Hitze am Arbeitsplatz: Produktivität fällt 3% pro Grad über 30°C
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 17:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle Analyse des Forschungsinstituts Prognos. An Tagen mit über 35 Grad Celsius belaufe sich der tägliche Schaden auf etwa 948 Millionen Euro.
Besonders betroffen: das verarbeitende Gewerbe mit Einbußen von 1,9 Milliarden Euro. Auch das Gesundheitswesen, der Handel und die Baubranche leiden massiv unter den Temperaturextremen.
Bis zu vier Hitzewellen pro Jahr
Die ökonomischen Folgen beschränken sich nicht auf kurzfristige Schwankungen. Experten prognostizieren für die Zukunft bis zu vier solcher Hitzeperioden pro Jahr. Das könnte die jährlichen Gesamtschäden auf über 20 Milliarden Euro treiben.
Auch auf europäischer Ebene sind die Auswirkungen spürbar. Analysen der Europäischen Zentralbank (EZB) und eine Studie der Allianz aus dem Jahr 2026 zeigen: In Hitzejahren geht das europäische Bruttoinlandsprodukt um 0,3 bis 0,5 Prozent zurück. Die EZB identifizierte Bergbau, Fertigung und die Pharmaindustrie als besonders hitzeanfällig.
In anderen Weltregionen sind die Folgen noch drastischer. Eine NYU-Studie vom Juni 2026 belegt für die indische Bekleidungsindustrie Produktivitätsverluste von bis zu 10 Prozent. 87 Prozent der Beschäftigten gaben dort an, unter hitzebedingten Erkrankungen gelitten zu haben.
Ab 27 Grad sinkt die Leistung
Die biologischen Grenzen der menschlichen Arbeitsleistung bei Hitze sind gut dokumentiert. Laut der Allianz-Studie sinkt die kognitive Leistung bereits ab 27 bis 28 Grad Celsius. Überschreitet die Temperatur 30 Grad, verringert jedes weitere Grad die stündliche Produktivität um etwa 3 Prozent.
Im Büroumfeld liegt die optimale Arbeitstemperatur zwischen 20 und 24 Grad. Bei höheren Werten nehmen Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Antriebslosigkeit zu. Besonders komplexe Gedächtnisaufgaben werden dann zur Herausforderung. Verstärkt wird der Effekt durch Schlafmangel in tropischen Nächten.
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Ein lokaler Rekordwert in Berlin erreichte 2026 bereits 39,9 Grad Celsius. Die Zahl der Hitzetage hat im Vergleich zu früheren Jahrzehnten deutlich zugenommen.
Höhere Unfallgefahr bei 30 Grad
Neben sinkender Effizienz steigt bei hohen Temperaturen die Gefahr von Arbeitsunfällen. Daten der Schweizer Unfallversicherung Suva zeigen: Ab 30 Grad steigt das Unfallrisiko um 7 Prozent. Besonders exponiert sind Arbeitskräfte im Baugewerbe und in der Landwirtschaft.
Die IG BAU weist auf die gesundheitlichen Risiken durch direkte Sonneneinstrahlung hin. Sie empfiehlt die WSS-Regel: Wasser, Sonnencreme, Schatten. Bei schwerer körperlicher Arbeit sollten Beschäftigte drei bis fünf Liter täglich trinken – alle 15 bis 20 Minuten. Arbeitszeiten lassen sich in die kühleren Morgenstunden verlegen, Schutzkleidung mit Nackenschutz hilft zusätzlich.
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Unternehmen reagieren mit kürzeren Arbeitstagen
Ein Gebäudeunterhaltsunternehmen aus dem schweizerischen Allschwil hat kürzlich eine ungewöhnliche Regelung eingeführt: Bei über 30 Grad wird der Arbeitstag von 8,4 auf 6 Stunden verkürzt – bei vollem Lohnausgleich. Laut Geschäftsleitung entstanden dadurch keine wirtschaftlichen Einbußen. In dieser Zeit werden nur dringende Aufträge bearbeitet.
In der internationalen Textilproduktion investieren erste Hersteller wie die Epic Group in Indien in gekühlte Fabrikanlagen. Berliner Wohnungsunternehmen setzen baulich verstärkt auf Verschattung und Dämmung statt auf technische Klimatisierung.
Politisch fordert der österreichische Vizekanzler und Wohnminister Babler Erleichterungen für Mieter und Eigentümer beim Einbau von Hitzeschutzmaßnahmen. Ein nationaler Hitzeschutzplan sowie Investitionen in den Schutz vor Naturgefahren sollen die langfristige Resilienz stärken. Ein gesetzlicher Anspruch auf „Hitzefrei“ besteht in den meisten betroffenen Ländern jedoch nicht.
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