Hitzewelle, Milliarden

Hitzewelle kostet Wirtschaft 6,3 Milliarden Euro – DGB fordert Ausfallgeld

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 15:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Hitzewelle kostet die deutsche Wirtschaft laut Prognos 6,3 Milliarden Euro. DGB-Chefin Fahimi fordert ein gesetzliches Hitze-Ausfallgeld für Beschäftigte.

Hitzewelle 2026: Milliardenschäden und Forderung nach Ausfallgeld
Ein Thermometer zeigt hohe Temperaturen an, mit Hitzewellen, die den Hintergrund verzerren. Im Hintergrund eine Fabrik oder Baustelle. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

DGB-Chefin Yasmin Fahimi fordert ein gesetzliches Hitze-Ausfallgeld für Arbeitnehmer. Der Vorstoß kommt am Tag der Veröffentlichung neuer Daten: Die Hitzewelle Ende Juni 2026 hat die deutsche Wirtschaft laut Prognos-Institut mindestens 6,3 Milliarden Euro gekostet.

Produktivität bricht bei Hitze ein

97 Prozent der Schäden entstehen durch Produktivitätsverluste. Das verarbeitende Gewerbe verbuchte mit 1,9 Milliarden Euro die höchsten Einbußen. Es folgen das Gesundheitswesen (662 Millionen Euro), der Handel (580 Millionen Euro) und das Baugewerbe (460 Millionen Euro).

Allianz Trade zeigt den Temperatur-Kipppunkt: Ab 27 bis 28 Grad sinkt die Effizienz. Bei 30 Grad kostet jedes weitere Grad drei Prozent Produktivität. An Tagen über 35 Grad liegen die Kosten bei rund 948 Millionen Euro pro Tag. Das Wuppertal Institut spricht von einem ernsthaften Warnsignal.

Jeder dritte Beschäftigte leidet

Eine DGB-Umfrage unter 4.000 Beschäftigten belegt die Belastung. Mehr als jeder Dritte fühlt sich durch Hitze am Arbeitsplatz stark beeinträchtigt. Unter Zeitdruck steigt die Quote auf 48 Prozent – ohne Zeitdruck liegt sie bei 23 Prozent.

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Fahimi fordert ein Ausfallgeld analog zum Saison-Kurzarbeitergeld im Baugewerbe. Der DGB verlangt zudem bessere Schutzmaßnahmen: konsequente Verschattung, kostenlose Getränke und lockere Kleiderordnung. Die IG Bau unterstützt die Forderungen und mahnt seit Langem eine finanzielle Absicherung bei Hitzeausfällen an.

WSS-Regel fĂĽr AuĂźenarbeiter

Die IG BAU empfiehlt die WSS-Regel: Wasser, Sonnencreme, Schatten. Arbeitgeber sollen eine „Getränke-Flatrate" bereitstellen – bei schwerer körperlicher Arbeit sind drei bis fünf Liter Wasser täglich nötig. Nötig sei zudem Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50 und Nachcremen alle zwei Stunden.

Einige Firmen handeln bereits eigenständig. Ein Basler Betrieb reduzierte die Arbeitszeit bei Temperaturen über 30 Grad auf sechs Stunden bei vollem Lohn. Das hat auch Sicherheitsgründe: Die Unfallversicherung Suva verzeichnet ab 30 Grad ein um sieben Prozent höheres Unfallrisiko. In Niedersachsen rufen Gewerkschaften dazu auf, Arbeitszeiten in die kühleren Morgen- und Abendstunden zu verlegen.

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Arbeitszeit-Reform in Sicht

Bundeskanzler Merz stellte für Herbst 2026 einen Gesetzentwurf zur Arbeitszeit-Reform in Aussicht. Ziel ist die Umstellung von täglicher auf wöchentliche Höchstarbeitszeit. Arbeitgeberverbände wie die Dehoga begrüßen die Flexibilisierung, der DGB lehnt eine Ausweitung der täglichen Arbeitszeit ab.

Die Behörden verschärfen parallel die Kontrollen. In Südtirol meldete Arbeitslandesrätin Magdalena Amhof verstärkte Baustellen-Kontrollen seit Sommerbeginn. In Berlin wurden diesen Sommer bereits neun Hitzetage registriert – in den 1950er-Jahren waren es im Schnitt weniger als fünf pro Jahr.

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