Hitze am Arbeitsplatz: 90.000 Krankheitstage jährlich – neue Regeln ab 26°C
05.07.2026 - 16:09:29 | boerse-global.de
Arbeitgeber in der Pflicht
Die Arbeitsstättenverordnung gibt klare Grenzen vor: Ab 26 Grad Raumtemperatur müssen Arbeitgeber erste Schutzmaßnahmen ergreifen. Bei über 30 Grad werden wirksame Vorkehrungen zur Pflicht. Überschreitet die Temperatur 35 Grad, dürfen Räume ohne spezielle Schutzausrüstung wie Luftduschen oder Hitzeschutzkleidung nicht mehr genutzt werden.
Die Linke fordert zudem ein Klima-Kurzarbeitergeld. Damit sollen Betriebe bei extremen Wetterlagen finanziell abgesichert werden – ein Signal, dass Hitzeschutz künftig höhere Priorität bekommt.
Neue Regeln fĂĽr Krankschreibungen
Die Koalition unter Kanzler Merz plant weitreichende Änderungen: Ab dem 2. Juli 2026 soll die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag Pflicht werden. Auch die telefonische Krankschreibung steht auf der Kippe.
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Krankenkassen wie DAK und AOK warnen vor einer Überlastung der Arztpraxen. Das Ansteckungsrisiko könnte steigen – und hitzebedingte Erschöpfungszustände würden dann anders behandelt als bisher.
UV-Schutz: Europa ist Vorreiter
Während Hitzschlag akut gefährdet, sind UV-Strahlen die langfristige Gefahr. Das Hautkrebszentrum des UKSH in Kiel versorgt jährlich rund 3.700 Patienten – mit über 300 neuen Melanom-Fällen pro Jahr. Prof. Kähler betont: Kleidung bietet den besten Schutz.
Bei chemischen UV-Filtern holen die USA jetzt auf. Die FDA plant für August 2026 die Zulassung von Bemotrizinol – ein Filter, der in Europa seit 25 Jahren Standard ist. Der Grund für die Verzögerung: In den USA gelten Sonnenschutzmittel als Arzneimittel, in der EU als Kosmetika. Der 2025 verabschiedete SAFE Sunscreen Act beschleunigt nun die Zulassung moderner Filter.
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Medikamente und Hitze: Gefährliche Wechselwirkungen
Das Robert Koch-Institut warnt vor einem oft unterschätzten Risiko: Viele Arzneimittel entfalten bei Hitze eine verstärkte oder veränderte Wirkung. Betroffen sind:
- Blutdrucksenker und Diuretika
- Diabetes-Medikamente und Antiepileptika
- Bestimmte Schmerzmittel (NSAR und Opioide)
Die Einnahme erhöht das Risiko für Kreislaufprobleme, Dehydratation und Nierenschäden. Unternehmen müssen solche Faktoren künftig in ihre Gefährdungsbeurteilung einbeziehen.
