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Digitale Zwillinge: Deutschland startet BRAVE10k mit 10.000 Bussen

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 20:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Deutschland treibt mit Großprojekten wie BRAVE10k und Infineons Smart Power Fab den Einsatz digitaler Zwillinge massiv voran.

Digitale Zwillinge: Deutschlands neuer Wettbewerbsvorteil in Industrie und Forschung
Digitale - Digitale Zwilling-Überlagerung einer Stadtstraße mit autonomen Fahrzeugen und Datenströmen, die fortschrittliche deutsche Technologie repräsentiert. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere Großprojekte und Forschungsinitiativen zeigen: Die virtuelle Abbildung realer Systeme wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

10.000 autonome Busse bis 2030

Ein Meilenstein gelang heute mit dem Start des BRAVE10k-Forschungsprojekts. Ziel ist es, bis 2030 mehr als 10.000 fahrerlose Fahrzeuge in den öffentlichen Nahverkehr zu integrieren. Das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Vorhaben vereint rund 20 Partner aus Industrie und Forschung unter der Führung des Karlsruher Unternehmens INIT.

Die digitale Zwillingstechnologie spielt dabei eine Schlüsselrolle: Mit ihrer Hilfe sollen standardisierte Verfahren und rechtliche Rahmenbedingungen für den großflächigen autonomen Betrieb entwickelt werden. Das Projekt läuft über drei Jahre – ein ambitionierter Zeitplan für eine Revolution im Nahverkehr.

Infineon setzt neue Maßstäbe in Dresden

Bereits am 2. Juli meldete der Halbleiterkonzern Infineon die vorzeitige Fertigstellung seiner neuen Smart Power Fab in Dresden. Mit fünf Milliarden Euro Investitionssumme handelt es sich um das größte Einzelprojekt der Unternehmensgeschichte. Rund 1,15 Milliarden Euro flossen als öffentliche Förderung aus dem European Chips Act.

Das Besondere: Infineon setzte bei Planung und Anlagenlayout durchgängig auf digitale Zwillinge. Ein virtuelles Fabrik-Konzept verbindet zudem die Standorte Dresden und Villach in Österreich – und ermöglicht so eine nahtlose Produktionssteuerung über Ländergrenzen hinweg.

Automatisierte Simulation für die Fertigung

Die manuelle Erstellung digitaler Zwillinge ist aufwendig – genau hier setzt das AutoSim-Projekt an. Partner wie das WZL der RWTH Aachen, Miele, Schaeffler und die SMS group entwickeln Verfahren zur automatischen Segmentierung von 3D-Scans. Künftig sollen natürliche Sprachschnittstellen die Verarbeitung heterogener Produktionsdaten ermöglichen.

„Das Ziel ist ein digitaler Zwilling, der sich quasi selbst erstellt", fasst ein Projektbeteiligter die Ambitionen zusammen. Die Automatisierung der Simulation könnte besonders für den deutschen Mittelstand ein Gamechanger sein.

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Weiterbildung für die Fachkräfte von morgen

Das Fraunhofer IPK reagiert auf den wachsenden Bedarf an Experten: Seit dem 6. Juli bietet das Institut ein modulares Online-Programm „Mastering Digital Twins" an. Der Kurs deckt den gesamten Lebenszyklus digitaler Zwillinge ab – vom ersten Entwurf bis zum Ende der Nutzungsdauer. Spezielle Tracks richten sich an Lösungsarchitekten und technische Entwickler.

Siemens treibt die nächste Generation voran

Die Softwareanbieter arbeiten bereits an der nächsten Evolutionsstufe. Siemens-Forscher betonten Anfang der Woche den Unterschied zwischen einfachen und umfassenden digitalen Zwillingen. Letztere integrieren Software, Mechanik und Elektronik in einem Modell. Sie ermöglichen virtuelle Inbetriebnahmen und vorausschauende Wartung.

Der Paradigmenwechsel ist deutlich: Statt technologiegetriebener Entwicklung steht die problemorientierte Innovation im Vordergrund. Nicht das Machbare, sondern das Nötige bestimmt die Richtung.

Telekommunikation und Umweltmodellierung

Auch die Netzbetreiber setzen auf die Technologie. Das Beratungsunternehmen P3 kündigte heute die Entwicklung eines RAN-Digitalen Zwillings für Deutschland an. Das Projekt nutzt die Telekom-Cloud T Cloud, die kürzlich ihre KI-Kapzitäten in München mit 10.000 NVIDIA-GPUs ausbaute.

Die Anwendungen reichen längst in die Umweltforschung hinein. Ein auf KI spezialisiertes mittelständisches Unternehmen sucht Partner für einen selbstorganisierenden digitalen Zwilling zur regionalen Atmosphären- und Ozeanvorhersage. Ziel: die präzise Vorhersage von Extremwetterereignissen wie Zyklonen und Starkregen.

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ESA fördern Erdbeobachtung

Ebenfalls heute veröffentlichte die Europäische Weltraumorganisation ESA einen Aufruf für Digital-Twin-Komponenten im Rahmen der Destination-Earth-Initiative. Gesucht werden Projekte zur Modellierung der terrestrischen Biosphäre, der Ozeangesundheit und der Luftqualität. Die Förderung reicht bis zu 1,5 Millionen Euro für Leitkomponenten. Bewerbungsschluss ist der 19. August 2026.

Deutscher Markt für Prozessautomation wächst

Die Expansion der digitalen Zwillingstechnologie fällt in eine Wachstumsphase des deutschen Marktes für Prozessautomation. Deutschland bleibt der größte Einzelmarkt in Europa – 55 bis 65 Prozent der jährlichen Beschaffung entfallen auf die bestehende Installationsbasis von Steuerungen und Überwachungssystemen.

Die Schlüsselbranchen Chemie, Pharma sowie Lebensmittel- und Getränkeindustrie verantworten 70 bis 80 Prozent dieser Käufe. Branchenbeobachter erwarten bis 2035 ein hohes einstelliges jährliches Wachstum. Der Treiber: die Migration zu Ethernet-basierten Netzwerken und modularen, app-basierten Plattformen.

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