Große Mehrheit fordert mehr Tierschutz - Bundesregierung ignoriert klares Mandat der Bürger*innen
12.05.2026 - 09:55:29 | presseportal.de
BDeutschland ist eine Tierschutz-Nation. Das ist ein zentrales Ergebnis des heute erstmals veröffentlichten Humane World for Animals Tierschutz-Barometers 2026. Dem Report liegt eine aktuelle, repräsentative Umfrage zugrunde, die die Tierschutzorganisation Humane World for Animals (ehemals Humane Society International) im Januar 2026 mit über 1.500 Menschen in Deutschland durchgeführt und dafür das Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos beauftragt hat. Der Humane World for Animals Tierschutz-Barometer zeigt deutlich: Tierschutz ist für die Menschen in Deutschland ein in der Gesellschaft tief verankerter Wert. Gleichzeitig offenbart die Umfrage eine klare Leistungslücke der Bundesregierung, eine sogenannte "Government Performance Gap". Die aktuelle Bundesregierung betreibt Tierschutz als Nischenpolitik - entgegen dem Willen der Mehrheit der Bürger*innen und sogar ihrer eigenen Wähler*innen.
Der vollständige Humane World for Animals Tierschutz-Barometer 2026 mit allen Ergebnissen kann hier eingesehen werden, in diesem Video werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und hier gibt es passendes Bildmaterial, inkl. Tierbilder und Infografiken(mit oder ohne Logo) sowie dem Video zum Herunterladen. Die dezidierte Website enthält alle wichtigen Informationen.
Die Lage der Tierschutz-Nation
So geben 4 von 5 Befragten (80,5 %) an, dass Tierschutz für sie (sehr) wichtig ist. Darin enthalten sind 38,2 %, für die Tierschutz sogar "sehr wichtig" ist[1]. Bei dieser Frage sind sich alle befragten Bevölkerungsgruppen einig, unabhängig von Geschlecht, Alter, Wohnort, Einkommen oder politischer Präferenz ist der Durchschnittswert hier ähnlich hoch.
Umso deutlicher fällt die Kritik am politischen Status quo aus. Nur 21,7 % der Befragten sind der Meinung, dass die Bundesregierung derzeit genug für den Tierschutz tut. Fast zwei Drittel (62,3 %) erwarten mehr Engagement. Während vor allem Wähler*innen[2] von Bündnis90/Die Grünen (77,4 %) und der Linken (76,4 %) ein stärkeres Engagement von der aktuell CDU-geführten Bundesregierung befürworten, sind die befragten CDU/CSU-Wähler*innen alles andere als zufrieden. Knapp die Hälfte (49,4 %) dieser Bevölkerungsgruppe möchte ebenfalls, dass die Bundesregierung im Bereich Tierschutz deutlich aktiver wird.
"Ein klares Mandat für die Tiere"
Sylvie Kremerskothen Gleason, Landesdirektorin von Humane World for Animals Deutschland: "Unser Humane World for Animals Tierschutz-Barometer zeigt: Die Menschen sind der Politik weit voraus. Tierschutz hat einen festen Platz in der Mitte der Gesellschaft und genießt breite Unterstützung, auch jenseits parteipolitischer Grenzen. Es gibt ein klares Mandat für die Tiere, das unsere politischen Entscheidungsträger*innen ernst nehmen müssen, wenn sie den Willen ihrer eigenen Wähler*innen und Bürger*innen entsprechen wollen."
Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie
Der Humane World for Animals Tierschutz-Barometer 2026 macht deutlich: Die Debatte dreht sich nicht darum, ob Tiere besser geschützt werden sollen, sondern wie konsequent dies politisch umgesetzt wird. So befürworten 7 von 10 Befragten (71,3 %) eine bundesweite Kastrationspflicht für freilaufende Katzen - eine Maßnahme, die angesichts der Millionen Straßenkatzen in Deutschland als dringend notwendig gilt. Dies zählt zu den größten und zugleich wenig bekannten Tierschutzproblemen in Deutschland. Aktuell fehlen jedoch bundesweit einheitliche Regelungen.
Auch bei sogenannten Nutztieren und dem Lebensmittelsystem sind die Erwartungen hoch. Die Befragten fordern stärkere gesetzliche Vorgaben, tiefgreifende Reformen und deutlich mehr Transparenz. So sprechen sich 4 von 5 Menschen (81,5 %) für ein verpflichtendes Etikett auf verarbeiteten Lebensmitteln wie Nudeln, Backwaren oder Fertiggerichten aus, das klar angibt, welche Art von Eiern verwendet wurde - wie Käfigeier, Bodeneier, Freilandeier oder Bioeier. Um ein mitfühlenderes System der Massentierhaltung zu schaffen, sind die Menschen in Deutschland auch bereit, persönliche Einbußen hinzunehmen. Zwei Drittel (66,3 %) unterstützen den Vorschlag, die Steuern auf Fleisch aus Haltungsformen mit niedrigen Tierschutzstandards zu erhöhen, wenn die zusätzlichen Steuereinnahmen zur Förderung von tierfreundlicheren Haltungsbedingungen verwendet werden.
Klare Haltung bei Trophäenjagd, Pelztierhaltung und Wildtiere als Haustiere
Besonders eindeutig fallen die Ergebnisse auch bei der grausamen Praxis der Trophäenjagd aus. Deutschland ist mit Abstand der größte Importeur von Jagdtrophäen geschützter Tierarten in die EU und wird weltweit nur von den USA getoppt. Zwischen 2015 und 2024 wurden 7.151 Trophäen geschützter Arten importiert[3]. Die Mehrheit lehnt dies aber entschieden ab: 85,6 % der Befragten sprechen sich für ein Importverbot von Jagdtrophäen geschützter Arten nach Deutschland aus. Die Gatterjagd, bei der Wildtiere in abgezäunten Gebieten für ihre Trophäen getötet werden, lehnen rund 90 % konsequent ab.
Die letzte Pelztierfarm schloss in Deutschland im Jahr 2019, doch nicht wegen eines Verbots, sondern aufgrund strikterer Vorschriften. 79,2 % der Befragten ist dies nicht genug und sie befürworten, dass sich Deutschland aktiv für ein EU-weites Verbot der Pelztierindustrie einsetzt. Diese Forderung findet Unterstützung bei Wähler*innen aller Parteien.
Auch beim Schutz von Wildtieren wünschen sich die Befragten mehr politische Führung: 80,6 % befürworten eine einheitliche EU-Regelung, die klar definiert, welche Tierarten überhaupt als Haustiere gehalten werden dürfen, basierend darauf, ob ihre Bedürfnisse in einem Privathaushalt angemessen erfüllt werden können. Die Forderung nach stärkeren europäischen Gesetzen kommt dabei von Wähler*innen aller Parteien, wenn auch besonders stark von Bündnis90/Die Grünen (90,9 %). Aber auch 87,8 Prozent der befragten CDU/CSU-Wähler*innen unterstützen diese Aussage. Dieses Ergebnis liegt damit sogar 7,2 Prozentpunkte über dem nationalen Durchschnitt. Ein klares Mandat für politisches Handeln.
Menschen in Deutschland wollen mitfühlendere System für Tiere
Der Humane World for Animals Tierschutz-Barometer 2026 zeigt insgesamt ein klares Bild: Die Menschen in Deutschland wollen deutlich mitfühlendere Systeme, Regeln und Vorschriften für den Schutz der Tiere. Der Appell an die Bundesregierung ist unüberhörbar, national wie auf europäischer Ebene.
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Hinweis an die Redaktionen:
Der vollständige Humane World for Animals Tierschutz-Barometer 2026 liefert zahlreiche weitere interessante wie auch teilweise kuriose Einblicke in die Meinungen rund um den Tierschutz. So scheint es - laut eigenen Angaben - auch mehrere Großkatzen (also Löwen oder Tiger) sowie Affen in Deutschlands Wohnzimmern zu geben. Auch wie die verschiedenen Altersgruppen, Haushalte mit oder ohne Kinder oder Bundesländer zum Tierschutz stehen, wird gezeigt.
Weitere Ergebnisse (Auswahl)
Zur Methode:
Ziel der Umfrage war es, ein tieferes Wissen über die Wünsche, Bedürfnisse und Meinungen der Menschen in Deutschland in Bezug auf das Thema Tierschutz zu bekommen. Die Umfrage wurde im Auftrag von Humane World for Animals von dem Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos per Online-Panel Befragung durchgeführt. Die Grundgesamtheit bildet die deutschsprachige Bevölkerung ab 18 Jahren ab. Insgesamt wurden 1.527 Menschen befragt, quotiert und iterativ gewichtet wurde repräsentativ auf Alter, Geschlecht, Bundesland und Bildung. Zielvorgaben hierfür wurden Eurostat 2023 entnommen. Die Befragung fand im Zeitraum vom 15. Januar bis 26. Januar 2026 statt. Die Fragen und Antworten können hier eingesehen werden.
Über Humane World of Animals
Seit über 70 Jahren kämpft Humane World for Animals - ehemals Humane Society International - gegen die Ursachen von Tierquälerei und Tierleid, um einen nachhaltigen Wandel zu bewirken. Wir sind in über 50 Ländern aktiv und mit Millionen Unterstützerinnen und Unterstützern fokussieren wir uns darauf, nachhaltige Lösungen für die größten Probleme zu finden, denen Tiere gegenüberstehen. Unser Ziel ist es, die grausamsten Praktiken zu beenden, Tiere in Krisen zu versorgen und eine stärkere Tierschutzbewegung aufzubauen. Über Grenzen hinweg setzen wir uns gemeinsam für ein dauerhaftes Umdenken - auf gesellschaftlicher sowie auf politischer und unternehmerischer Ebene - ein. Mit breitem Fachwissen und Mitgefühl widmen wir uns komplexen globalen Tierschutzthemen, um unserem Namen und der Vision dahinter gerecht zu werden. humaneworld.org
[1] Demgegenüber stehen lediglich 1,7 %, die Tierschutz als (sehr) unwichtig betrachten. Die restlichen 17,8 % äußerten sich mit "neutral".
[2] Die Original-Frage lautete: "Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag eine Wahl anstünde?". Dies wurde als Basis für die Bezeichnung als "Wähler*in" genutzt.
[3] Humane World for Animals Factsheet: Trophäenjagd: Importzahlen für Deutschland: https://ots.de/UFnPUh.
[4] Die Antworten waren wie folgt vorgegeben: Sogenannte Nutztiere (Schweine, Kühe, Hühner); Haustiere (Hunde, Katzen); Wildtiere (z.B. Wölfe); Versuchstiere; Zootiere; Zirkustiere; Keine der oben genannten.
[5] Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es in Deutschland im Jahr 2024 (aktuellste Zahlen) rund 41,2 Millionen Haushalte. 43,2 % davon entspricht 17.798.400. Quelle: https://ots.de/IpL1vJ, abgerufen im Februar 2026.
Medienkontakt:
Susan Wolters; +49 (0) 160 94 49 17 88; swolters@humaneworld.org
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