Arbeitsschutz bei Hitze: Innovative Helme senken Temperatur um 6 Grad
30.06.2026 - 14:09:03 | boerse-global.de
In Rostock wurden zuletzt 38 Grad gemessen – besonders im Baugewerbe, bei Zustelldiensten und in der Pflege leiden die Beschäftigten. Arbeitgeber reagieren mit Wasser, Ventilatoren und Kühlmöglichkeiten. Gleichzeitig treiben Hersteller technische Innovationen bei Schutzausrüstung voran.
Sicherheitsschuhe der Klasse S3: Pflicht auf Schweizer Baustellen
Auf Schweizer Baustellen sind S3-Sicherheitsschuhe nach Norm EN ISO 20345 in vielen Bereichen obligatorisch. Die Suva und die Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS) empfehlen diese Modelle vor allem im Rohbau, Tiefbau und in der Dachdeckerei.
Das entscheidende Merkmal: eine Kombination aus wasserdichtem Schaft und durchstichhemmender Zwischensohle, die mindestens 1100 Newton aushält. Je nach Witterung kommen Zusatzklassen wie WR (Wasserdichtigkeit) oder CI und HI (Kälte- beziehungsweise Wärmeisolierung) hinzu.
Die durchschnittliche Lebensdauer solcher Schuhe liegt bei guter Pflege zwischen 12 und 18 Monaten. Wichtig für Arbeitnehmer: Der Arbeitgeber muss die Schutzausrüstung kostenlos stellen.
Kühlende Helme und leichtere Sneaker
Die Industrie arbeitet an Lösungen für heiße Tage. Midori Anzen bringt einen neuen elektrostatischen Sicherheitssneaker mit breiter Kunststoff-Zehenkappe auf den Markt. Das Modell ISA-805S soll künftig unter einer angepassten Artikelnummer laufen.
Auch bei Arbeitskleidung für Frauen tut sich etwas: Seit Juni 2026 gibt es spezielle Arbeitshosen, die Strapazierfähigkeit mit angepasster Passform verbinden.
Extreme Hitze am Arbeitsplatz erfordert nicht nur technische Innovationen, sondern auch eine rechtlich fundierte Bewertung der Arbeitsumgebung. Dieser kostenlose Report unterstützt Sicherheitsfachkräfte dabei, rechtssichere Dokumente zu erstellen, die von Aufsichtsbehörden sofort anerkannt werden. Gefährdungsbeurteilung: Jetzt kostenlose Vorlagen und Checklisten sichern
Besonders spannend: Das Unternehmen Jutoku aus Japan hat eine Technologie namens Breeze Duct A entwickelt. Sie soll die Temperatur in Schutzhelmen um rund sechs Grad senken. Eine öffentliche Vorführung ist für Juli 2026 auf einer Fachmesse für Arbeitssicherheit in Tokio geplant.
Passform als wachsender Trend
Immer mehr Hersteller berücksichtigen individuelle Fußformen. Anbieter wie Würth MODYF setzen auf Mehrweitensysteme mit verschiedenen Einlegesohlen und Schuhbreiten bis zu Übergrößen. Das hilft besonders Beschäftigten mit breiteren Füßen oder gesundheitlichen Einschränkungen wie Hallux valgus.
Auch im privaten Bereich zeigt sich der Trend zu fußgerechter Mode. Während Marken wie Birkenstock auf hochwertige Fußbetten setzen, bieten Discounter wie Lidl günstigere Alternativen unter Eigenmarken an – oft mit Materialkombinationen aus Leder und Textilien.
Hitzeschutz: Politik verspricht Milliarden
Ob Hitzewellen oder andere Gesundheitsrisiken im Betrieb – Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, die Gefahren für ihre Mitarbeiter systematisch zu bewerten. Erfahren Sie in diesem Praxis-Leitfaden, wie Sie typische Fehler vermeiden und den Arbeitsschutz effizient dokumentieren. Hier kostenlosen GBU-Ratgeber inklusive Checklisten herunterladen
Die Debatte um betrieblichen und kommunalen Hitzeschutz wird politisch geführt. Bundesumweltminister Carsten Schneider forderte die Kommunen auf, ihre Anstrengungen zu verstärken. Bis 2040 sind Bundesmittel in Höhe von 100 Milliarden Euro vorgesehen.
Der Deutsche Städtetag rechnet jedoch mit einem Investitionsbedarf von rund 30 Milliarden Euro. Ohne gesicherte Finanzierung bleibe die Umsetzung von Hitzeaktionsplänen schwierig – der Hitzeschutz gilt derzeit noch als freiwillige Aufgabe.
In der Praxis helfen sich Betriebe mit pragmatischen Lösungen: In der Hotelbranche kommen Eiswürfel zur Kühlung zum Einsatz. Mobile Pflegedienste verteilen Handventilatoren an ihre Mitarbeiter. Denn bei Rekordtemperaturen zählt jeder Grad.
