Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein

Wal schwimmt in Transportschiff – Reise steht bevor

28.04.2026 - 16:19:57 | dpa.de

Seit Wochen liegt der gestrandete Buckelwal vor der Insel Poel. Eine private Initiative hat ihn nun ihn einen Lastkahn bugsiert. Doch das Ziel der Aktion ist noch lÀngst nicht erreicht.

  • Helfer versuchen den gestrandeten Wal aus dem flachen Wasser zu einem Transportschiff zu ziehen, das in der Fahrrinne wartet. - Foto: Philip Dulian/dpa
    Helfer versuchen den gestrandeten Wal aus dem flachen Wasser zu einem Transportschiff zu ziehen, das in der Fahrrinne wartet. - Foto: Philip Dulian/dpa
  • Die Helfer ziehen an Gurten. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa
    Die Helfer ziehen an Gurten. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa
  • Umweltminister Till Backhaus (SPD, r) zeigte sich erleichtert. - Foto: Helena Dolderer/dpa
    Umweltminister Till Backhaus (SPD, r) zeigte sich erleichtert. - Foto: Helena Dolderer/dpa
  • Helfer besteigen ein Boot, um zum Wal hinauszufahren.  - Foto: Helena Dolderer/dpa
    Helfer besteigen ein Boot, um zum Wal hinauszufahren. - Foto: Helena Dolderer/dpa
  • Die Behörden haben grĂŒnes Licht fĂŒr die Benutzung von Gurten gegeben, um den Wal zum Transportschiff zu fĂŒhren. - Foto: Helena Dolderer/dpa
    Die Behörden haben grĂŒnes Licht fĂŒr die Benutzung von Gurten gegeben, um den Wal zum Transportschiff zu fĂŒhren. - Foto: Helena Dolderer/dpa
Helfer versuchen den gestrandeten Wal aus dem flachen Wasser zu einem Transportschiff zu ziehen, das in der Fahrrinne wartet. - Foto: Philip Dulian/dpa Die Helfer ziehen an Gurten. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa Umweltminister Till Backhaus (SPD, r) zeigte sich erleichtert. - Foto: Helena Dolderer/dpa Helfer besteigen ein Boot, um zum Wal hinauszufahren.  - Foto: Helena Dolderer/dpa Die Behörden haben grĂŒnes Licht fĂŒr die Benutzung von Gurten gegeben, um den Wal zum Transportschiff zu fĂŒhren. - Foto: Helena Dolderer/dpa

Die Bergungsaktion des in der Ostsee gestrandeten Buckelwals ist ihrem Ziel einen Schritt nĂ€her gekommen. Die Beteiligten zogen den Wal in einer stundenlangen Aktion mit Gurten zu einem Lastkahn, der das Tier Richtung Nordsee befördern soll. FĂŒr den Weg zum Schiff wurde in den vergangenen Tagen eine gut 100 Meter lange Rinne gebaggert. Um 14.45 Uhr war das Tier schließlich in der sogenannten Barge, also einer Art schwimmendem Becken. 

«Mir fÀllt wirklich ein Stein vom Herzen», sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Hafen von Kirchdorf. «Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Meter mitzuhelfen». Er habe sich dann aber zusammengerissen. Der Minister gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint. 

Jubel und TrÀnen bei Helfern und dem Minister

Nach der Aktion fielen sich die Helfer der privaten Rettungsinitiative im Hafen in die Arme, bei manchem rollt eine TrÀne der Erleichterung nach Wochen der Anspannung. Bei ihrer Ankunft im Hafen von Kirchdorf werden sie von den Anwesenden teils mit Jubel und Klatschen empfangen. «Die Hoffnung haben wir nie aufgegeben», sagte eine Schaulustige vor Ort.

Doch die Reise im schwimmenden Becken in Richtung Nordsee steht noch bevor. Sie soll gegen Abend starten, wenn die See ruhiger wird, so Backhaus.

Zweifel unter Fachleuten

Doch gerettet ist der Wal lĂ€ngst noch nicht: Experten des Meeresmuseums hatten explizit vor dem Transport des Tieres gewarnt. «Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert» und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie «ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken fĂŒr den Wal verbunden», erklĂ€rten die Forscher und verwiesen auf Ă€hnliche EinschĂ€tzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.

Die Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC erklĂ€rte: «In freier Natur sind Wale keine Situationen gewohnt, in denen sie eingesperrt sind. Am wahrscheinlichsten ist, ganz allgemein gesprochen, dass die ungewohnte Situation einen Wal zusĂ€tzlich in Stress, möglicherweise auch Angst und Panik versetzen wĂŒrde.» Dies gelte insbesondere, da der Wal nicht seinem natĂŒrlichen Fluchtinstinkt nachkommen könne.

Es könne auch sein, dass das Tier in eine Fangmyopathie verfĂ€llt, «also in eine Art Schockstarre, bei der sich die Muskeln verkrampfen». Es könne auch schon zu geschwĂ€cht sein, um starke Reaktionen zu zeigen. «So könnte es dann wirken, als wĂŒrde er den Einsatz freiwillig mitmachen oder ĂŒber sich ergehen lassen», hieß es von der Organisation.

Reaktionen nicht absehbar

Auch Backhaus gab zu bedenken, das es sich bei dem Wal um ein Wildtier handele, dessen Reaktionen nicht absehbar seien. Die TierÀrzte der privaten Initiative sehen den Buckelwal als transportfÀhig an, wie der Minister erklÀrte. Der Gesundheitszustand sei der EinschÀtzung zufolge gut, die Atmung tief und ohne pathologische GerÀusche. Die Fachleute des Meeresmuseums hatten noch am Montag mitgeteilt: «Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert.» 

Backhaus sagte zu den unterschiedlichen EinschÀtzungen am Morgen: «Ich glaube, dass die beiden TierÀrztinnen und auch der Sachverstand, der hier ist, das sehr gut beurteilen kann.» Diese Leute seien fachlich versiert und permanent direkt am Tier gewesen. Der Minister bat die Wissenschaft um VerstÀndnis - «diejenigen, die das vielleicht nicht zu 100 Prozent aktuell beurteilen können».

Wal seit Anfang MĂ€rz an der KĂŒste unterwegs

Bereits Anfang MĂ€rz war der Buckelwal nach Angaben der Behörden in KĂŒstennĂ€he aufgetaucht, zunĂ€chst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. MĂ€rz strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser ĂŒber eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar.

Schließlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber weniger Stunden spĂ€ter am Ausgang der Bucht wieder fest.

Vorheriges Konzept verworfen

Backhaus hatte Mitte April trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft entschieden, die Versuche der privaten Initiative zu dulden. Sie wird neben der Unternehmerin Karin Walter-Mommert vom Mediamarkt-GrĂŒnder Walter Gunz finanziert. Ein vorheriges Konzept der Gruppe gelang nicht und wurde verworfen.

Offen ist, ob der Wal den Transport ĂŒberlebt und ob er in der Nordsee oder dem Atlantik ĂŒberleben kann. Wissenschaftler hatten vermutet, dass er immer wieder flaches Wasser aufsuchte, weil er geschwĂ€cht war und sich ausruhen wollte. VeterinĂ€rmediziner sollen den Wal auf seiner mehrtĂ€gigen Fahrt in Richtung Nordsee begleiten, wie es hieß.

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