KI-Energiehunger: Stromverbrauch von Rechenzentren verdoppelt sich
30.06.2026 - 14:09:03 | boerse-global.de
Laut einer aktuellen Analyse von Allianz Trade liegt der KI-Anteil am gesamten Stromverbrauch der Anlagen derzeit bei 15 bis 20 Prozent. Bis 2030 könnte dieser Wert auf rund 40 Prozent klettern.
Noch höher schätzen die Marktforscher von Capgemini den aktuellen KI-Anteil ein: Demnach sind es bereits 25 Prozent. Ihre Prognose: Innerhalb von drei bis fünf Jahren könnten bis zu 60 Prozent des Rechenzentrums-Stroms auf KI entfallen.
Klimakosten in Milliardenhöhe
Die Folgen für die Umwelt sind gewaltig. Für 2025 schätzen die Analysten die CO2-Emissionen des Sektors auf 286 Millionen Tonnen. Das übertrifft frühere Erwartungen um 57 Prozent. Rund 70 Prozent der Emissionen entstehen beim laufenden Betrieb, 25 Prozent bei der Hardware-Herstellung.
Der daraus resultierende Klimaschaden? 68 Milliarden US-Dollar allein für dieses Jahr. Bis 2030 könnten die jährlichen Kosten auf 154 Milliarden US-Dollar steigen.
Neben dem Strombedarf rückt auch der Wasserverbrauch in den Fokus. Rechenzentren benötigen 2025 voraussichtlich 814 Milliarden Liter Kühlwasser. Bis 2030 könnte sich dieser Wert auf 1,8 Billionen Liter mehr als verdoppeln.
Energieversorger im Planungsdilemma
Parallel dazu verdoppeln sich die weltweit installierten Kapazitäten bis Ende des Jahrzehnts. Ermöglicht wird das durch globale Investitionen von 580 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025.
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Die Energieversorger stehen vor einem Problem: Rund 80 Prozent der Unternehmen rechnen mit volatileren Nachfragemustern. Zudem entpuppen sich 19 Prozent der angemeldeten Strombedarfe als Phantom-Anfragen – sie werden letztlich nie realisiert. Dennoch erwarten 68 Prozent der Versorger künftige Engpässe.
Europas grüne KI-Strategie
Die Klimabilanz hängt stark vom Standort ab. Während Rechenzentren in Norwegen und Schweden dank erneuerbarer Energien unter 30 Gramm CO2 pro Kilowattstunde ausstoßen, sind es in Deutschland 329 Gramm. In Indien sogar über 600 Gramm. Die deutschen Rechenzentren verursachen mit 8,4 Millionen Tonnen CO2 rund 1,2 Prozent der nationalen Emissionen.
Europa setzt verstärkt auf Green AI. Investoren wie Ardian mobilisieren Kapital für die nordische Infrastruktur. In Island, Finnland, Schweden und Norwegen fließen bis zu 1,2 Milliarden US-Dollar in die Verne-Plattform, die vollständig auf erneuerbare Energien setzt. Ein neuer Campus im finnischen Mäntsälä ist mit 70 Megawatt Kapazität geplant. In Frankreich plant Ardian zudem ein 500-Megawatt-Projekt in der Region Île-de-France, dessen erste Phase bis 2030 abgeschlossen sein soll.
Tech-Konzerne setzen auf Eigenversorgung
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Die großen Technologieunternehmen reagieren auf die drohende Stromverknappung. Amazon, Meta, Google und Microsoft zeichneten 2025 fast die Hälfte aller globalen Stromabnahmeverträge (PPAs) für saubere Energie.
Besonders die Kernkraft gewinnt an Bedeutung. Amazon sicherte sich langfristige Kapazitäten aus einem US-Atomkraftwerk und investiert hunderte Millionen in kleine modulare Reaktoren (SMRs). Microsoft schloss einen 20-Jahres-Vertrag zur Wiederinbetriebnahme eines Blocks am Standort Three Mile Island – geplanter Start: 2027. Meta setzt auf eine Kombination aus Gas und Kernkraft für sein 5-Gigawatt-Rechenzentrum in Louisiana.
