ROUNDUP, Merz

Merz geht auf GrĂŒne zu: Ja zu Klimaschutz und Ukraine-Hilfe

09.03.2025 - 18:10:56 | dpa.de

CDU-Chef Friedrich Merz wirbt um die UnterstĂŒtzung der GrĂŒnen fĂŒr die milliardenschweren SchuldenplĂ€ne einer möglichen schwarz-roten Regierung.

Am Tag nach der Einigung in Sondierungen mit der SPD nannte der Unions-Kanzlerkandidat als Kompromissangebote die Aufnahme von Klimaschutzprojekten in das geplante Sondervermögen sowie MilitĂ€rhilfe fĂŒr die Ukraine aus dem Verteidigungsetat. "Wir werden in der nĂ€chsten Woche umfassend mit den GrĂŒnen, mit der Fraktions- und Parteispitze sprechen", sagte Merz im Deutschlandfunk.

Unterdessen stimmten die ParteivorstĂ€nde von CSU und SPD schon der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zu. Am Montag will die CDU-FĂŒhrung entscheiden. Die Verhandlungen sollen dann voraussichtlich am kommenden Donnerstag beginnen.

Am Samstag hatten Union und SPD mit ihrer Einigung in den SondierungsgesprĂ€chen die erste große HĂŒrde auf dem Weg zu einer gemeinsamen Regierung genommen. Die wichtigen Finanzfragen sind geklĂ€rt, der Migrationskurs abgesteckt und die Reform des BĂŒrgergelds beschlossen. In den zentralen Finanzfragen hatten die UnterhĂ€ndler mit der Lockerung der Schuldenbremse fĂŒr Verteidigungsausgaben und einem gigantischen Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur bereits am Dienstag einen Durchbruch erzielt.

"Scheitern ist fĂŒr uns keine wirkliche Option"

Scharfe Kritik an den Sondierungsergebnissen kam von den GrĂŒnen, deren Zustimmung zu geplanten GrundgesetzĂ€nderungen bei Schuldenbremse und Sondervermögen erforderlich ist. Statt strukturelle Probleme zu lösen, wollten CDU/CSU und SPD wie schon in frĂŒheren schwarz-roten Regierungen alles mit Geld zuschĂŒtten, erklĂ€rte GrĂŒnen-Chefin Franziska Brantner. "Das ist Gift fĂŒr unser Land." Co-Parteichef Felix Banaszak betonte: "Von einer Zustimmung sind wir heute weiter entfernt als in den letzten Tagen."

Merz bekrĂ€ftigte aber seine Entschlossenheit, mit der SPD eine Regierung zu bilden. "Scheitern ist fĂŒr uns keine wirkliche Option", sagte er im Deutschlandfunk. Es gebe nur diese eine parlamentarische Mehrheit in der demokratischen Mitte des Bundestags.

"Wir sind geradezu verpflichtet, diese Regierungsbildung jetzt zu ermöglichen", sagte Merz. "Und deswegen schließen wir das auch im gegenseitigen Einvernehmen aus, dass diese Koalition, die wir planen, auf dem Weg dorthin noch einmal scheitern könnte."

Es knirscht noch auch bei Union und SPD

Das Sondierungspapier ist zunĂ€chst einmal die Grundlage fĂŒr nun anstehende Koalitionsverhandlungen und damit nur ein erster Schritt. Einige zentrale und hochstrittige Punkte sind bisher offen: darunter Sparmöglichkeiten in den Staatsausgaben, das hochumstrittene Heizungsgesetz der Ampel-Koalition, eine europĂ€ische Abschreckung mit Atomwaffen und eine europĂ€ische Friedenstruppe fĂŒr die Ukraine. Auf beiden Seiten rĂŒhren sich bereits Kritiker, die die eigene Spitze drĂ€ngen, noch ZugestĂ€ndnisse herauszuholen.

Die SPD-Linke fordert Nachbesserungen in der Migrations- und Sozialpolitik. Das Sondierungspapier sei als Grundlage fĂŒr die Koalitionsverhandlungen nur ein erster Schritt, sagte der Sprecher der Parlamentarischen Linken der SPD-Bundestagsfraktion, Tim KlĂŒssendorf, der "Rheinischen Post" und dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Einige Vereinbarungen seien problematisch, besonders beim BĂŒrgergeld und in der Migrationspolitik.

Die Junge Union wiederum vermisst "echte Strukturreformen". In der "Bild"-Zeitung bemĂ€ngelte JU-Chef Johannes Winkel zudem, dass die Verhandler das Thema Wehrpflicht ausgespart haben. "Die Wehrpflicht wird kommen mĂŒssen, ob man das politisch schön findet oder nicht", sagte der Vorsitzende der Nachwuchsorganisation. Er forderte eine gerechtere Lastenverteilung zwischen den Generationen. Deshalb mĂŒsse man "ĂŒber die Finanzierung der AufrĂŒstung noch einmal diskutieren".

Der ehemalige CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer warf der Union wegen des geplanten riesigen Schuldenpakets Wortbruch vor. Das sei "das Gegenteil dessen, was wir vor der Wahl gesagt haben", sagte Seehofer der "Bild am Sonntag". "Offenbar mussten SPD und GrĂŒne die Wahl verlieren, um am Ende das zu bekommen, was sie schon immer haben wollten."

Einigung bis Ostern?

Merz strebt einen Abschluss bis Ostern an. Die SPD hat sich zu ZeitplĂ€nen bisher nicht konkret geĂ€ußert. Der Blick richtet sich nun zunĂ€chst auf die GrĂŒnen, die fĂŒr die notwendige GrundgesetzĂ€nderung durch den alten Bundestag zwingend gebraucht werden. Das neue Parlament konstituiert sich am 25. MĂ€rz.

Wenn die GrĂŒnen nicht ĂŒberzeugt werden, ist die Grundlage fĂŒr die Koalitionsverhandlungen hinĂŒber, bevor diese richtig begonnen haben. Denn im neuen Bundestag brĂ€uchte man fĂŒr eine Zwei-Drittel-Mehrheit AfD (Zusammenarbeit ausgeschlossen) oder Linke (Zusammenarbeit extrem schwierig).

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