Zalando, Erfurt

Zalando Erfurt: Betriebsrat verhandelt Sozialplan für 2.100 Beschäftigte

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 01:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Betriebsratswahlen in Chemie und Pharma zeigen neue Kräfteverhältnisse. Digitalisierung und KI fordern die Gremien zunehmend heraus.

Betriebsratswahlen: Neue Mehrheiten und KI-Herausforderungen
Zalando - Eine Gruppe von Arbeitnehmervertretern diskutiert in einem modernen Konferenzraum, mit Tablets und Laptops auf dem Tisch. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Parallel dazu fordern Digitalisierung und KI die Gremien heraus.

Erfolgreiche Wahlen mit klaren Ergebnissen

Ein Branchenverband der Fach- und Führungskräfte meldet 208 gewählte Mitglieder, darunter 13 Vorsitzende. Bei Merck erreichten die Kandidaten 38,3 Prozent der Stimmen. Roche in Mannheim verdoppelte seine Mandate auf 14. Auch bei BASF, Evonik und Pfizer konnten die Arbeitnehmervertreter stabile Ergebnisse erzielen. Das langfristige Ziel von 250 Mandaten gilt als realistisch.

In München übernahm Thorsten Ratberg im Mai 2026 den Vorsitz des Betriebsrats der S-Bahn. Nach einer Phase des Personalmangels steht nun ein ausgeglichener Personalstand im Fokus. Die Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber findet auf Augenhöhe statt – die Zahl der Einigungsstellen ist gering.

Mitbestimmung bei Künstlicher Intelligenz

Die Digitalisierung prägt die Betriebsratsarbeit. Bei der S-Bahn München geht es um die Einführung von Endgeräten und passende Fortbildungen. Übergreifend stellt sich die Frage: Unterliegt die Einführung von KI-Agenten der Mitbestimmung?

Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht erklärt: Ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG besteht vor allem dann, wenn KI-Systeme personenbezogene Daten verarbeiten, die eine Leistungs- oder Verhaltenskontrolle ermöglichen. Bei reinen Logistik- oder Produktionsprozessen ohne Arbeitnehmerdaten gilt das nicht. Die europäische KI-Verordnung schafft kein eigenständiges Mitbestimmungsrecht. Juristen empfehlen eine klare Trennung zwischen Mitbestimmung und KI-VO.

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Parallel steigen die Ansprüche an die Ausstattung der Gremien. Ein Beschluss des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein vom September 2025 befasst sich mit dem Anspruch auf Büropersonal in Zeiten der Digitalisierung.

Neue Regeln für Führungskräfte und Kündigungen

Das Bundesarbeitsgericht hat grundlegende Entscheidungen getroffen. Seit einem Beschluss vom 22. Mai 2025 haben Führungskräfte in Matrix-Strukturen ein aktives Wahlrecht in allen Betrieben, in denen sie Mitarbeiter führen. Diese Mehrfach-Wahlberechtigung kann zu größeren Betriebsratsgremien führen – und zu höheren Kosten für Arbeitgeber.

Eine weitere Änderung zeichnet sich bei Massenentlassungsanzeigen ab. Ein Vorlagebeschluss vom Dezember 2023 deutet an: Fehler bei der Anzeige nach dem Kündigungsschutzgesetz sollen künftig nicht mehr zwingend zur Unwirksamkeit von Kündigungen führen. Die Vorschriften werden zunehmend als reine Ordnungsvorschriften eingestuft. Fehler im Konsultationsverfahren bleiben aber weiterhin sanktionsbewehrt.

Konflikte um Standorte und Stellen

In der Automobil- und Logistikbranche verschärfen sich die Konflikte. Bei Zalando in Erfurt verhandeln Betriebsrat und Geschäftsführung über einen Sozialplan. Das Logistikzentrum soll Ende September 2026 schließen, rund 2.100 Beschäftigte sind betroffen. Die Einigungsstelle tagt am 7. und 9. Juli.

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Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Bosch, Frank Sell, fordert einen runden Tisch mit Politik, Arbeitgebern und Gewerkschaften. Hintergrund sind massive Sparpläne bei großen Herstellern. Für den 9. Juli sind bundesweite Protestaktionen bei Volkswagen angekündigt. Dort berät der Vorstand über einen verschärften Sparkurs, der bis zu 100.000 Stellen und mehrere Werkschließungen betreffen könnte. Bei Porsche konnte die Arbeitnehmervertretung bereits eine Reduzierung geplanter Stellenstreichungen erreichen – vor allem in Verwaltung und Entwicklung.

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