Bewegung, Pflegekrise

Bewegung gegen die Pflegekrise: Wie Alltagssport die Kassen entlasten soll

16.05.2026 - 07:30:22 | boerse-global.de

Experten setzen auf Alltagsbewegung zur Entlastung der Pflegekassen. Angesichts eines drohenden Milliardendefizits rĂŒcken PrĂ€vention und MobilitĂ€tserhalt in den Fokus.

Bewegung gegen die Pflegekrise: Wie Alltagssport die Kassen entlasten soll - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Bewegung gegen die Pflegekrise: Wie Alltagssport die Kassen entlasten soll - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Angesichts steigender Pflegebedarfe und prognostizierter Defizite rĂŒcken sportmedizinische Erkenntnisse in den Fokus. Experten sehen in Alltagsbewegung einen zentralen Hebel zur Aufrechterhaltung der MobilitĂ€t – und damit zur Entlastung der Kassen.

Bereits geringfĂŒge, aber kontinuierliche AktivitĂ€tseinheiten reichen aus, um schwere chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates zu verzögern. Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und neuer berufsbedingter Belastungsmuster gewinnt dieser Ansatz gesundheitsökonomische Relevanz.

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Kleine Einheiten statt Leistungsdruck

In der Sportmedizin vollzieht sich ein Paradigmenwechsel. Der bisherige Fokus auf intensive Höchstleistungen wird ĂŒberdacht. Professorin Christine Joisten, PrĂ€sidentin der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Sportmedizin und PrĂ€vention (DGSP), betont: Bewegung ohne Leistungsdruck sei entscheidend fĂŒr die Motivation der Bevölkerung.

Es gebe keine wissenschaftliche Belegung fĂŒr die Überlegenheit einer spezifischen Sportform oder extremer IntensitĂ€t. Bereits wenige Minuten moderater Bewegung pro Tag könnten die Gesundheit maßgeblich fördern.

Professor Stefan Schneider von der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) ergĂ€nzt einen psychologischen Aspekt: Sportvereine nĂ€hmen eine wichtige Rolle fĂŒr die soziale Motivation ein. Fehle die Motivation fĂŒr geplante Einheiten, empfehle er einen achtsamen Umgang mit sich selbst. KontinuitĂ€t sei wichtiger als kurzfristige Höchstwerte.

Ergonomie im Homeoffice: Neue Herausforderungen

Die VerÀnderung der Arbeitswelt stellt neue Anforderungen an die PrÀvention. Arbeitsmedizinerin Vera Stich-Kreitner vom Verband Deutscher Betriebs- und Arbeitsmediziner (VDBW) fordert insbesondere im dauerhaften Homeoffice eine strikte Trennung von Arbeit und Privatleben sowie ergonomische Arbeitsplatzgestaltung.

Empfohlen wird die Simulation eines BĂŒroalltags: höhenverstellbare Schreibtische, StĂŒhle mit fĂŒnf Rollen, ein rechter Winkel zwischen Ober- und Unterarmen sowie ein Monitorabstand von 60 bis 70 Zentimetern. Das soll HaltungsschĂ€den und chronischen Schmerzen vorbeugen.

„Game on“: PrĂ€vention fĂŒr 37 Millionen Gamer

Parallel entwickeln sich neue Krankheitsbilder im Bereich digitaler Unterhaltung. Die AOK Rheinland/Hamburg startete zusammen mit der DSHS Köln den PrĂ€ventionskurs „Game on“. Er richtet sich an die rund 37 Millionen Gamer in Deutschland.

Experten beobachten hier ein verstĂ€rktes Auftreten des sogenannten Maus-Arms – ein Überlastungssyndrom, das frĂŒher als Tennis-Ellenbogen bekannt war. Problematisch: Solche Syndrome treten bei Gamern zehn bis fĂŒnfzehn Jahre frĂŒher auf als in anderen Bevölkerungsgruppen.

Da die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die „Internet Gaming Disorder“ mittlerweile als Krankheit anerkannt hat, gewinnen zertifizierte Kurse zur Mobilisierung und zum Ausgleich einseitiger Belastungen an Bedeutung.

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Bewegung als Therapie: Von Bechterew bis Arthrose

Bewegung wirkt nicht nur prĂ€ventiv, sondern auch therapeutisch. Bei Morbus Bechterew, einer entzĂŒndlichen WirbelsĂ€ulenerkrankung, kann frĂŒhzeitige Diagnose und gezielte Bewegung eine Gelenkversteifung verlangsamen. Betroffene leiden oft nachts oder morgens unter Schmerzen – Ruhe verschafft keine Linderung, Bewegung hingegen schon.

Auch in der Arthroseforschung gibt es neue Erkenntnisse. Eine Studie am Mount Sinai Hospital in New York mit Teilnehmern zwischen 60 und 85 Jahren belegte die Wirksamkeit moderaten Krafttrainings. Die Forscher um Ryan Walker beobachteten durch einfache Übungen wie Kniebeugen oder Rudern eine signifikante Steigerung der Gehgeschwindigkeit und der allgemeinen Kraft.

In Zusmarshausen oder Hoppegarten starten in der zweiten MaihÀlfte neue Kursangebote zur SturzprÀvention. Rollator-Training und Sitztanz sollen die Sturzgefahr bei Senioren reduzieren.

Pflegereform: 7,5 Milliarden Defizit erwartet

Die Bedeutung der MobilitĂ€tserhaltung wird durch die ökonomische RealitĂ€t unterstrichen. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stellt am 20. Mai ihre PlĂ€ne fĂŒr eine umfassende Pflegereform vor. Der Handlungsbedarf ist massiv.

Das Defizit der Pflegekassen wird fĂŒr 2027 auf ĂŒber 7,5 Milliarden Euro geschĂ€tzt. Bis 2028 könnte es auf mehr als 15 Milliarden Euro ansteigen. Gleichzeitig steigt die Zahl der PflegebedĂŒrftigen von aktuell 5,7 Millionen auf prognostizierte 7,6 Millionen im Jahr 2028.

Die geplanten Reformen sehen unter anderem eine Verlangsamung der Zuschusssteigerungen fĂŒr Heimbewohner vor. Der durchschnittliche Eigenanteil liegt aktuell bei 3.245 Euro pro Monat. Gesundheitsökonom Gandjour warnt vor den sozialen Folgen.

Ungenutzte AnsprĂŒche: 131 Euro verfallen

In diesem Kontext gewinnt die hĂ€usliche Pflege an Bedeutung. Viele AnsprĂŒche bleiben jedoch ungenutzt. Der monatliche Entlastungsbetrag von 131 Euro fĂŒr 2025 verfĂ€llt, wenn er nicht bis zum 30. Juni 2026 abgerufen wird.

Nur rund 40 Prozent der Berechtigten nutzen diesen finanziellen Spielraum. Zusammen mit der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege ergibt sich ein jÀhrlicher Pool von bis zu 5.111 Euro.

Sommer der Entscheidungen

Die kommenden Monate werden fĂŒr die Gesundheitspolitik richtungsweisend. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz strebt an, bis zum Beginn der Sommerpause am 10. Juli zentrale Reformvorhaben in Rente und Pflege zu verabschieden.

Eine Rentenkommission soll bis Ende Juni Ergebnisse vorlegen. Diskutiert wird unter anderem eine Kopplung des Rentenbeginns an die Beitragsjahre. Laut Umfragen bewertet eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung die bisherige Regierungsarbeit kritisch.

Der Tag der Sozialen Selbstverwaltung am 18. Mai wirbt um ehrenamtliches Engagement in den Gremien der Krankenkassen und Rentenversicherer. Die wissenschaftlichen Belege fĂŒr die Wirksamkeit einfacher Alltagsbewegung könnten als Grundlage fĂŒr kosteneffiziente PrĂ€ventionsprogramme dienen – und den wachsenden Druck auf die stationĂ€ren Pflegeeinrichtungen mindern.

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