Insolvenzen, Firmenpleiten

Insolvenzen: 4.996 Firmenpleiten im Q2 2026 – Rekord seit 2005

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 06:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de

IW-Umfrage zeigt weniger Firmen ohne Investitionen, doch Kosten und Bürokratie bremsen. Insolvenzen erreichen Höchststand seit 2005.

Deutsche Wirtschaft: Investitionen erholen sich leicht, Probleme bleiben
Eine Gruppe von Geschäftsleuten betrachtet komplexe Finanzdiagramme, die auf eine Glaswand projiziert werden, mit nachdenklichen Ausdrücken. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Anzeichen einer leichten Erholung bei den Investitionen – doch strukturelle Probleme bleiben bestehen. Eine aktuelle IW-Umfrage verzeichnet zwar weniger Unternehmen, die ganz auf Investitionen verzichten, aber die Lage bleibt angespannt.

Rund 19 Prozent der befragten Betriebe investieren derzeit gar nicht. Die Tendenz ist positiv: Immer weniger Firmen setzen komplett aus. Dennoch sprechen Experten von der längsten Investitionsschwäche der jüngeren Geschichte.

Von den investitionswilligen Unternehmen konzentrieren sich 67 Prozent ausschließlich auf den Heimatmarkt. Großkonzerne blicken dagegen verstärkt ins Ausland: Rund 13 Prozent dieser Gruppe investieren vorwiegend außerhalb Deutschlands.

Hohe Kosten bremsen die Wirtschaft

Die größten Hindernisse liegen in den Standortbedingungen. 77 Prozent der Unternehmen nennen hohe Arbeitskosten als Haupthindernis. Es folgen Regulierung (69 Prozent), das Steuersystem (66 Prozent) und Energiekosten (65 Prozent).

Die Stimmung unter Finanzvorständen ist entsprechend gedrückt. Ein aktueller CFO Survey zeigt: 68 Prozent der befragten Finanzchefs setzen auf Kostensenkungen, nur 48 Prozent priorisieren Innovationen. Die Geschäftsaussichten werden so pessimistisch bewertet wie seit Herbst 2023 nicht mehr. 44 Prozent erwarten eine weitere Verschlechterung innerhalb der nächsten drei Monate.

Förderstopp sorgt für Unmut

Das Bundeswirtschaftsministerium hat das Förderprogramm „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM) zum 7. Juli 2026 eingestellt. Wirtschaftsverbände wie BDI und DIHK reagierten scharf. Der BDI-Hauptgeschäftsführer sprach von einem falschen Signal an den innovationsstarken Mittelstand. Das Programm war für seine Technologieoffenheit und unbürokratische Handhabung geschätzt.

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Auch das jüngste Reformpaket der Bundesregierung stößt auf Kritik. Der BDI erklärte am 10. Juli, die Maßnahmen zeigten zwar Reformwillen, reichten aber nicht für einen spürbaren Wachstumsimpuls. Gefordert werden steuerliche Entlastungen und die Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Positiv bewertet wurde die Neuregelung zur Krankschreibung ab dem ersten Tag.

Insolvenzwelle erreicht neuen Höchststand

Die wirtschaftliche Anspannung zeigt sich in den Insolvenzzahlen. Das IWH Halle registrierte für das zweite Quartal 2026 genau 4.996 Firmenpleiten – der höchste Stand seit dem zweiten Quartal 2005. Allein im Juni stiegen die Zahlen um 12 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 beträgt der Anstieg 80 Prozent.

Besonders betroffen sind Bau, Immobilien, Handel und Gastgewerbe. Rund 45.500 Arbeitsplätze waren im Berichtsquartal von Insolvenzen betroffen.

Die Monopolkommission mahnt in einem aktuellen Bericht einen Kurswechsel an. Der Wertschöpfungsanteil der 100 größten Industrieunternehmen sank von 57 Prozent (2008) auf 40 Prozent (2024). Gefordert werden niedrigere Energiekosten, Entbürokratisierung und mehr Grundlagenforschung.

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Digitalwirtschaft als Hoffnungsträger

Trotz der Schwächephase zeigt sich die Digitalwirtschaft robust. Der Bitkom prognosticierte für 2026 ein Wachstum des ITK-Marktes um 4,1 Prozent auf 246,4 Milliarden Euro. Besonders dynamisch: Software-Lösungen (plus 9,9 Prozent) und Cloud-Anwendungen (plus 21,9 Prozent).

Auch Künstliche Intelligenz gewinnt an Boden. Laut einer IW-Consult-Studie nutzen inzwischen 40 Prozent der deutschen Unternehmen KI – ein Plus von 118 Prozent seit 2024. Die Monopolkommission mahnt dennoch zur Eile. Deutschland liegt im internationalen Vergleich zurück. In den USA setzen bereits 78 Prozent der Unternehmen auf KI, in Deutschland sind es über alle Größen hinweg 65 Prozent. Der Mittelstand hinkt mit 40 Prozent deutlich hinterher. Als Gründe nennen die Unternehmen fehlende Kapazitäten, Datenschutzbedenken und mangelndes Verständnis für die Technologie.

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