Generationswechsel: 186.000 Betriebe suchen bis 2030 Nachfolger
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 03:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Studie von HRlab zeigt: Der demografische „Stresstest“ trifft die Regionen höchst unterschiedlich – und bringt den Mittelstand in Bedrängnis.
Ostdeutschland besonders betroffen
Die Personallücke klafft vor allem in ostdeutschen Landkreisen. Im Landkreis Spree-Neiße kommen auf 100 Berufseinsteiger 292 Beschäftigte über 60 Jahren. Im Elbe-Elster-Kreis liegt das Verhältnis bei 250 zu 100, in Stendal bei 245 zu 100.
Deutlich entspannter ist die Lage in Cloppenburg (114), Ingolstadt (115) und Herne (117). Dort halten sich abgehende und nachrückende Generationen noch die Waage.
Doch der Druck bleibt bundesweit hoch. Rund 3,5 Millionen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. 2024 erwirtschafteten sie rund 2,8 Billionen Euro Umsatz und stellten 55 Prozent aller Arbeitsplätze.
186.000 Betriebe suchen einen Nachfolger
Parallel zum Fachkräftemangel verschärft sich das Problem der Unternehmensnachfolge. Das IfM Bonn prognostiziert: Bis 2030 stehen rund 186.000 Betriebe zur Übergabe an. KfW Research rechnet mit jährlich etwa 109.000 notwendigen Nachfolgeregelungen bis Ende 2029.
Die Suche nach Übernehmern gestaltet sich schwierig. 2024 fanden rund 5.620 beratene Betriebe keinen Interessenten. 27 Prozent der Inhaber erwogen daraufhin die komplette Betriebsaufgabe.
Praxisbeispiele aus Hessen zeigen die Notlage: Ein Heizungs- und Sanitärbetrieb in Eichenzell sucht seit fünf Jahren vergeblich einen Nachfolger – die Schließung droht. Eine Gärtnerei in Lauterbach sieht für die kommenden zehn Jahre keine Fortführungsperspektive. Erfolgreiche Übernahmen wie die eines Weindepots in Schlüchtern Anfang 2024 bleiben die Ausnahme.
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Nur jedes dritte Unternehmen hat ein Risikomanagement
Der Mittelstand kämpft nicht nur mit der Demografie, sondern auch mit internen Defiziten. Das SMK Risikobarometer 2026 zeigt: Nur ein Drittel der knapp 200 befragten Entscheider verfügt über ein strukturiertes Risikomanagement. Fast jeder zweite Betrieb hat die Nachfolge noch nicht geregelt.
Auch bei der Digitalisierung hakt es: 42 Prozent nutzen weder Künstliche Intelligenz noch Cloud-Lösungen. Nur 4,5 Prozent haben diese Technologien strategisch integriert.
Unternehmervertreter kritisieren zudem die politischen Rahmenbedingungen. Frank Ferchau, Chairman der Ferchau Group, mahnte: Investoren machten wegen Überregulierung und strenger Arbeitszeitvorschriften einen Bogen um Deutschland. Er fordert eine zügige Umsetzung von Reformpaketen.
Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau warnt vor steigenden Lohnnebenkosten durch das geplante Reformpaket der Bundesregierung, das unter anderem eine Verteuerung von Minijobs vorsieht.
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Ältere Arbeitnehmer werden aussortiert
In der Debatte um Fachkräftesicherung rücken auch ältere Arbeitnehmer in den Fokus. Ingo Kempf, Präsident des Bundesverbands der Personalmanager, kritisiert: Viele Firmen sortieren Bewerber ab 60 Jahren trotz der geplanten „Aktivrente“ weiterhin aus. Altersdiskriminierung dürfe am Arbeitsmarkt keinen Platz haben.
In Bielefeld demonstrierten am 8. Juli rund 450 Menschen für bessere Arbeitsbedingungen und soziale Sicherheit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert den Erhalt des Acht-Stunden-Tages und auskömmliche Renten.
Am heutigen Donnerstag thematisiert eine Fachveranstaltung in Bielefeld digitale Organisationsmodelle und Führung im Generationswechsel – als Antwort auf den strukturellen Wandel.
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