USA, China

Nach HĂ€ngepartie: Neue US-Firma fĂŒr Tiktok steht

23.01.2026 - 02:38:28 | dpa.de

Die Zukunft von Tiktok in den USA hing monatelang in der Schwebe. Jetzt hat das US-GeschĂ€ft offiziell neue Besitzer bekommen. Ist die Debatte ĂŒber Risiken der populĂ€ren Video-App nun vorbei?

Die Zukunft von Tiktok in den USA scheint gesichert. (Archivbild) - Foto: Jens BĂŒttner/dpa
Die Zukunft von Tiktok in den USA scheint gesichert. (Archivbild) - Foto: Jens BĂŒttner/dpa

Das wegen Sorgen um den Einfluss Chinas monatelang vom Aus bedrohte US-GeschĂ€ft von Tiktok ist offiziell in eine neue Firma eingebracht worden. Als EigentĂŒmer der populĂ€ren Video-App behĂ€lt der in China ansĂ€ssige Konzern Bytedance einen Anteil von knapp 20 Prozent am neuen Gemeinschaftsunternehmen Tiktok USDS. Auf den Betrieb von Tiktok außerhalb der USA - etwa auch in Deutschland - hat das Geschehen keine Auswirkungen.

Die Zukunft von Tiktok in den USA scheint mit dem Umbau gesichert. Ein vor rund einem Jahr in Kraft getretenes Gesetz schrieb vor, dass sich Bytedance zumindest von der Kontrolle ĂŒber das US-GeschĂ€ft trennen musste, damit die Plattform weiterhin in den USA aktiv sein darf. PrĂ€sident Donald Trump war in seiner zweiten Amtszeit so sehr entschlossen, Tiktok im Land online zu halten, dass er in Umgehung des Gesetzes die Fristen fĂŒr die Transaktion immer weiter verlĂ€ngerte.

Vom Kritiker zum Fan

In seiner ersten Amtszeit wollte Trump noch selbst mit einer Verbotsdrohung einen Verkauf von Tiktok erzwingen, scheiterte aber an US-Gerichten. Im PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2024 fand er dann, dass die Plattform ihm beim Zugang zu jungen WĂ€hlern geholfen habe - und setzte sich fĂŒr ihren Erhalt ein.

«Ich bin so froh, dass ich zur Rettung von Tiktok beitragen konnte!», schrieb Trump am spĂ€ten Donnerstagabend (Ortszeit) auf seiner Plattform Truth Social. Er hoffe, dass er noch lange in Erinnerung derjenigen bleiben werde, die Tiktok nutzten und liebten. Trump dankte zudem Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping dafĂŒr, dass er mit den USA zusammengearbeitet und dem Deal letztlich zugestimmt habe. Er schĂ€tze das sehr, betonte Trump. 

US-Kritiker des von ihm durchgesetzten Deals warnen, die neue Struktur greife zu kurz, um Risiken fĂŒr die nationale Sicherheit auszurĂ€umen. 

Die «Financial Times» berichtete zudem, dass Bytedance auch weiterhin die Kontrolle ĂŒber das Onlinehandels- und WerbegeschĂ€ft von Tiktok in den USA behalten werde. Der Deal rette Tiktok den US-Markt und belasse zugleich den Großteil der wirtschaftlichen Vorteile bei Bytedance, sagte ein frĂŒherer Investor des bisherigen EigentĂŒmers der Zeitung.

Neue EigentĂŒmer fĂŒr US-GeschĂ€ft

Bei den Investoren der Firma fĂŒr das US-GeschĂ€ft gibt es keine Überraschungen. Wie bereits bekannt, halten der Software-Konzern Oracle sowie die Finanzfirmen Silver Lake aus den USA und MGX aus Abu-Dhabi jeweils 15 Prozent. Unter den weiteren Investoren sind der Computer-Unternehmer Michael Dell sowie der französische Unternehmer Xavier Niel.

Chef des neuen Gemeinschaftsunternehmens wird Adam Presser, der bereits zuvor bei Tiktok aktiv war. Tiktok-Chef Shou Chew hÀlt einen der sieben Sitze im Verwaltungsrat. Anders als von Trump einst angedeutet ist Medienmogul Rupert Murdoch nicht dabei.

Trump bewahrte Tiktok vor Aus in den USA

Da Bytedance seine Zentrale in Peking hat, hing die Zukunft der App in den USA seit Monaten in der Schwebe. Unter anderem wurde befĂŒrchtet, dass chinesische Behörden sich Zugang zu Daten von Amerikanern verschaffen oder die öffentliche Meinung in den USA manipulieren könnten. Tiktok und Bytedance bestritten das. Dennoch wurde unter Trumps VorgĂ€nger Joe Biden das Gesetz verabschiedet, das einen EigentĂŒmerwechsel erzwingen sollte. DafĂŒr stimmten sowohl Bidens Demokraten als auch Trumps Republikaner.

Trump setzte gleich zu seinem Amtsantritt im Januar die Umsetzung des Gesetzes aus und verlĂ€ngerte die Gnadenfrist seitdem immer weiter. Er betrachtete die App auch als Verhandlungsmasse im Feilschen im großen Handelskonflikt mit Peking.

Warnung vor Medien-Kontrolle durch Trump-Lager

Die Daten der US-Nutzer von Tiktok sollen wie geplant in Rechenzentren von Oracle gelagert werden. Die Demokraten warnten in den vergangenen Monaten angesichts des geplanten Deals um Tiktok, Trump wolle noch mehr Kontrolle darĂŒber, was man zu sehen bekomme, «seinen MilliardĂ€rs-Kumpeln» ĂŒberlassen.

Denn Oracle wird von Larry Ellison kontrolliert, einem milliardenschweren UnterstĂŒtzer von Trump. Seine Familie kaufte vor einigen Monaten den Hollywood-Konzern Paramount. Danach gab es beim dazugehörenden Sender CBS zĂŒgig einen Umbau der Nachrichtenredaktion und zum Teil eine freundlichere Berichterstattung ĂŒber das Trump-Lager. 

Paramount versucht auch, den Konkurrenten Warner Bros. Discovery zu ĂŒbernehmen, zu dem unter anderem der Trump-kritische Nachrichtensender CNN gehört. Warner Bros. Discovery selbst bevorzugt bisher aber das rivalisierende Angebot des Streaming-Riesen Netflix fĂŒr sein Studio- und Streaming-GeschĂ€ft.

Neu trainierter Algorithmus

Große Debatten gab es in den vergangenen Jahren um den Algorithmus von Tiktok - die Software, die entscheidet, welche Videos den Nutzern als NĂ€chstes angezeigt werden. In den USA wurde befĂŒrchtet, dass China die Software manipulieren könnte.

Nach bisherigen Angaben der US-Regierung bekam das neue Gemeinschaftsunternehmen eine Kopie der Algorithmus-Software von Tiktok. Diese werde nun durchleuchtet und mit Daten von US-Nutzern neu angelernt, hieß es. Einige Kritiker von Trumps Tiktok-Deal warnten, dass dies nicht genug Sicherheit gebe. Das US-Gesetz schreibt vor, dass weder die chinesische Regierung noch Bytedance Kontrolle ĂŒber den Algorithmus haben dĂŒrfen.

Die Lagerung der Daten unter Kontrolle von Oracle in den USA sowie die Überwachung der Software durch den US-Konzern gehörte schon vor Jahren zu einem Plan, mit dem Bytedance die Bedenken in Amerika ausrĂ€umen wollte.

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