Bewegung gegen Depression: Schon 75 Minuten pro Woche zeigen messbare Vorteile
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 02:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche Aktivität sollte in der psychiatrischen Praxis nicht länger nur als unverbindlicher Ratschlag für einen gesunden Lebensstil dienen. In einem im Fachjournal Brain Health publizierten Viewpoint plädieren die kanadischen Psychiater Carl Zhou und Nicholas Fabiano von der University of Ottawa sowie Stanley Wong von der University of Toronto dafür, Bewegung als standardisierte, individualisierte medizinische Intervention zu verschreiben.
Unter der DOI 10.61373/bh026v.0027 führen die Mediziner aus, dass ein solches Rezept konkrete Angaben zu Art, Häufigkeit, Intensität und Dauer der Aktivität enthalten müsse, ergänzt durch Sicherheitshinweise und einen festen Nachsorgeplan.
Wissenschaftliche Belege für kognitive und antidepressive Effekte
Die Fachleute stützen ihre Forderung auf eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen. So zeigte eine randomisierte Studie von Erickson aus dem Jahr 2011, dass regelmäßiges aerobes Training bei älteren Erwachsenen das Volumen des anterioren Hippocampus vergrößern und Gedächtnisleistungen verbessern kann, wenngleich weiter gefasste Daten zu Kognition und Gehirnalterung vorwiegend auf Beobachtungsstudien beruhen.
Für den Bereich affektiver Störungen lieferte eine Netzwerk-Metaanalyse randomisierter Studien aus dem Jahr 2024 deutliche Hinweise: Demnach können Aktivitäten wie Gehen, Joggen, Yoga und Krafttraining die Symptome von Depressionen nachweislich verringern.
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Höhere Trainingsintensitäten führten dabei zu ausgeprägteren Effekten. Dosis-Wirkungs-Analysen verdeutlichen zudem, dass bereits rund 75 Minuten moderater Bewegung pro Woche messbare Vorteile mit sich bringen. Dies entspricht etwa der Hälfte des Aktivitätsumfangs, der in gängigen Richtlinien genannt wird.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive Aerobic-Aktivität, kombiniert mit Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen.
Gezielter Einsatz bei schweren psychischen Erkrankungen
Besondere Aufmerksamkeit widmen die Autoren dem Einsatz von Bewegungstherapien bei schwereren psychiatrischen Krankheitsbildern. Einer Meta-Analyse zufolge kann aerobes Training bei Schizophrenie die globale Kognition verbessern. Mögliche positive Effekte zeigen sich den Daten nach auch beim Arbeitsgedächtnis, der Aufmerksamkeit und der sozialen Kognition, obgleich diese Befunde bislang auf einer begrenzten Anzahl kleinerer Studien basieren.
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Um den Einstieg für Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen praxistauglich zu gestalten, raten die Psychiater zu niedrigschwelligen Einheiten. Bereits fünf Minuten Gehen oder einfache Übungen im Sitzen könnten eine therapeutische Basis bilden. Damit strukturierte Bewegungsprogramme flächendeckend wirken können, fordern die Mediziner überdies flankierende Rahmenbedingungen: Neben öffentlich finanzierten Initiativen und Transportmöglichkeiten seien verbindliche Kooperationen mit Freizeitzentren erforderlich, um bestehende Hürden beim Zugang zu regelmäßiger Bewegung abzubauen.
