Deutschland nicht mehr Asyl-Spitzenreiter in Europa
07.04.2025 - 14:39:44Nach der in NĂŒrnberg veröffentlichten Statistik des Bundesamts fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf) lagen bei der Gesamtzahl der AntrĂ€ge Frankreich mit 13.080 und Spanien mit 12.975 vor Deutschland mit 12.775. Zum Vergleich: In der Summe des gesamten Jahres 2024 lag Deutschland mit 250.615 AntrĂ€gen noch deutlich an der Spitze vor Spanien mit 166.175 und Italien mit 158.605.
Niedrigste MĂ€rz-Zahl seit drei Jahren
Ein internationaler Vergleich fĂŒr den MĂ€rz liegt bisher nicht vor. In Deutschland ging die Zahl der AsylantrĂ€ge aber weiter zurĂŒck, auf 10.647 - davon 8.983 ErstantrĂ€ge. Das sind 19,7 Prozent weniger als im Februar und 45,3 Prozent weniger als im MĂ€rz 2024. Es handelt sich um die niedrigste MĂ€rz-Zahl seit 2022. Das liegt vor allem an einem klaren RĂŒckgang von AsylantrĂ€gen von Menschen aus den drei Haupt-HerkunftslĂ€ndern Syrien, Afghanistan und der TĂŒrkei.
Im gesamten ersten Quartal 2025 waren 41.123 AsylantrĂ€ge eingegangen, davon 36.136 ErstantrĂ€ge. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es mit 71.061 AntrĂ€gen - davon 65.419 ErstantrĂ€ge - noch deutlich mehr. Die Zahl der ErstantrĂ€ge aus dem langjĂ€hrigen BĂŒrgerkriegsland Syrien hat sich im ersten Quartal halbiert: von 19.687 im Vorjahr auf 9.861. Bei ErstantrĂ€gen aus der TĂŒrkei gab es sogar ein Minus von 61,2 Prozent auf nur noch 3.755. Die Zahl der ErstantrĂ€ge aus Afghanistan verringerte sich um 42,5 Prozent auf 5.616.
Faeser: IrregulĂ€re Migration deutlich zurĂŒckgedrĂ€ngt
Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) betonte, die irregulĂ€re Migration nach Europa sei deutlich zurĂŒckgedrĂ€ngt worden "durch ein starkes BĂŒndel an MaĂnahmen, durch eigenes deutsches Handeln und enge europĂ€ische Kooperation". Nun mĂŒsse das neue europĂ€ische Asylsystem (GEAS) durchgesetzt werden, "damit wir auch die EU-AuĂengrenzen besser schĂŒtzen und dauerhaft zu einer fairen Verteilung von GeflĂŒchteten in der EU kommen".
Grund fĂŒr den jĂŒngsten RĂŒckgang der Zahl der AsylantrĂ€ge sind nach den Worten von Bamf-PrĂ€sident Hans-Eckhard Sommer jedoch vor allem MaĂnahmen Serbiens an der Grenze zu Ungarn gewesen. Sommer hatte Ende MĂ€rz in einem als persönliche Meinung deklarierten Vortrag gesagt, es sei falsch, am individuellen Asylrecht festzuhalten und auf positive Effekte der beschlossenen GEAS-Reform zu hoffen. Sinnvoller seien humanitĂ€re Aufnahmen "in beachtlicher Höhe", etwa je nach IntegrationsfĂ€higkeit des Arbeitsmarkts.
Schutzquote derzeit wenig aussagekrÀftig
In nur noch 18,5 Prozent der FÀlle erhielten die Antragsteller einen Schutzstatus. Diese Quote - im Gesamtjahr 2024 lag sie noch bei 44,4 Prozent - ist allerdings derzeit nicht aussagekrÀftig, weil wegen der unklaren politischen Situation in Syrien ein Entscheidungsstopp verhÀngt wurde. Asylverfahren von Menschen aus Syrien werden bis auf weiteres nur in Ausnahmen entschieden. Wann der Entscheidungsstopp aufgehoben wird, ist derzeit unklar. Ende MÀrz waren insgesamt noch 180.597 Asylverfahren anhÀngig, 7,5 Prozent weniger als Ende Februar.
Weiter wenig Dublin-Ăberstellungen
Das umstrittene Dublin-Verfahren zur Verteilung der Asylsuchenden innerhalb Europas funktioniert aus deutscher Sicht weiterhin nicht optimal. Deutschland stellte nach der Dublin-Regelung von Januar bis MĂ€rz insgesamt 13.223 Ăbernahmeersuchen an EU-LĂ€nder, in deren Gebiet der betreffende Asylsuchende erstmals einen Antrag gestellt hatte. In 8.929 FĂ€llen stimmten die betreffenden EU-LĂ€nder zu. Doch in nur 1.715 FĂ€llen kam es der Statistik des Bundesamts zufolge tatsĂ€chlich zur Ăberstellung.

