Kryptowährungen: 25% Steuer statt Steuerfreiheit ab morgen
05.07.2026 - 20:10:30 | boerse-global.de
Bitcoin und Co. werden deutlich unattraktiver für Privatanleger. Das Bundesfinanzministerium will die steuerfreie Haltefrist von einem Jahr für Kryptowährungen abschaffen. Stattdessen sollen Gewinne künftig pauschal mit 25 Prozent Abgeltungsteuer besteuert werden – unabhängig davon, wie lange der Anleger die Coins hält. Am 6. Juli 2026 entscheidet das Bundeskabinett über den Entwurf.
Abgeltungsteuer statt Steuerfreiheit
Bisher war die Regelung einfach: Wer Bitcoin oder andere Kryptowährungen länger als zwölf Monate hielt, konnte Gewinne steuerfrei kassieren. Damit soll Schluss sein. Der Kabinettsentwurf sieht vor, Kryptogewinne als Einkünfte aus Kapitalvermögen einzuordnen. Die pauschale Besteuerung von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag soll für alle Verkäufe gelten – egal ob nach einem Tag oder zehn Jahren.
Die Reform ist Teil der Haushaltsplanung für 2027. Aus Finanzkreisen heißt es, der Bund erwartet sich dadurch zusätzliche Steuereinnahmen von rund zwei Milliarden Euro. Noch offen ist allerdings, wie genau der Bestandsschutz für bereits gekaufte Coins aussehen soll. Auch Details zur Verlustverrechnung sind noch unklar.
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Kritik von allen Seiten
Rechtsexperten sehen ein massives Problem: die Ungleichbehandlung gegenüber Gold. Denn das Edelmetall bleibt nach einer einjährigen Haltefrist weiterhin steuerfrei. „Das ist verfassungsrechtlich fragwürdig“, kritisieren Fachleute. Der Bundesfinanzhof hatte Bitcoin und Co. erst im Februar 2023 als „anderes Wirtschaftsgut“ eingestuft – genau diese Einstufung machte die bisherige Haltefrist überhaupt erst möglich.
Auch politisch gibt es Gegenwind. Vertreter der Union bemängeln, dass die Steuerverschärfung nicht im Koalitionsvertrag steht. Wirtschaftsexperten warnen zudem vor einer Abwanderung von Kapital in Länder mit besseren Steuerbedingungen. Die Schweiz, Portugal oder die Vereinigten Arabischen Emirate locken mit deutlich attraktiveren Regeln für Krypto-Investoren.
Banken bauen Angebot trotzdem aus
Die Steuerpläne kommen zu einem besonderen Zeitpunkt. Seit dem 1. Juli 2026 gilt die EU-weite MiCA-Regulierung vollständig. Sie sorgt für mehr Rechtssicherheit im Krypto-Handel – und die Banken reagieren.
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Die DZ Bank hat über die Plattform „meinKrypto“ den Handel für rund 50 Millionen Kunden der Genossenschaftsbanken gestartet. Auch die Sparkassen ziehen nach: Die DekaBank will noch im Sommer 2026 ein Krypto-Angebot einführen. Branchenbeobachter sehen hier einen klaren Trend: Während die Steuerpläne Privatanleger abschrecken könnten, wächst die institutionelle Infrastruktur weiter.
Gleichzeitig erhöhen die Finanzbehörden den Druck. Neue EU-Regeln verbessern den Informationsfluss zwischen Krypto-Dienstleistern und Finanzämtern massiv. Experten raten Anlegern daher, sämtliche Transaktionen lückenlos zu dokumentieren. Die Finanzverwaltung hat ihre technische Expertise zur Nachverfolgung digitaler Transaktionen in den letzten Monaten deutlich ausgebaut.
