Unternehmenspleiten, Insolvenzen

Unternehmenspleiten: 4.996 Insolvenzen im Q2 2026, 45.500 Jobs gefährdet

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 19:20 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland steigt rasant auf ein Niveau wie zuletzt vor über 20 Jahren. Besonders betroffen sind Bau, Handel und Gastgewerbe.

Deutsche Insolvenzwelle: Höchststand seit 2005 erreicht
Unternehmenspleiten - Eine trostlose Industrielandschaft mit einem verlassenen Fabrikgebäude unter einem stürmischen Himmel, das wirtschaftliche Not symbolisiert. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im zweiten Quartal 2026 registrierte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) 4.996 Pleiten von Personen- und Kapitalgesellschaften – neun Prozent mehr als im ersten Quartal. Ein solcher Wert wurde zuletzt im zweiten Quartal 2005 erreicht.

Juni treibt die Entwicklung

Besonders der Juni 2026 ließ die Kurve steil nach oben schnellen. Mit 1.702 gemeldeten Insolvenzen legte die Zahl im Vergleich zum Mai um zwölf Prozent zu. Gegenüber dem Vorjahresmonat Juni 2025 beträgt das Plus sogar 20 Prozent. Verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 – also vor der Corona-Pandemie – liegt der Anstieg bei rund 80 Prozent.

Die Folgen für den Arbeitsmarkt sind massiv. Im zweiten Quartal waren rund 45.500 Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen. Allein im Juni entfielen mehr als 14.000 gefährdete Stellen auf die größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen. Das ist eine Steigerung von 26 Prozent gegenüber dem Mai. Im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt (2016–2019) liegt die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze in Großbetrieben um 30 Prozent höher.

Kaum eine Branche bleibt verschont

Die wirtschaftliche Schwäche erfasst nahezu alle Kernbereiche. Besonders hohe Insolvenzzahlen meldeten das Baugewerbe, das Grundstücks- und Wohnungswesen, der Handel sowie das Gastgewerbe und verschiedene Dienstleistungssektoren. Einzige Ausnahme: das verarbeitende Gewerbe – hier blieb ein vergleichbarer Anstieg aus.

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Auch regional zeigt sich ein düsteres Bild. In den meisten Bundesländern wurden Höchstwerte erreicht. Nordrhein-Westfalen und Hessen verzeichneten im Juni besonders viele Pleiten. Stabiler präsentierten sich hingegen die ostdeutschen Flächenländer.

Experten erwarten keine schnelle Besserung

Steffen Müller vom IWH bezeichnete das Insolvenzgeschehen als außergewöhnlich hoch. Die Misere treffe die Breite der Wirtschaft. Auch für das dritte Quartal 2026 rechnet das Institut mit Zahlen über dem Vorjahresniveau. Zwar zeigten die Frühindikatoren zuletzt eine leichte Entspannung – sie verharren aber weiterhin deutlich über den Werten des Vorjahresquartals.

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Andere Erhebungen untermauern den Trend. Creditreform registrierte für das erste Halbjahr 2026 bereits 12.900 Unternehmensinsolvenzen – der höchste Stand seit 2013. Das Statistische Bundesamt meldete für das erste Quartal 2026 einen Anstieg der Firmenpleiten um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Rettungsquote bricht ein

Hinzu kommt: Die Aussichten für angeschlagene Unternehmen verschlechtern sich dramatisch. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Falkensteg ist die Rettungsquote bei Insolvenzen größerer Unternehmen massiv gesunken. Lag sie 2020 noch bei 57 Prozent, konnten zuletzt nur noch rund 32,1 Prozent der betroffenen Firmen erfolgreich saniert oder verkauft werden.

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