Krieg, Ukraine

Krieg in Ukraine: Bundesamt-PrÀsidentin erinnert an nukleares Risiko

19.03.2024 - 06:12:29

Angesichts des andauernden Krieges in der Ukraine hat die PrĂ€sidentin des Bundesamts fĂŒr Strahlenschutz, Inge Paulini, an das weiterhin bestehende Risiko fĂŒr die dort angesiedelten Atomkraftwerke erinnert.

Insbesondere die Situation am grĂ¶ĂŸten ukrainischen Kernkraftwerk Saporischschja gebe "immer wieder Anlass zur Besorgnis", sagte Paulini am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Ein besonderes Risiko stellten dabei die Kampfhandlungen, die Stromversorgung sowie die Arbeitsbedingungen der Angestellten dar. Es mĂŒsse alles dafĂŒr getan werden, die KĂŒhlung aller sicherheitsrelevanten Systeme sicherzustellen, appellierte Paulini. "Kerntechnische Einrichtungen sollten keinesfalls in kriegerische Auseinandersetzungen hineingezogen werden."

Russische Truppen hatten das Atomkraftwerk Saporischschja Anfang MĂ€rz 2022 besetzt. Seitdem sind kriegsbedingt die meisten Leitungen ausgefallen, die die frontnahe Anlage mit Strom versorgen. Ein Team der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ist stĂ€ndig vor Ort, um die Lage in dem weitgehend stillgelegten Kraftwerk zu beobachten. Die Fachleute berichten immer wieder ĂŒber militĂ€rische AktivitĂ€ten in der NĂ€he.

Das Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz beobachtet die Lage seit Ausbruch des Krieges im FrĂŒhjahr 2022 sehr genau - und informiert auch ĂŒber mögliche Auswirkungen eines nuklearen Zwischenfalls fĂŒr Deutschland. Die Behörde schĂ€tzt diese nach wie vor als begrenzt ein. Die Notfallmaßnahmen wĂŒrden sich voraussichtlich auf die Landwirtschaft und die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte beschrĂ€nken, erklĂ€rte das Amt dazu auf dpa-Anfrage. Sollte es in Saporischschja etwa zu einem Zwischenfall mit Kernschmelze kommen, sei nicht zu erwarten, dass weitergehende Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland - wie beispielsweise die Ausgabe von Jodtabletten - notwendig wĂ€ren.

Bundesamt-PrĂ€sidentin Paulini hĂ€lt ein stĂ€rkeres Bewusstsein fĂŒr die Bedeutung des Zivil-und Katastrophenschutzes hierzulande dennoch fĂŒr unabdingbar. SpĂ€testens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sei "das Risiko einer Straftat im Umgang mit radioaktiven Stoffen oder gar eines Nuklearwaffenangriffs" wahrscheinlicher geworden, sagte Paulini.

Sie verwies in diesem Zusammenhang auch auf das bundesweite Messnetz fĂŒr RadioaktivitĂ€t, das an diesem Dienstag 50 Jahre alt wird. Die rund 1700 Sonden, die sich ĂŒber das gesamte Bundesgebiet verteilen, ĂŒberwachten die radioaktive Strahlung in der Umwelt "rund um die Uhr", erklĂ€rte Paulini. Überschreitet der gemessene Pegel an einer Messstelle einen bestimmten Schwellenwert, gehe automatisch eine Meldung an die Rufbereitschaft des Bundesamts, das die Werte dann genauer prĂŒfe. Paulini wĂŒrdigte dieses System als "Zugewinn an Sicherheit fĂŒr alle".

Die erste Sonde ging 1974 im oberbayerischen Holzkirchen in Betrieb. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der schwelenden Gefahr eines Atomkriegs sollte ein System zur automatisierten Erfassung radioaktiver Strahlung entstehen. Das ReaktorunglĂŒck von Tschernobyl im Jahr 1986 sorgte fĂŒr die bislang relevantesten AusschlĂ€ge im Messsystem.

In den kommenden Jahren werde das Messnetz technisch so weiterentwickelt, dass es auch gegen EinflĂŒsse von außen, wie etwa Cyber-Attacken, widerstandsfĂ€higer werde, erklĂ€rte Paulini. Außerdem solle es kĂŒnftig in den BallungsrĂ€umen mehr Sonden geben.

Über die Weiterentwicklung des Messnetzes und dessen Bedeutung werden an diesem Dienstag und Mittwoch Fachleute und Vertreter der staatlichen Behörden bei einem Festakt in Berlin diskutieren.

@ dpa.de

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