Mehrwertsteuer-Differenzierung: 7% Speisen, 19% GetrÀnke seit Januar
03.07.2026 - 02:39:26 | boerse-global.de
Ăsterreich zog zum 1. Juli mit einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel nach. Beide MaĂnahmen sorgen fĂŒr hitzige Diskussionen in der Branche.
Speisen gĂŒnstiger, GetrĂ€nke teurer
Das SteuerÀnderungsgesetz 2025 brachte ab dem 1. Januar 2026 klare Vorgaben: Speisen werden mit 7 Prozent besteuert, GetrÀnke mit 19 Prozent. Die Abgrenzung in der Buchhaltung wird damit zur Herausforderung.
Bei Kombiangeboten gilt ein pauschaler GetrĂ€nkeanteil von 30 Prozent â versteuert zum Regelsatz. Hotelpakete mĂŒssen 15 Prozent ihres Umsatzes als nicht begĂŒnstigt ausweisen. Eine Ausnahme gibt es bei MilchmischgetrĂ€nken im AuĂer-Haus-Verkauf: Liegt der Milchanteil bei mindestens 75 Prozent, greift der ermĂ€Ăigte Satz.
âWir brauchen Planungssicherheitâ
Ăber 300 Branchenvertreter demonstrierten am 2. Juli vor dem Reichstag in Berlin. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) forderte weniger BĂŒrokratie und mehr VerlĂ€sslichkeit.
DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge betonte die wirtschaftliche Bedeutung: Der Sektor erwirtschaftet jĂ€hrlich eine Bruttowertschöpfung von ĂŒber 480 Milliarden Euro. Neben der Mehrwertsteuer stehen die Rentenreform und flexiblere Arbeitszeitmodelle auf der Agenda.
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Das Bundesfinanzministerium plant derweil eine VerschĂ€rfung der Kontrollen. StaatssekretĂ€r Michael Schrodi kĂŒndigte eine allgemeine Registrierkassenpflicht und die Verpflichtung zu digitalen Bezahlmöglichkeiten an. Ziel: Steuerbetrug erschweren, der laut SchĂ€tzungen jĂ€hrlich 10 bis 15 Milliarden Euro ausmacht. Die bisherige Bonpflicht soll dafĂŒr entfallen.
Ăsterreich senkt Steuern auf Lebensmittel
Seit dem 1. Juli 2026 gilt in Ăsterreich ein dauerhaft reduzierter Steuersatz von 4,9 Prozent auf ausgewĂ€hlte Grundnahrungsmittel â statt bisher 10 Prozent. Die MaĂnahme soll die Inflation dĂ€mpfen.
Ăkonomen der Nationalbank und des WIFO rechnen mit einer Entlastung der Teuerungsrate um etwa 0,14 Prozentpunkte. Das jĂ€hrliche Volumen: rund 400 Millionen Euro. Pro Haushalt bedeutet das eine Ersparnis zwischen 45 und 119 Euro.
Finanziert wird die Senkung unter anderem durch eine neue Abgabe auf Kleinsendungen aus Drittstaaten â zwischen 2 und 3 Euro pro Paket. Der Lebensmittelhandel sicherte die Weitergabe der Senkung zu. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) prĂŒft bereits die Umsetzung. Erste Preisvergleiche zeigen Entlastungen im Cent-Bereich, etwa bei Milch, Butter oder Joghurt.
BĂŒrokratie als zentrales Problem
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Die KomplexitĂ€t der Regeln sorgt auf beiden Seiten der Grenze fĂŒr Kritik. Der österreichische Handel meldete IT-Umstellungskosten in Millionenhöhe. Die Abgrenzung nach Zolltarifnummern und Rezepturen gilt als besonders knifflig.
Bestimmte Pilzsorten oder Backwaren unterliegen je nach Fettgehalt oder Verarbeitung unterschiedlichen SteuersÀtzen. Branchenvertreter wie SPAR-CEO Johannes Holzleitner und Innungsmeister der BÀcker kritisierten die aufwendige Neuauszeichnung tausender Artikel.
WIFO-Chef Gabriel Felbermayr hĂ€lt die MaĂnahme aufgrund des administrativen Aufwands fĂŒr problematisch. Seine Empfehlung: zielgerichtete Direktzahlungen an bedĂŒrftige Haushalte statt komplexer Steuerregeln. Auch in der deutschen Gastronomie bleibt die Trennung von Speisen und GetrĂ€nken ein zentraler administrativer Faktor.
