Alzheimer-Therapien, Lecanemab

Alzheimer-Therapien: Lecanemab und Donanemab scheitern an Kosten

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 13:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue Antikörper-Therapien verlangsamen Alzheimer, scheitern aber in mehreren EU-Ländern an hohen Kosten und Nutzenfragen.

Alzheimer-Medikamente: Kostenexplosion bremst europaweite Zulassung
Eine Hand hält eine einzelne, teure Pille. Im Hintergrund sind verschwommene Medikamentenverpackungen und medizinische Dokumente zu sehen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Hoffnung für Alzheimer-Patienten, Frust für Kassen: Neue Wirkstoffe verlangsamen die Krankheit – doch die Kosten sind enorm.

Die hochgelobten Antikörper-Therapien Lecanemab und Donanemab stoßen in Europa auf Widerstand. Während klinische Studien belegen, dass sie den Krankheitsverlauf bremsen, lehnen mehrere Länder die Finanzierung ab. Grund sind Jahrestherapiekosten von über 20.000 Euro pro Patient und die Frage nach dem tatsächlichen Nutzen.

Spanien und Großbritannien blockieren

In Spanien hat die Arzneimittelpreiskommission CIPM Mitte Juli 2026 erneut Nein gesagt. Die Behörde sieht ein schlechtes Verhältnis zwischen begrenztem klinischen Nutzen und hohen Kosten. Zudem verweist sie auf Sicherheitsrisiken wie Hirnblutungen.

Patientenorganisationen wie die CEAFA kritisieren die Entscheidung scharf. Hersteller Lilly reagiert und bietet Donanemab vorerst über Privatversicherungen und spezielle Frühversorgungsprogramme an.

In Großbritannien vertagt das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) seine endgültige Leitlinie. Weitere Preisverhandlungen laufen. Bereits 2025 hatte das Institut das Preis-Leistungs-Verhältnis als unzureichend eingestuft.

Besonders umstritten: Die statistische Gewichtung der Lebensqualität pflegender Angehöriger. Dr. Nick Fox vom University College London nannte die Einschätzung „widersprüchlich zum menschlichen Verstand“. In Deutschland sind die Medikamente dagegen seit Herbst 2025 erhältlich.

Österreich: Rekordausgaben für Medikamente

Der österreichische Heilmittelreport 2026 zeichnet ein klares Bild der finanziellen Belastung. Die Sozialversicherung gab 2025 insgesamt 4,9 Milliarden Euro für Arzneimittel aus. Das sind 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr und ein Plus von über 88 Prozent seit 2013.

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Haupttreiber sind steigende Preise für Innovationen und die alternde Gesellschaft. Interessant: Trotz der Kostenexplosion sank die Zahl der Verordnungen von 122 Millionen (2013) auf 106 Millionen (2025). Pro Kopf liegen die Ausgaben bei 571 Euro – Platz drei in Europa hinter Deutschland (595 Euro) und der Schweiz (760 Euro).

Gesundheitsministerin Korinna Schumann will gegensteuern. Sie setzt auf mehr Generika und zentrale Beschaffung, um die Kosten zu stabilisieren.

Forschung: Zwei Rückschläge im Juli 2026

Neben den Kostendebatten gibt es auch schlechte Nachrichten aus der Wissenschaft. Der OGA-Hemmer Ceperognastat verfehlte in der Phase-2-Studie PROSPECT-ALZ sein Ziel. Über 100 Wochen zeigte sich keine signifikante Verlangsamung der Krankheit bei frühen Alzheimer-Patienten.

Zwar verbesserten sich bestimmte Biomarker wie p-tau217, und das Hirnvolumen schrumpfte weniger. Ein messbarer klinischer Vorteil blieb aber aus. Höhere Dosierungen verschlechterten den Zustand der Patienten sogar.

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Ebenfalls Mitte Juli vermeldete der AAIC-Kongress einen Fehlschlag: Das Tau-Antisense-Oligonukleotid Diranersen verfehlte seinen primären Endpunkt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) gibt sich dennoch nicht geschlagen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Therapien noch früher ansetzen müssen – und dass Kombinationstherapien nötig sind.

Lieferengpässe: Leichte Entspannung, aber Probleme bleiben

Trotz aller Preisdiskussionen: In Zentraleuropa ist die Versorgung mit neuen Medikamenten vergleichsweise gut. In Österreich sind 82 Prozent der zwischen 2020 und 2023 neu zugelassenen Arzneimittel verfügbar – Spitzenwert in der EU. Die durchschnittliche Zeit bis zur Markteinführung beträgt 309 Tage, der EU-Schnitt liegt bei 578 Tagen.

Bei den Lieferengpässen zeigt sich eine leichte Besserung. 2025 ließ sich in vier von fünf Fällen ein Ersatz für nicht lieferbare Medikamente finden. Dennoch meldete der Verband PHAGO für über 1.200 Arzneimittel Nachschubprobleme. Besonders betroffen: Augentropfen, Antidiabetika sowie Blut- und Hautmedikamente.

Die Apothekerkammer fordert finanzielle Anerkennung für den hohen personellen Aufwand bei der Bewältigung dieser Engpässe.

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