«Sentimental Value» rÀumt beim EuropÀischen Filmpreis ab
18.01.2026 - 05:00:41Warum nur sind Familien so kompliziert? Und wie findet man wieder zueinander, wenn man sich entfremdet hat? Darum geht es im Film «Sentimental Value», der beim EuropÀischen Filmpreis gleich sechs Auszeichnungen gewonnen hat. Das Drama des norwegischen Regisseurs Joachim Trier wurde unter anderem als bester Film geehrt.
Der deutsche Beitrag fĂŒr die Oscars «In die Sonne schauen» von Mascha Schilinski kam dagegen bei der Preisverleihung in Berlin trotz acht Nominierungen nur auf eine Auszeichnung fĂŒr das beste KostĂŒmbild. FĂŒnf Auszeichnungen erhielt das Roadmovie «SirĂąt».
Wovon «Sentimental Value» erzÀhlt
Ăhnlich wie bei seinem vorherigen Film «Der schlimmste Mensch der Welt» erzĂ€hlt Regisseur Trier eine zarte, zwischenmenschliche Geschichte. «Sentimental Value» handelt von einem gealterten Regisseur, der eine komplizierte Beziehung zu seinen beiden Töchtern hat.
Die beiden Hauptdarsteller Stellan SkarsgĂ„rd und Renate Reinsve gewannen jeweils den Schauspielpreis, Trier wurde selbst fĂŒr die beste Regie und das Drehbuch ausgezeichnet. Die Norwegerin Reinsve bedankte sich in einem emotionalen Moment bei ihren eigenen Schwestern: «Ohne euch hĂ€tte ich es nirgendwohin geschafft.»
Folgt jetzt der Oscar?
SkarsgĂ„rd hatte gerade auch einen Golden Globe gewonnen - könnte ein Oscar folgen? «Sentimental Value» werden auch Chancen als bester internationaler Film eingerĂ€umt. Am Donnerstag werden die Nominierungen bekanntgegeben.Â
Dann steht auch fest, wie die Reise des deutschen Beitrags in Hollywood weitergeht. «In die Sonne schauen» erzĂ€hlt von vier jungen Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten auf einem Bauernhof in der Altmark leben. Der Film hatte es ebenfalls auf die Shortlist fĂŒr die Oscars geschafft.
Der EuropĂ€ische Filmpreis wird abwechselnd in Berlin und einer anderen Stadt vergeben. Die rund 5.400 Mitglieder der EuropĂ€ischen Filmakademie konnten - Ă€hnlich wie bei den Oscars in den USA - ĂŒber viele PreistrĂ€gerinnen und PreistrĂ€ger abstimmen. Rund 1.000 GĂ€ste kamen ins Haus der Kulturen der Welt (HKW), darunter die Filmstars Mads Mikkelsen und Juliette Binoche, die PrĂ€sidentin der Akademie ist.
Iranischer Regisseur Panahi warnt
Die Eröffnungsrede hielt der iranische Regisseur Jafar Panahi («Ein einfacher Unfall»), der auf die Lage in seinem Heimatland hinwies und Filmschaffende aufrief, ihre Stimme zu erheben. Der Machtapparat im Iran war zuletzt mit aller HÀrte gegen Demonstranten vorgegangen.
Panahi warnte, wenn Gewalt unbeantwortet bleibe, werde sie normalisiert. Und wenn sie normalisiert werde, breite sie sich aus. Auch auf dem roten Teppich zeigten sich mehrere Filmschaffende solidarisch mit den Menschen des Landes.
«Das ist ziemlich absurd, oder?»
Politisch wurde es mehrfach an dem Abend. Bei einer Pressekonferenz wurden der Norweger Trier und sein Team gefragt, was sie vom Streit um Grönland halten. US-PrÀsident Donald Trump will, dass Amerika sich die zum Staatsgebiet DÀnemarks gehörende Insel einverleibt.
«Das ist ziemlich absurd, oder?», sagte der schwedische Schauspieler SkarsgĂ„rd, als er nach einem Kommentar gefragt wurde. Ein kleiner Mann mit GröĂenwahn versuche, sich die Welt zu nehmen.
Regisseur Trier sagte, Grönland gehöre nur den GrönlĂ€ndern. Das Völkerrecht mĂŒsse respektiert werden, weil sonst ein Dominoeffekt drohe in der Frage, wie andere SupermĂ€chte mit anderen LĂ€ndern umgingen.
Wer noch gewonnen hat
Die Auszeichnung fĂŒr das Lebenswerk ging an die norwegische Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann («Szenen einer Ehe»). Als bester Dokumentarfilm wurde «Fiume o Morte!» des Regisseurs Igor Bezinovi? ausgezeichnet, der von der Besetzung der heutigen Stadt Rijeka in Kroatien erzĂ€hlt. Bester Animationsfilm wurde die Produktion «Arco».
Bei den Schauspielpreisen waren auch deutsche KĂŒnstler nominiert. Leonie Benesch («Heldin») und Idan Weiss («Franz K.») gingen aber gegen die beiden Hauptdarsteller von «Sentimental Value» ebenso leer aus wie die luxemburgisch-deutsche Darstellerin Vicky Krieps («Love Me Tender»).
Ausgezeichnet wurden auch Maren Ade, Janine Jackowski und Jonas Dornbach von der Berliner Produktionsfirma Komplizen Film. Die italienische Regisseurin Alice Rohrwacher («GlĂŒcklich wie Lazzaro») wurde fĂŒr ihre Verdienste um den weltweiten Einfluss des europĂ€ischen Kinos geehrt.





