Deutschland, Rheinland-Pfalz

Neustart nach Krise: Rennrad-Bauer Canyon setzt auf E-Bikes

27.06.2026 - 04:00:20 | dpa.de

Jobabbau, Preiskampf, sinkender Umsatz: Canyon hat schwere Zeiten hinter sich. Nun setzt der Hersteller, der SportrÀder baut und Top-Athleten sponsert, auf E-Bikes. Gelingt so der Weg aus der Flaute?

Canyon ist mit SportrĂ€dern groß geworden, nun investiert der Koblenzer Hersteller in E-Bikes. (Archivbild) - Bild: Marco Freudenreich/Canyon/dpa
Canyon ist mit SportrĂ€dern groß geworden, nun investiert der Koblenzer Hersteller in E-Bikes. (Archivbild) - Bild: Marco Freudenreich/Canyon/dpa

Mit E-Bikes und Innovationen fĂŒr mehr Sicherheit will der Fahrradhersteller Canyon nach schwierigen Jahren raus aus der Krise. Zur Branchenmesse Eurobike in Frankfurt verkĂŒndete das Unternehmen die Eröffnung eines E-Bike-Zentrums am Koblenzer Hauptsitz.

In dem Neubau sollen Kunden auf 1.200 Quadratmetern die komplette E-Bike-Palette testen, vergleichen und kaufen können. Es handle sich um den ersten Standort, der ausschließlich auf Elektro-RĂ€der setze.

«Vor 15 Jahren haben wir E-Bikes abgelehnt als zu schwer und unausgereift», sagte FirmengrĂŒnder Roman Arnold der Deutschen Presse-Agentur. Nun baue man seit sieben Jahren E-Mountainbikes. Nicht nur im Alltag, auch bei SportrĂ€dern seien E-Bikes lĂ€ngst etabliert. So seien mittlerweile mehr als die HĂ€lfte der verkauften Mountainbikes bei Canyon elektrisch. Bei RennrĂ€dern stehe das Thema «erst am Anfang», der Markt werde aber wachsen.

Widerspruch zur Marke?

Einen Widerspruch zum Markenkern der Rennrad-Schmiede, die die Tour-de-France-Teams Movistar und Alpecin-Premier Tech sponsert, sieht Arnold nicht. Auch bei E-Bikes setze Canyon auf leichte und schnelle RĂ€der. Elektro-RĂ€der seien lĂ€ngst nicht mehr nur etwas fĂŒr alte Leute, sagt Arnold. 

Zugleich will Canyon mit integrierten Warnsystemen im Lenker und vernetzten Helmen punkten, die Radfahrer vor Gefahren warnen sollen. «Mangelnde Sicherheit im Verkehr ist eine Sorge, die viele Kunden vom Radfahren abhÀlt», sagte Arnold. Sicherheitssysteme wie Canyon Predict, die Radfahrer per Vibration vor Gefahren durch Autos warnen, könnten in wenigen Jahren serienreif sein.

Harter Preiskampf

Canyon ist mit SportrĂ€dern groß geworden und sponsert unter anderem Radstar Mathieu van der Poel und die Ironman-Athleten Laura Philipp und Patrick Lange. Doch die Firma, der im Wettbewerb mit Herstellern wie Rose und Cube steht, spĂŒrt wie viele Hersteller die SpĂ€tfolgen des Corona-Booms. 

2025 sank der Umsatz mit FahrrĂ€dern in Deutschland laut Branchenverband ZIV um acht Prozent auf 5,85 Milliarden Euro. Sogar der Verkauf von E-Bikes, der ĂŒber 80 Prozent der UmsĂ€tze in der Radbranche bringt, schrumpfte. Am GeschĂ€ft mit E-Bikes kommt lĂ€ngst kein Hersteller mehr vorbei. Bei Canyon reichen die Preise von unter 3.000 Euro fĂŒr City-Bikes bis 7.000 Euro fĂŒr E-RennrĂ€der und E-Mountainbikes. 

Neue Einnahmequellen kann Canyon gebrauchen: 2025 fiel der Umsatz um gut 6 Prozent auf 738 Millionen Euro, der Betriebsgewinn brach um rund ein Drittel ein. Das Unternehmen, hinter dem der belgische Finanzinvestor GBL steht, strich 320 Jobs. GBL musste den Wert seiner Canyon-Mehrheitsbeteiligung drastisch senken, wechselte den Chef aus und holte GrĂŒnder Arnold zurĂŒck in die FĂŒhrung. 

«Wir hatten ein bisschen den Fokus verloren», sagt Arnold. «Wir haben uns zu sehr mit uns selbst beschĂ€ftigt.» Auch die Verwaltung sei zu groß gewesen. Dieses Jahr wachse Canyon wieder bei allen Kennzahlen. «Wir liegen ĂŒber Plan.»

de | wirtschaft | 69636731 |

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