverhetzung, Verleumdung und Beleidigung. 2025 wurden der Polizei demnach 1.289 ĂuĂerungsdelikte bekannt, die Parteivertreter betrafen. Weitere Delikte, die Politikerinnen und Politiker betreffen können, sind etwa Farbschmierereien an WohnhĂ€usern oder Störungen am Infostand.Â
Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Anfrage weiter ausfĂŒhrt, registrierte die Polizei 2025 insgesamt 121 gegen AfD-Mitglieder gerichtete Gewaltdelikte, bei denen mehrheitlich eine politisch links motivierte Haltung der mutmaĂlichen TĂ€ter maĂgeblich war. Vertreter der GrĂŒnen waren in 13 FĂ€llen von Gewalt betroffen. Politiker der Linken erlebten den Angaben zufolge in 16 FĂ€llen Gewalt. Jeweils zwölf Gewaltdelikte richteten sich gegen Vertreter von CDU und SPD.Â
Gewalttaten von Rechten trafen vor allem Politiker der Linkspartei
Gewalttaten, die von der Polizei klar dem rechten Spektrum zugeordnet wurden, betrafen 2025 vor allem Vertreter der Linken. Die meisten Delikte, die GrĂŒnen-Vertreter zum Ziel hatten, konnten dagegen keinem spezifischen PhĂ€nomenbereich zugeordnet werden.
«Wer die AfD und ihre WÀhler stÀndig diffamiert, delegitimiert, moralisch entrechtet und sogar entmenschlicht, darf sich nicht wundern, wenn Demokratiefeinde daraus einen vermeintlichen Auftrag zur Gewalt ableiten», sagt der AfD-Innenpolitiker Martin Hess. Der Linksextremismus werde von den etablierten Parteien verharmlost.
Besonders ernste VorfÀlle und Gefahren im GETZ besprochen
Im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum von Bund und LĂ€ndern, das sich mit dem linken Spektrum beschĂ€ftigt(GETZ-L), wurden im vergangenen Jahr laut Bundesregierung elf Sachverhalte thematisiert, bei denen es um Angriffe oder geplante Angriffe auf Einrichtungen oder ReprĂ€sentanten von Parteien ging. Davon betrafen sieben Sachverhalte die AfD, drei die CDU/CSU und einer die GrĂŒnen. Im GETZ-R, das entsprechende VorgĂ€nge mit rechtem Hintergrund bearbeitet, kamen demnach jeweils zwei Sachverhalte zur Sprache, die sich gegen die SPD und die GrĂŒnen richteten.Â
FĂŒr Schlagzeilen sorgten 2025 unter anderem die GrĂŒnen-Kommunalpolitiker Matthias Kaiser und Felix Kalbe, als sie in einem offenen Brief an den ThĂŒringer Innenminister, Georg Maier (SPD) schrieben: «In den vergangenen WahlkĂ€mpfen im letzten Jahr â Kommunal im Haupt- und Ehrenamt, Europa, Landtag â war es ânormalâ, auf offener StraĂe beleidigt oder angespuckt zu werden.»
Angriffe auf BSW- und FDP-ReprÀsentanten in Statistik enthalten
Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die AfD-Anfrage ausfĂŒhrt, beziehen sich die Zahlen fĂŒr das Gesamtjahr auf alle Parteien, die Anfang 2025 im Bundestag waren. Dazu zĂ€hlten damals auch die FDP und das BSW, die im Parlament aktuell nicht mehr vertreten sind. Gegen BSW-Vertreter richteten sich im vergangenen Jahr 51 Straftaten. 167 Delikte zielten gegen Mitglieder beziehungsweise ReprĂ€sentanten der FDP, wobei in etwa gleich viele Delikte rechten (33) und linken (35) TatverdĂ€chtigen zugeordnet wurden.
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