OBERBAYERN, Bayern

Gewalttat am Gymnasium - «Schreckliche Stunden» in Schongau

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 19:38 Uhr, dpa.de

Schock im oberbayerischen Schongau: Bei einer mutmaßlichen Amoktat an einem Gymnasium werden zwei MĂ€dchen schwer verletzt. Und es hĂ€tte wohl alles noch schlimmer kommen können.

  • SpezialkrĂ€fte durchsuchen die Schule. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    SpezialkrÀfte durchsuchen die Schule. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Einsatzwagen auf dem Schulhof. - Bild: Lennart Preiss/dpa
    Einsatzwagen auf dem Schulhof. - Bild: Lennart Preiss/dpa
  • Polizisten auf dem SchulgelĂ€nde. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Polizisten auf dem SchulgelÀnde. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Zwei MĂ€dchen wurden bei der Tat schwer verletzt. - Bild: Lennart Preiss/dpa
    Zwei MĂ€dchen wurden bei der Tat schwer verletzt. - Bild: Lennart Preiss/dpa
  • Die Polizei sprach von einer Amoklage. - Bild: Lennart Preiss/dpa
    Die Polizei sprach von einer Amoklage. - Bild: Lennart Preiss/dpa
  • Das GelĂ€nde wurde abgesucht. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Das GelÀnde wurde abgesucht. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
SpezialkrÀfte durchsuchen die Schule. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Einsatzwagen auf dem Schulhof. - Bild: Lennart Preiss/dpa Polizisten auf dem SchulgelÀnde. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Zwei MÀdchen wurden bei der Tat schwer verletzt. - Bild: Lennart Preiss/dpa Die Polizei sprach von einer Amoklage. - Bild: Lennart Preiss/dpa Das GelÀnde wurde abgesucht. - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

«Meine Beine sind ganz schwach geworden», sagt die 13-JĂ€hrige. «Ich habe gar nicht mehr gewusst, wie ich jetzt reagieren soll, ob ich irgendwie kurz nach Hilfe rufen soll oder einfach mich ganz leise verhalten soll.» Sie habe sich mit zwei Freunden fĂŒr die zweite Variante entschieden. «Wir haben dann einfach weggeschaut und gehofft, dass der uns nicht bemerkt.»

Zwei gleichaltrige MĂ€dchen haben nicht so viel GlĂŒck bei der Gewalttat an einem Gymnasium in Oberbayern. Die beiden SchĂŒlerinnen, die, wie die 13-JĂ€hrige sagt, in ihre Parallelklasse gehen, werden am Mittwoch schwer verletzt - offenkundig von einem mit einer Pistole bewaffneten 16-JĂ€hrigen, der laut Polizei einen Schuss abgibt und dann, als die Waffe versagt, mit Messern in der Schule in Schongau auf seine Opfer losgeht.

Drohte der mutmaßliche TĂ€ter schon frĂŒher?

«Wir erleben schreckliche Stunden hier in Schongau», sagt Bundesinnenminister Alexander Dorbindt, in dessen Bundestagswahlkreis Schongau liegt. «Wir stehen schockiert vor dieser irrsinnigen Tat.»

Diese mutmaßliche Amoktat erschĂŒttert den oberbayerischen Ort. Der Teenager, ein ehemaliger SchĂŒler des Gymnasiums, wird unter Tatverdacht festgenommen und sitzt laut Dobrindt in Untersuchungshaft. Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wird geprĂŒft, ob er womöglich frĂŒher schon einmal Drohungen ausgesprochen hat.

Es ist 12.50 Uhr am Mittwochmittag, als ein Notruf ĂŒber eine Gewalttat am Welfen-Gymnasium die Polizei erreicht. Kurz darauf ist sie mit einem Großaufgebot vor Ort - und findet die beiden schwer verletzten, 13 Jahre alten MĂ€dchen. Wo, das sagen die Ermittler zunĂ€chst nicht. Weil die Polizisten so schnell vor Ort sind, können sie den mutmaßlichen TĂ€ter festnehmen. «17 Minuten nach der Alarmierung war der TĂ€ter ĂŒberwĂ€ltigt von PolizeikrĂ€ften und LehrkrĂ€ften», sagt Dobrindt.

Dabei hĂ€tte wohl alles noch viel schlimmer kommen können: Nach ersten Erkenntnissen war der mutmaßliche TĂ€ter laut Polizei nicht nur mit einem Messer, sondern eben auch mit einer Pistole bewaffnet. Ein abgegebener Schuss habe niemanden getroffen, dann habe die Waffe versagt, erlĂ€utert Dobrindt. Die Tatwaffe sei dann das Messer gewesen. Wie Herrmann sagt, war der 16 Jahre alte Kroate, der den Angaben zufolge bei seinen Eltern lebte, in der Vergangenheit in psychiatrischer Behandlung.

WĂ€hrend Polizisten das SchulgelĂ€nde weiter durchsuchen, um auszuschließen, dass es weitere TĂ€ter geben könnte, kommt aus der Klinik eine gute Nachricht: Die beiden schwer verletzten MĂ€dchen, von denen eines mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gekommen war, schweben am Nachmittag nicht mehr in Lebensgefahr.

Was ist das Motiv?

Das Motiv fĂŒr die Tat bleibt zunĂ€chst jedoch unklar. «Die beiden Opfer, die schwerstverletzten MĂ€dchen, sind nach unserer EinschĂ€tzung zufĂ€llige Opfer, die in dem Moment in seine Schreckensbahn gekommen sind. Wir gehen von einer Amoktat aus eines EinzeltĂ€ters», sagt Dobrindt. Und: «Wir gehen weiter davon aus, dass es sich um eine psychische Ausnahmesituation gehandelt hat.»

Laut Polizei bekamen viele SchĂŒler die Tat hautnah mit. Sie werden - wie auch Lehrer und spĂ€ter auch EinsatzkrĂ€fte - psychologisch betreut. 

Anlaufstelle fĂŒr Angehörige und SchĂŒler bei Feuerwehr

Schongau befindet sich an diesem Tag im Ausnahmezustand: Überall Blaulicht, der Bereich um die Schule weitgehend abgesperrt, zeitweise kreisen Hubschrauber. Die Menschen im Ort werden aufgerufen, das Areal zu meiden. FĂŒr Angehörige und Eltern von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern wurde eine Anlaufstelle am Feuerwehrhaus eingerichtet.

Schongau ist eine Kleinstadt am Ufer des Lechs im westlichen Oberbayern mit mehr als 12.000 Einwohnern. Das Welfen-Gymnasium liegt nur wenige Hundert Meter von Altstadt und Lech entfernt. Laut Internetseite werden dort etwa 800 SchĂŒler von mehr als 80 LehrkrĂ€ften unterrichtet. In direkter Nachbarschaft gibt es auch eine Grund-, Mittel- und Realschule.

In Bayern laufen die letzten Wochen des Schuljahres. Abiturienten haben bereits vor knapp zwei Wochen, am 26. Juni, ihre Zeugnisse erhalten, bei den restlichen SchĂŒlern steht dies am 31. Juli an. Das Welfen-Gymnasium hat sich laut seiner Homepage das Thema GewaltprĂ€vention besonders auf die Fahnen geschrieben. 

«Unsere Schule fördert aktiv Medien-, Gewalt- und SuchtprĂ€vention», heißt es dort. Alle 7. Klassen sollen an einem GewaltprĂ€ventionsprojekt mit der Polizei und Mitarbeitern des Jugendzentrums teilnehmen. Der Projektname: «zammgrauft». «Hierbei sollen die SchĂŒler und SchĂŒlerinnen durch vielfĂ€ltige Interaktionen fĂŒr die unterschiedlichen Formen von Gewalt sensibilisiert werden und sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen», heißt es auf der Internetseite der Schule.

Noch am Nachmittag sind SchĂŒler und Eltern in der eingerichteten Betreuungsstelle. Ein Elternpaar zeigt sich aufgewĂŒhlt von den Hubschraubern, dem Blaulicht und der Nachricht, an der Schule ihrer Kinder sei etwas passiert. Sie habe geweint, sagt die Frau, bis die erlösende Nachricht von ihrer Tochter kam: «Mama, mir geht's gut.»

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