Depression: Weniger als 5 Mahlzeiten pro Woche erhöht Risiko um 55%
20.06.2026 - 11:54:56 | boerse-global.de
Aktuelle Studien aus SĂŒdkorea, Vietnam und Deutschland zeigen: Nicht nur was wir essen, sondern auch wann und wie oft wir essen, kann die Psyche beeinflussen.
Weniger als fĂŒnf Mahlzeiten pro Woche? Risiko steigt
Eine groĂ angelegte Studie des Seoul St. Maryâs Hospital in SĂŒdkorea hat 22.000 Erwachsene untersucht. Das Ergebnis: Wer weniger als fĂŒnf Mahlzeiten pro Woche zu sich nimmt, hat ein 1,55-fach erhöhtes Risiko fĂŒr depressive Symptome. Rund fĂŒnf Prozent der Teilnehmer zeigten klinisch relevante Anzeichen einer Depression.
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Besonders kritisch ist der regelmĂ€Ăige Verzicht auf das FrĂŒhstĂŒck oder eine geringe Lebensmittelvielfalt. Die Forscher betonen jedoch: Die Studie belegt keinen direkten Kausalzusammenhang. Es sei ebenso möglich, dass bestehende Depressionen das Essverhalten verĂ€ndern und zu unregelmĂ€Ăigen Mahlzeiten fĂŒhren.
NÀhrstoffmangel: Kalzium und FolsÀure fehlen oft
Das Nationale Institut fĂŒr ErnĂ€hrung in Vietnam liefert mit einer Studie an 1.500 Teilnehmern konkrete Zahlen zu NĂ€hrstoffdefiziten. Ăber 60 Prozent der Befragten essen zu wenig Obst und GemĂŒse. Die Zufuhr essenzieller NĂ€hrstoffe liegt teils deutlich unter den Empfehlungen: Bei Kalzium erreichten die Teilnehmer nur 68,7 Prozent, bei FolsĂ€ure 50,9 Prozent der empfohlenen Tagesdosis. Zudem frĂŒhstĂŒcken 26,7 Prozent nicht regelmĂ€Ăig.
In der Fachwelt wird auch die Wirksamkeit spezieller ErnĂ€hrungsformen diskutiert. Die mediterrane ErnĂ€hrung wird oft mit weniger depressiven Symptomen in Verbindung gebracht. Die ChronoFast-Studie des Deutschen Instituts fĂŒr ErnĂ€hrungsforschung und der CharitĂ© Berlin liefert dagegen differenzierte Ergebnisse zum Intervallfasten: Bei 31 ĂŒbergewichtigen Frauen zeigte das zeitrestriktive Essen in einem Acht-Stunden-Fenster keine signifikanten Verbesserungen von InsulinsensitivitĂ€t oder EntzĂŒndungsmarkern â sofern die Kalorienzufuhr gleich blieb.
Jeder sechste Deutsche hatte schon eine Depression
Die Relevanz der Forschung untermauern aktuelle Gesundheitsdaten. Laut Robert Koch-Institut (RKI) aus dem Jahr 2024 hat fast jeder sechste Erwachsene in Deutschland (17 Prozent) mindestens einmal die Diagnose Depression erhalten. Ein RKI-Panel zeigt zudem eine steigende Stressbelastung: Jeder fĂŒnfte Befragte fĂŒhlt sich stark gestresst, besonders betroffen sind Frauen und die Altersgruppe der 18- bis 64-JĂ€hrigen.
Die Techniker Krankenkasse bestÀtigt den Trend: Der Anteil gestresster Menschen stieg von 57 Prozent im Jahr 2013 auf 66 Prozent im Jahr 2025.
Spannungsfeld zwischen Gesundheitsbewusstsein und Geldbeutel
Das Konsumverhalten zeigt ein klares Spannungsfeld. Laut KPMG Consumer Barometer 2026 achten 85,9 Prozent der Verbraucher verstĂ€rkt auf das Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis. Im Durchschnitt kaufen Konsumenten 4,49 Mal pro Woche im stationĂ€ren Handel ein â Preis und Erreichbarkeit sind die entscheidenden Faktoren.
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Neue TherapieansÀtze: Vom Medikament bis zur App
Die Entstehung von Depressionen wird meist durch ein bio-psycho-soziales Modell erklĂ€rt. Erfahrungen, StressbewĂ€ltigung und die Balance von Botenstoffen wie Serotonin und Dopamin wirken zusammen. Neben der ErnĂ€hrung rĂŒcken daher auch medikamentöse und digitale TherapieansĂ€tze in den Fokus.
Eine Studie der UniversitĂ€ten Oxford und Birmingham untersuchte den Wirkstoff Prucaloprid, der den Serotonin-Rezeptor aktiviert. Bei 50 Probanden, die eine Depression bereits ĂŒberwunden hatten, verbesserte eine kurzzeitige Gabe das ArbeitsgedĂ€chtnis und die Emotionserkennung. Fachleute weisen zudem auf digitale Gesundheitsanwendungen wie deprexis hin, die klassische Behandlungen wie die kognitive Verhaltenstherapie ergĂ€nzen können.
