Ballaststoffe, DGE

Ballaststoffe: DGE empfiehlt 30 Gramm tÀglich, doch Deutschland bleibt weit darunter

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 10:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute sehen Pflanzenfasern als Basis fĂŒr ein vielfĂ€ltiges Mikrobiom; Probiotika-PrĂ€parate bieten laut Artikel oft keinen belegten Nutzen.
Eine Nahaufnahme einer Holzschale mit verschiedenen ballaststoffreichen Lebensmitteln wie HĂŒlsenfrĂŒchten und Getreide. Illustration mit AI erstellt.

Eine ballaststoffreiche ErnĂ€hrung ist fĂŒr die menschliche Darmgesundheit essenzieller als die Einnahme von Probiotika-PrĂ€paraten. Fachleute und aktuelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass Kapseln und Pulver mit lebenden BakterienstĂ€mmen hĂ€ufig ĂŒberschĂ€tzt werden.

WĂ€hrend Probiotika-PrĂ€parate in vielen FĂ€llen keine wissenschaftlich fundierten Vorteile bringen, bilden unverdauliche Pflanzenfasern die unverzichtbare Grundlage fĂŒr ein stabiles und vielfĂ€ltiges Mikrobiom.

Schwache Datenlage bei Probiotika-PrÀparaten

Molekularbiologe Frantiƥek Knobloch betonte im Podcast 120 na 80, dass die Datenlage zu Probiotika sehr schwach sei, und bezeichnete die Produktkategorie als weiteres MilliardengeschÀft.

Nach Angaben von Knobloch konsumieren die meisten Menschen heute lediglich 10 bis 15 Gramm Ballaststoffe pro Tag, wĂ€hrend frĂŒhere Vorfahren schĂ€tzungsweise 80 bis 100 Gramm erreichten. Eine Verdopplung bis Verdreifachung der aktuellen Menge bringe signifikante Vorteile fĂŒr die metabolische Gesundheit, die Verdauung und die kardiovaskulĂ€re PrĂ€vention.

Auch in der klinischen Praxis stoßen BakterienprĂ€parate an Grenzen. Milan TrojĂĄnek von der Zweiten Medizinischen FakultĂ€t der Karls-UniversitĂ€t und dem UniversitĂ€tskrankenhaus Motol erlĂ€uterte, dass sich das Mikrobiom nicht einfach mit einer Tablette wiederherstellen lasse.

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Einzelne Studien hĂ€tten sogar gezeigt, dass sich das Mikrobiom nach einer Antibiotikabehandlung ohne Probiotika schneller auf natĂŒrliche Weise erholt. Zudem wies Professor HrdĂœ darauf hin, dass die gleichzeitige Verabreichung von Probiotika und Antibiotika die Wirksamkeit der antibiotischen Therapie senken kann.

ErnĂ€hrungsberaterin Salena Sainz hob hervor, dass Probiotika nicht per se unbedenklich seien und keineswegs von allen Menschen benötigt wĂŒrden. Es gebe keine Evidenz dafĂŒr, dass eine verlĂ€ngerte Zufuhr grĂ¶ĂŸere Vorteile bringe.

Ein ĂŒbermĂ€ĂŸiger Konsum könne stattdessen Beschwerden wie BauchaufblĂ€hung, vermehrte Gase, Bauchschmerzen oder VerĂ€nderungen des Stuhlgangs hervorrufen. Insbesondere immungeschwĂ€chte Personen sollten vor der Einnahme Ă€rztlichen Rat einholen.

NatĂŒrliche Vielfalt und fermentierte Lebensmittel

Statt isolierter Kapseln raten Fachleute zu einer langfristigen ErnÀhrungsumstellung. Als mikrobiotafreundliche Alternativen gelten fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi, Tempeh oder Kefir. Auch die Harvard University empfiehlt nach einer Antibiotikatherapie den Verzehr von Kimchi oder Kefir.

Die Physiologin Sonia GonzĂĄlez Solares von der UniversitĂ€t Oviedo unterstrich, dass es keine Wunder-Lebensmittel gebe, sondern das langfristige ErnĂ€hrungsmuster zĂ€hle. WĂ€hrend eine westliche ErnĂ€hrungsweise die mikrobielle DiversitĂ€t senke und Fehlbesiedlungen fördere, beliefere eine mediterrane Kost das Mikrobiom mit schĂŒtzenden Ballaststoffen und Polyphenolen.

Gastroenterologe Will Bulsiewicz bezifferte die Referenzwerte auf 38 Gramm Ballaststoffe pro Tag fĂŒr einen durchschnittlichen erwachsenen Mann und 25 Gramm fĂŒr eine Frau. TatsĂ€chlich lĂ€gen die Aufnahmemengen in den USA jedoch nur bei rund 18 Gramm beziehungsweise 15 Gramm, sodass 95 Prozent der dortigen Bevölkerung den Richtwert verfehlen.

Bulsiewicz empfiehlt als Orientierung den Verzehr von rund 30 verschiedenen Pflanzen pro Woche, da pflanzenbetonte Kost mit einem geringeren Krankheitsrisiko verknĂŒpft sei.

Wissenschaftliche Belege fĂŒr den Nutzen von Pflanzenfasern

Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Innere Medizin betonte Stephan C. Bischoff von der UniversitĂ€t Hohenheim, dass nahezu alle chronischen Krankheiten mit einer Dysbiose einhergehen.

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Eine Neuanalyse der PREDIMED-Studie im New England Journal of Medicine aus dem Jahr 2018 mit 7.447 Teilnehmenden zeigte ein um etwa 30 Prozent geringeres Risiko fĂŒr Herzinfarkte, SchlaganfĂ€lle oder kardiovaskulĂ€ren Tod durch mediterrane ErnĂ€hrung.

In der an der UniversitĂ€t Hohenheim entwickelten Restore-DiĂ€t, die an 30 gesunden Erwachsenen ĂŒber drei Wochen untersucht wurde, sank das LDL-Cholesterin um fast 17 Prozent und der NĂŒchternblutzucker um 6 Prozent, begleitet von einem Anstieg nĂŒtzlicher Bifidobakterien.

Eine Untersuchung im American Journal of Clinical Nutrition aus dem Jahr 2025 mit over 105.000 Teilnehmenden ĂŒber 30 Jahre bestĂ€tigte zudem den starken Zusammenhang zwischen ballaststoffreichen ErnĂ€hrungsmustern und gesundem Altern.

Konkrete Effekte wies auch die schwedisch-dĂ€nische Studie RyeWeight2 nach, die 2026 in der Fachzeitschrift Clinical Nutrition erschien. Bei 255 Erwachsenen mit ÜbergĂ¶ĂŸe oder Adipositas fĂŒhrte eine zwölfwöchige ErnĂ€hrung mit Vollkornroggenprodukten zu einer um 38 Prozent höheren Butyratkonzentration im Blut als bei einer Vergleichsgruppe mit raffiniertem Weizen. Gleichzeitig sank der EntzĂŒndungsmarker CRP um 17 Prozent.

Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung rĂ€t Erwachsenen zu mindestens 30 Gramm Ballaststoffen tĂ€glich. Daten des Max-Rubner-Instituts aus dem Jahr 2026 auf Basis der Nationalen Verzehrsstudie II zeigen jedoch, dass der Median in Deutschland bei lediglich 18 Gramm fĂŒr Frauen und 19 Gramm fĂŒr MĂ€nner liegt.

FĂŒr eine schonende Gewöhnung raten Fachleute, die Ballaststoffzufuhr nur schrittweise zu steigern und gleichzeitig auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten, um anfĂ€ngliche Verdauungsbeschwerden zu vermeiden.

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