ROUNDUP, Trump

Ex-PrÀsident wendet sich an Oberstes US-Gericht

04.01.2024 - 16:22:28

(Mit neuen Details)WASHINGTON - Der frĂŒhere US-PrĂ€sident und aktuelle PrĂ€sidentschaftsbewerber Donald Trump will vor dem Obersten Gerichtshof des Landes seine Teilnahme an den anstehenden Vorwahlen in den USA durchsetzen.

(Mit neuen Details)

WASHINGTON (dpa-AFX) - Der frĂŒhere US-PrĂ€sident und aktuelle PrĂ€sidentschaftsbewerber Donald Trump will vor dem Obersten Gerichtshof des Landes seine Teilnahme an den anstehenden Vorwahlen in den USA durchsetzen. Wie Trumps Wahlkampfteam mitteilte, wandte er sich am Mittwoch (Ortszeit) an den Supreme Court in Washington, um einen Beschluss aus dem Bundesstaat Colorado zu kippen. Das höchste Gericht dort hatte in einem explosiven Urteil entschieden, dass sich der 77-JĂ€hrige durch seine Rolle im Zusammenhang mit der Attacke auf das Kapitol 2021 fĂŒr die Vorwahl in Colorado disqualifiziert habe. Eine Ă€hnliche Entscheidung fiel spĂ€ter im Bundesstaat Maine. Anderswo laufen noch entsprechende Klagen. Sowohl Gegner als auch UnterstĂŒtzer Trumps forderten den Supreme Court auf, die heikle Frage nun möglichst schnell zu klĂ€ren und das Vorwahl-Chaos zu beenden.

Das steckt dahinter

Trump will bei der nĂ€chsten US-PrĂ€sidentenwahl Anfang November erneut fĂŒr die Republikaner kandidieren. Wer als PrĂ€sidentschaftskandidat fĂŒr die Republikaner oder die Demokraten antreten will, muss sich zunĂ€chst in parteiinternen Vorwahlen durchsetzen. KlĂ€ger versuchen seit einiger Zeit in diversen Bundesstaaten, Trumps Teilnahme an den Vorwahlen zu verhindern und auf der Grundlage seines Verhaltens rund um den 6. Januar 2021 von Wahlzetteln streichen zu lassen.

Damals hatten Trumps AnhĂ€nger gewaltsam den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden gegen Trump bei der PrĂ€sidentenwahl von 2020 formal zu bestĂ€tigen. Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede durch unbelegte Behauptungen aufgewiegelt, dass ihm der Wahlsieg durch massiven Betrug gestohlen worden sei. Infolge der Krawalle kamen damals fĂŒnf Menschen ums Leben.

Das sagen die KlÀger

Trump-Gegner argumentieren mit Klagen im ganzen Land, der Republikaner habe mit seinem Beitrag an dem Angriff sein Recht verspielt, noch mal als PrĂ€sident zu kandidieren. Sie argumentieren mit dem sogenannten Aufstandsverbot im 14. Verfassungszusatz. Demnach darf niemand ein höheres Amt im Staat bekleiden, der sich zuvor als AmtstrĂ€ger an einem Aufstand gegen den Staat beteiligt hat. Zwar werden in der Passage einige Beispiele fĂŒr solche höheren Ämter genannt, nicht explizit aufgefĂŒhrt ist aber das Amt des PrĂ€sidenten.

In Bundesstaaten wie Michigan und Minnesota scheiterten die Versuche der KlĂ€ger, Trump zu disqualifizieren. Anderswo stehen Entscheidungen noch aus. In Maine und Colorado fielen BeschlĂŒsse gegen Trump. Die beiden Entscheidungen wurden in Erwartung von Trumps Einspruch allerdings vorerst ausgesetzt. Das heißt, vorerst bleibt sein Name dort auf den Wahlzetteln - bis das Berufungsprozedere beendet ist.

Der Supreme Court ist am Zug

Es war absehbar, dass die Angelegenheit vor dem Obersten Gerichtshof der USA landen wĂŒrde - da inzwischen kontrĂ€re BeschlĂŒsse auf höchster Ebene der Bundesstaaten vorliegen. Im Namen der republikanischen Partei in Colorado hatte sich vor Trump bereits die Organisation American Center for Law and Justice an den Supreme Court gewandt, um gegen die Entscheidung in dem Bundesstaat vorzugehen. Nun folgte der Antrag von Trump selbst - sein Team hatte dies vorab angekĂŒndigt.

Trump hatte wÀhrend seiner Amtszeit die Mehrheit am Obersten US-Gericht deutlich nach rechts verschoben. Sechs der neun Richterinnen und Richter gelten inzwischen als konservativ. Dennoch entschied das Oberste Gericht nicht immer in seinem Sinne.

Vor dem Supreme Court argumentieren Trumps AnwĂ€lte nun, das Gericht in Colorado habe seine Befugnisse ĂŒberschritten - die Frage nach der Tauglichkeit eines PrĂ€sidenten sei eine Angelegenheit fĂŒr den US-Kongress und nicht fĂŒr staatliche Gerichte. Der Verfassungszusatz, auf den sich die KlĂ€ger berufen, sei im Falle Trumps nicht anwendbar. Trumps Wahlkampfteam wertete die Gerichtsentscheidung aus Colorado als "unamerikanischen, verfassungswidrigen Akt der Wahleinmischung".

In Maine hatte nicht ein Gericht gegen Trump entschieden, sondern die oberste Wahlaufseherin des Bundesstaates. Auch dagegen legte Trump bereits Einspruch ein, zunĂ€chst bei einem Gericht in Maine. Der Fall muss noch mehrere Distanzen durchlaufen. Eine inhaltliche Entscheidung des Supreme Courts wĂŒrde allerdings auch den Fall in Maine sowie offene FĂ€lle in anderen Bundesstaaten klĂ€ren, da die Argumentation ĂŒberall die gleiche ist. Der Oberste Gerichtshof könnte allerdings auch eine inhaltliche Entscheidung umgehen und FormalitĂ€ten geltend machen - oder aber eine KlĂ€rung der komplexen verfassungsrechtlichen Frage dem Kongress ĂŒberlassen. Offen ist außerdem, wie schnell der Supreme Court sich positionieren wird.

Die Uhr tickt

Die oberste Wahlaufseherin in Colorado, Jena Griswold, rief den Gerichtshof bei der Plattform X (vormals Twitter) auf, den Fall so schnell wie möglich zu prĂŒfen. Auch Trump-UnterstĂŒtzer forderten eine rasche Entscheidung. "Der Oberste Gerichtshof sollte sich sofort mit diesem Fall befassen und die lĂ€cherliche Entscheidung des Gerichts in Colorado aufheben", schrieb etwa der republikanische Senator von Missouri, Josh Hawley, bei X.

Die Zeit drÀngt. Am 15. Januar beginnen die Vorwahlen der Republikaner mit der ersten Abstimmung im Bundesstaat Iowa. Die Vorwahlen in Colorado und Maine stehen am 5. MÀrz an, dem sogenannten Super Tuesday, wenn in einer ganzen Reihe von Bundesstaaten abgestimmt wird. Die Wahlzettel werden mit einigem Vorlauf gedruckt.

FĂŒr die Demokraten will Biden fĂŒr eine zweite Amtszeit ins Rennen gehen. Er hat dabei keine ernstzunehmende interne Konkurrenz. Bei den Republikanern liegt Trump im Feld der parteiinternen PrĂ€sidentschaftsbewerber in Umfragen mit großem Abstand vorne.

Neben der juristischen Auseinandersetzung ĂŒber seine Teilnahme an den Vorwahlen stehen Trump in den kommenden Monaten auch mehrere große Gerichtsverfahren wegen diverser strafrechtlicher VorwĂŒrfe bevor - unter anderem wegen des Kapitol-Sturms und seiner Versuche, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 nachtrĂ€glich umzukehren.

@ dpa.de

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