Deutschland, KriminalitÀt

Nach Drohmail-Serie: Ermittler nehmen VerdÀchtige ins Visier

25.11.2025 - 12:09:07 | dpa.de

Evakuierte Schulen, gesperrte Bahnhöfe, hohe Kosten: Mehrere VerdÀchtige sollen mit Hunderten Drohmails Polizei und Bevölkerung in Atem gehalten haben.

Die Ermittlungen richten sich gegen vier Beschuldigte, darunter zwei Jugendliche. (Archivbild) - Foto: Florentine Dame/dpa

Nach bundesweiten Bombendrohungen unter anderem gegen Schulen und Bahnhöfe hat die Polizei mehrere Wohnungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Sachsen-Anhalt durchsucht. Die Ermittlungen richten sich gegen vier Beschuldigte, darunter zwei Jugendliche.

Der Gruppe wird vorgeworfen, Hunderte Drohmails verschickt haben, wie das Bundeskriminalamt in Wiesbaden und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt – Zentralstelle zur BekĂ€mpfung der InternetkriminalitĂ€t (ZIT) gemeinsam mitteilten. In Hunderten von FĂ€llen seien PolizeieinsĂ€tze in ganz Deutschland, aber auch in Österreich ausgelöst worden, hieß es. 

Bei den VerdÀchtigen handelt es sich laut ZIT konkret um einen 23-JÀhrigen aus Frankfurt, einen 20-JÀhrigen aus Dortmund sowie zwei 16-JÀhrige aus NRW und Niedersachsen. Zudem habe es Durchsuchungen bei einem jugendlichen Zeugen in Sachsen-Anhalt gegeben, der aber nicht verdÀchtigt werde. 

Ermittler: In Hunderten von FÀllen wurden PolizeieinsÀtze ausgelöst 

Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler zahlreiche elektronische GerĂ€te und Speichermedien sicher. Der Gruppe wird zur Last gelegt, «als Teil einer ĂŒberregional agierenden TĂ€tergruppierung fĂŒr Hunderte Drohmails mit vorgetĂ€uschten bundesweiten Bombendrohungen gegen Schulen, Hauptbahnhöfe, Einkaufszentren und andere stĂ€dtische sowie öffentliche Einrichtungen verantwortlich zu sein».

Gruppe soll sich in Chat-Gruppe «Schweinetreff» vernetzt haben

Laut den Angaben hatte sich die Gruppe rein virtuell zusammengeschlossen - und zwar in einer geschlossenen Messenger-Gruppe namens «Schweinetreff». Ziel sei gewesen, «den öffentlichen Frieden unter Androhung von Straftaten zum Nachteil von Leib und Leben zu stören, grĂ¶ĂŸtmögliche Einsatzlagen auszulösen und grĂ¶ĂŸtmögliche Verunsicherung in der Bevölkerung zu erzeugen».

Zu den konkreten FÀllen gehören: 

  • Evakuierung des Einkaufszentrums am Limbecker Platz in Essen im Mai 2024
  • Sperrung des Bahnhofs Neunkirchen und Einstellung des Bahnverkehrs im September 2024
  • RĂ€umung des Funkhauses des MDR in Magdeburg und weitreichende Sperrung der anliegenden Straßen im Oktober 2024
  • RĂ€umung eines großen Einkaufszentrums in Sachsen-Anhalt im Dezember 2024
  • RĂ€umung und Schließung einer Schule in Bad Hersfeld im Dezember 2024.

«Wenngleich infolge der Tathandlungen kein schĂ€digendes Ereignis eingetreten ist, entstand durch die Evakuierungsmaßnahmen in Deutschland ein immenser Sachschaden im hohen fĂŒnfstelligen Bereich», hieß es. Zudem hĂ€tten besonders die EinsĂ€tze in Schulen psychologische Belastungen ausgelöst.

Was hat die mutmaßlichen TĂ€ter angetrieben?

Die Ermittler gehen nicht von einem politischen Hintergrund aus. Neben der Verunsicherung der Bevölkerung sei es auch darum gegangen, sich an der damit verbundenen Aufmerksamkeit zu erfreuen, hieß es. «Mutmaßlich um die Aufmerksamkeit zu verstĂ€rken, wiesen die Drohmails hĂ€ufig auch eine islamistische Intention beziehungsweise einen islamistischen Bezug auf», hieß es. Doch die Ermittler betonten: Eine religiös motivierte Tatmotivation sei nicht belegt worden.

BKA: «Internet ist kein rechtsfreier Raum»

«Das entschlossene Handeln der Strafverfolgungsbehörden zeigt, dass das Internet trotz vermeintlicher AnonymitĂ€t keinen rechtsfreien Raum darstellt. DarĂŒber hinaus können derartige Drohmails fĂŒr den Absender zusĂ€tzlich sehr teuer werden, denn GroßeinsĂ€tze der Polizei sind mit hohen Kosten verbunden», sagte BKA-VizeprĂ€sident Sven Kurenbach. Und auch das ZIT betonte, es gehe nicht um harmlose Streiche, sondern um Straftaten, die einen enormen finanziellen Schaden anrichteten.

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