Deutschland, Berlin

Technik-Show IFA 2023 setzt auf GrĂŒn

30.08.2023 - 15:13:52

Ein jĂ€hrliches Feuerwerk an Neuheiten - damit könnte nach EinschĂ€tzung eines Experten in der Unterhaltungselektronik bald Schluss sein. KĂŒnftigt werde die Haltbarkeit der GerĂ€te im Vordergrund stehen.

Die Branche fĂŒr Unterhaltungselektronik und Haushaltstechnik rechnet nach einem Umsatzeinbruch im vergangenen Jahr wieder mit besseren GeschĂ€ften. Die Unternehmen, die auf der Elektronikmesse IFA vertreten sind, setzen bei der Wende vermehrt auf umweltfreundliche Lösungen und GerĂ€te, die deutlich lĂ€nger genutzt werden können als heute.

LĂ€ngere Lebenszyklen

Der Trend zur Nachhaltigkeit gehe auch auf europĂ€ische Vorgaben fĂŒr austauschbare Batterien und besser reparierbare GerĂ€te zurĂŒck, sagte der Chef des Verbraucheraudio-GeschĂ€fts des Elektronik-Konzerns Harman, Carsten Olesen, der Deutschen Presse-Agentur. «Auf lange Sicht werden die Lebenszyklen der Produkte viel lĂ€nger sein als heute.» Die Industrie werde einen Weg finden mĂŒssen, die GerĂ€te mit Upgrade-Paketen aufzufrischen. Das setze auch ein modulares Design der Technik voraus, bei dem einzelne Teile einfach ausgetauscht werden könnten. Die Software kann bei heutiger vernetzter Elektronik ohnehin per Internet aktualisiert werden.

Die IFA, die am Freitag (1. September) ihre Tore fĂŒr Besucher öffnet, hat auf dem MessegelĂ€nde einen zentralen Platz fĂŒr dieses Mega-Thema eingerichtet. Im «Sustainability Village» dreht sich alles um grĂŒne Innovationen und neue Nachhaltigkeitslösungen. Auch im vernetzten Zuhause steht das Thema Nachhachhaltigkeit im Vordergrund: Die BranchenverbĂ€nde VDE, ZVEH und ZVEI zeigen im «House of Smart Living», wie sich Energie mit Hilfe von GebĂ€udeautomation einsparen lĂ€sst und welchen Beitrag Elektrifizierung, Digitalisierung und moderne GebĂ€udetechnik zur klimaneutralen Zukunft leisten können.

Nachhaltigkeit als Kaufkriterium

Wie sehr Nachhaltigkeit ein Kauf-Kriterium geworden ist, zeigt eine Studie des Marktforschers GfK: Danach ist Energieeffizienz in einigen Segmenten sogar kaufentscheidend: Das gilt etwa fĂŒr 64 Prozent der KĂŒhlschrankkĂ€ufer. Zugleich seien Lebensdauer, Reparierbarkeit und Garantie wichtige Faktoren, die Konsumenten ansprechen. Diese zu erschwinglichen Preisen anzubieten, könne eine entscheidende Erfolgsstrategie fĂŒr die Zukunft werden, teilte die GfK mit.

PĂŒnktlich zum Start der IFA fĂŒhrte der niederlĂ€ndische Smartphone-Hersteller Fairphone vor, wie Nachhaltigkeit konkret aussehen kann. Das neue Fairphone 5 ist komplett modular aufgebaut. Damit lĂ€sst sich nicht nur der Akku ohne jegliches Werkzeug austauschen, sondern auch zehn weitere Ersatzteile lassen sich wechseln. Dabei sind beispielsweise die Weitwinkel- als auch die Ultraweitwinkelkamera als einzelne Module erhĂ€ltlich.

Gleichzeitig hat der Hersteller die Alltagstauglichkeit verbessert. Das GerĂ€t ist zwar nicht komplett staub- und wasserdicht wie Smartphones von Apple, Samsung & Co., ĂŒbersteht aber einen Regenschauer unterwegs oder anderes Spritzwasser (Schutzklasse IP55). Auch bei der Software setzen die NiederlĂ€nder auf Nachhaltigkeit. Fairphone garantiert mindestens fĂŒnf Betriebssystem-Upgrades nach Android 13, so dass das Fairphone 5 bis mindestens 2031 abgesichert ist. Auf die Hardware gewĂ€hrt Fairphone eine 5-Jahres-Garantie.

Das Beispiel Fairphone 5 zeigt allerdings auch die Kehrseite der Medaille. Das Unternehmen lĂ€sst sich die Verbesserungen gegenĂŒber den VorgĂ€ngermodellen gut bezahlen. Das neue Modell kostet jetzt knapp 700 Euro, 120 Euro mehr als das Fairphone 4. Damit setzt Fairphone auf den Trend, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sich seltener ein neues Smartphone anschaffen, dann aber bereit sind, mehr Geld fĂŒr das neue GerĂ€t auszugeben. Bei anderen Herstellern von SpitzengerĂ€ten mit schnelleren Chips und besseren Kameras wie Apple oder Samsung liegen die Preise sogar hĂ€ufig ĂŒber der 1000-Euro-Schwelle.

Mehr Aussteller als 2022

Dabei kann die Branche nicht darauf setzen, dass Kunden den finanziellen Spielraum haben, sich teure Gadgets anzuschaffen. «Auch 2023 ist ein Jahr voller Herausforderungen wie Inflation, gesĂ€ttigte MĂ€rkte, geringere Nachfrage und leider auch immer noch der Krieg in der Ukraine», sagte die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des IFA-Veranstalters gfu Consumer & Home Electronics, Sara Warnecke. Zum Auftakt der Technik-Show sagte sie, es gebe dennoch Chancen fĂŒr positive Entwicklungen - trotz der aktuellen UmsatzrĂŒckgĂ€nge und der negativen EinflĂŒsse. «Wir sind ĂŒberzeugt, dass die IFA ihrer Rolle als weltweit wichtigste Plattform fĂŒr Consumer Electronics und Home Appliances wieder gerecht wird und sich mit ihrem ĂŒberzeugenden Mix erneut als nachhaltiger Wachstums- und Innovationstreiber beweisen wird.»

FĂŒr die Messe selbst geht zumindest in diesem Jahr das Konzept auf. Die IFA Berlin, Europas grĂ¶ĂŸte Messe fĂŒr Unterhaltungselektronik und Haushaltstechnik, geht mit deutlich mehr Ausstellern an den Start als 2022. Die Messe ist nach Angaben der gfu dieses Jahr ausgebucht.

@ dpa.de

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