Parteien, Gesundheit

SPD kritisiert Warkens Pflegereform-PlÀne

12.05.2026 - 01:00:00 | dts-nachrichtenagentur.de

Kurz bevor Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ihre Ideen fĂŒr eine Reform der sozialen Pflegeversicherung vorlegen will, hat der Koalitionspartner teils scharfe Kritik an den bereits bekanntgewordenen PlĂ€nen geĂŒbt.Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Christos Pantazis, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Wer eine Pflegereform ankĂŒndigt, muss eben nicht nur ĂŒber Effizienz- und Wirtschaftlichkeitsreserven sprechen, sondern auch beantworten, wie die Finanzierungsbasis dieses Systems langfristig stabilisiert werden soll."Pantazis wiederholte auch die SPD-Forderung nach einer BĂŒrgerversicherung fĂŒr die Pflege.

Medizinisches Personal in einem Krankenhaus (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Medizinisches Personal in einem Krankenhaus (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Man werde die unterschiedlichen Risikostrukturen zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung nicht dauerhaft ausblenden können. WĂ€hrend die soziale Pflegeversicherung den Großteil Ă€lterer, multimorbider und kostenintensiver Versicherter trage, verfĂŒge die private Pflegepflichtversicherung strukturell ĂŒber ein gĂŒnstigeres und einkommensstĂ€rkeres Risikokollektiv, so Pantazis. DarĂŒber mĂŒsse man offen und ehrlich sprechen dĂŒrfen. Er sagte, dass es dabei nicht darum gehe, gesetzlich und privat Versicherte gegeneinander auszuspielen. Es gehe um die StabilitĂ€t des Pflegesystems und um die Frage fairer Lastenteilung bei einem gemeinsamen Lebensrisiko. "Denn am Ende gilt ein einfacher Grundsatz: gleiche Pflegeleistungen, gemeinsames Risiko, faire Lastenteilung", so der Gesundheitspolitiker.

Gesundheitsministerin Warken will bis Mitte Mai einen Gesetzentwurf fĂŒr eine Pflegereform vorlegen. Dabei drohen deutliche Mehrbelastungen fĂŒr pflegebedĂŒrftige Menschen in Heimen sowie ein erschwerter Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung generell. Warken kĂŒndigte unter anderem an, bei der Einstufung in die Pflegegrade 1 bis 3 auf die wissenschaftliche Empfehlung zurĂŒckgehen zu mĂŒssen, die vor deren EinfĂŒhrung erarbeitet worden seien. In dem Zusammenhang verwies sie auch auf ein erwartetes Defizit der Pflegeversicherung fĂŒr 2027 und 2028, das sie auf zusammen 22,5 Milliarden Euro bezifferte und das damit höher ausfallen wĂŒrde als zunĂ€chst gedacht.

Vor der Veröffentlichung des Gesetzentwurfs und anlĂ€sslich des Tags der Pflege an diesem Dienstag wies auch der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) auf notwendige Reformen hin. "Angesichts steigender Pflegebedarfe und begrenzter Ressourcen braucht es jetzt schnelle und verlĂ€ssliche Entscheidungen der Politik. Darum muss die anstehende Pflegereform endlich zu der dringend notwendigen Strukturreform in der Pflege fĂŒhren", sagte VDAB-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Thomas Knieling den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Wirtschaftliche Grundlagen professioneller Pflegeeinrichtungen mĂŒssten nachhaltig gewĂ€hrleistet sein. "Denn nur mit tragfĂ€higen Pflegeunternehmen lĂ€sst sich die Versorgung pflegebedĂŒrftiger Menschen sichern, flĂ€chendeckend und zukunftsfĂ€hig gestalten", sagte Knieling weiter.

Der Deutsche Berufsverband fĂŒr Pflegeberufe (DBfK) appellierte an die Bundesregierung: "Pflege darf nicht zur Manövriermasse kurzfristiger Sparpolitik werden", sagte DBfK-PrĂ€sidentin Vera Lux den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Das gelte fĂŒr die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung ebenso wie fĂŒr die Pflegereform. "Wer das Pflegebudget deckelt, Entlastung schwĂ€cht oder Pflegepersonalkosten als Kostentreiber darstellt, gefĂ€hrdet Versorgungssicherheit und Patientenschutz", so Lux weiter. Nötig seien aus DBfK-Sicht nun verbindliche Personalbemessung, bessere Arbeitsbedingungen, starke Pflegebildung, erweiterte Befugnisse fĂŒr Pflegefachpersonen und echte Mitentscheidung der Pflege in allen Reformprozessen. "Der Tag der Pflegenden darf kein ritualisierter Dankestag bleiben. Er muss ein politischer Auftrag sein", forderte Lux weiter.

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